Warum Supermarkt-Produkten und sogar Autos zurückgerufen werden
Gründe für einen Rückruf sind genauso vielfältig wie die Produkte an sich. Von Lebensmittel bis zu Autos kann alles von einem Rückruf betroffen sein.
Kassel – Egal in welcher Branche, ein Rückruf hat für Verbraucher wie für Unternehmen oft verheerende Folgen. Für die Unternehmen stellt ein Rückruf von Produkten Umsatzeinbußen und teilweise auch Imageverluste dar. Doch schlimmer trifft es potenzielle Kunden, denn ein fehlerhaftes Produkt kann die Gesundheit gefährden. Was sind die häufigsten Gründe für einen Rückruf?
| Was ist ein Rückruf? | Ein Produkt wird wegen eines Mangels zurückgenommen |
|---|---|
| Welche Produkte können zurückgerufen werden? | Jedes Produkt |
| Wie oft kommt es zu Rückrufen? | täglich |
Grund für einen Rückruf im Supermarkt: Wenn Lebensmittel gesundheitsgefährdend sind
Immer wieder schlagen Meldungen über fehlerhafte Lebensmittel hohe Wellen. Ein Rückruf von Lebensmitteln macht vor allem eines, Angst um die eigene Gesundheit. Und doch kommt es immer wieder zu Rückruf-Aktionen bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und ähnlichen Supermärkten und Discountern. So stieg die Anzahl an Lebensmittelwarnungen in den letzten Jahren stetig. Laut einer Aufstellung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe zitieren. Waren es 2015 nur 100 Warnungen, stieg die Zahl 2018 bereits auf 186.

Doch welchen Grund gibt es für die Lebensmittelwarnungen, die nicht selten zum Rückruf von Lebensmitteln führen? Oft würden sogenannte mikrobiologischer Verunreinigungen beanstandet. Pilze, Bakterien oder Keime, die Krankheiten auslösen können, werden dann in Lebensmitteln entdeckt. Ein anderer Grund können Fremdkörper in den Lebensmitteln von Supermärkten und Discountern wie Aldi und Lidl sein. Außerdem kann auch eine fehlerhafte Auszeichnung auf dem Etikett oder unzulässige Inhaltsstoffe eine Warnung oder gar einen Rückruf erforderlich machen.
Grund für Rückruf in der Auto-Branche: Wenn gefährdet, was schützen soll
Autobauer nutzen einen Rückruf meist dafür, fehlerhafte Produkte aus dem Verkehr zu ziehen und die Mängel zu beseitigen. Auch hier zeigt sich in einer Statistik zu Rückrufen vom Kraftfahrt-Bundesamt ein beunruhigender Trend. Wurden 2013 noch unter 200 Rückruf-Aktionen bei Fahrzeugen durchgeführt, stieg die Zahl 2015 auf fast 400 und erreichte 2019 schließlich über 600. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl dann exponentiell an.
In der Auto-Branche seien – so das Kraftfahrt-Bundesamts – zum einen die Rückrufe wegen der Diesel-Abgasthematik ein Faktor für den steigenden Trend. Das bestätigte sich auch wieder im Dezember 2023. Wie der Landtag Baden Württemberg auf seiner Website mitteilte, musste Mercedes-Benz allein in Deutschland Zehntausende Diesel-Autos wegen des erneuten Vorwurfs einer illegalen Abgastechnik zurückrufen.
Neben der Diesel-Abgasthematik gehören auch Airbag-Rückrufe von Autobauern zu den häufigsten Gründen für Rückrufe von Fahrzeugen. Dazu kommen einzelne Rückrufe wegen fehlerhaften sicherheitsrelevanten Autoteilen wie Lenkung, Bremse, Motor oder Sicherheitsgurt. Ein Auto-Bauer startete vor kurzem einen Rückruf wegen einer Fehlfunktion – Ein wichtiges Sicherheitssystem war betroffen.
Steigende Zahlen bei Rückrufen: Das Warum ist unterschiedlich
Die Zahl der bundesweiten Rückruf-Aktionen steigt seit Jahren an, egal ob in der Auto-Branche oder bei Lebensmitteln von Supermärkten wie Aldi, Lidl oder auch Rewe. Das Kraftfahrt-Bundesamt erklärt den Trend im Automobilbereich in ihrer Statistik unter anderem damit, dass in den letzten Jahren auch mehr Testungen stattgefunden hätten. In der Lebensmittelbranche wird dagegen moniert, dass zu wenig Kontrollen stattfinden. Ein Grund dafür sei, dass die Kontroll-Teams oft zu wenig Mitarbeiter hätten.
Das Verbrauchermagazin des NDR nennt als Faktor für die steigenden Rückruf-Aktionen den Konkurrenzdruck bei den Herstellungskosten. Außerdem werde oft auf feste Lagerkapazitäten verzichtet. In der Konsequenz werden viele Produkte direkt nach der Herstellung ausgeliefert, was vorherige Kontrollen erschwert. Auch die vermehrten Hinweise von Kunden via Social Media seien ein Grund für die steigende Anzahl bei Rückrufen. (Sophia Lother)