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Grundsteuer: Wie man den Bodenrichtwert ganz einfach ermitteln kann

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Von: Alexander Gottschalk

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Die Grundsteuererklärung stresst viele Grundstückseigentümer. Eine Hürde: den Bodenrichtwert finden. Dabei ist das gar nicht überall notwendig.

Kassel – Die Uhr tickt. Noch bis zum 31. Oktober haben Grundstückseigentümer Zeit, ihre Grundsteuererklärung abzugeben. Nur knapp ein Fünftel der Betroffenen (Stand: 12. September) hat die nötigen Unterlagen bislang beim Finanzamt eingereicht. Fast 36 Millionen Grundstücke in Deutschland müssen neu bewertet werden, denn ab 2025 soll die reformierte Grundsteuer mit neuen Berechnungsgrundlagen greifen. Wer die Abgabefrist verpasst, riskiert Strafen: Die Zwangsgelder beginnen bei 25 Euro und können bei mehrfachen Versäumnissen auf bis zu 25.000 Euro steigen.

Auch wenn Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bislang nicht ausschließt, dass die Abgabefrist über den 31. Oktober hinaus verlängert wird: Allein aufgrund der Komplexität der Grundsteuererklärung bietet es sich an, sich zeitnah um diese zu kümmern. Potenzielle Fehlerquellen gibt es bei der Bearbeitung einige. Eine von ihnen: Der Bodenrichtwert (kurz auch: BRW). Ihn müssen Grundstückseigentümer in allen Bundesländern angeben, die sich bei der Grundsteuererklärung für das sogenannte Bundesmodell entschieden haben, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Sachsen.

Der Schein kann trügen
Hohe Grundsteuer oder niedrige? Was Grundstückseigentümer zahlen, errechnet sich auch an der Höhe des Bodenrichtwerts. (Symbolbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn

Grundsteuererklärung 2022: Bodenrichtwert nicht in allen Bundesländern erforderlich

Baden-Württemberg nutzt zwar das sogenannte Bodenwertmodell, auch hier braucht es aber den Bodenrichtwert. Die Finanzämter in Hessen (Flächen-Faktor-Modell) und Niedersachsen (Flächen-Lage-Modell) berücksichtigen den Bodenrichtwert automatisch. Dort muss man ihn nicht in der Grundsteuererklärung angeben. Lediglich in Bayern (Flächenmodell) und Hamburg (Wohnlagenmodell) spielt der BRW für die Grundsteuererklärung keine Rolle. Eine Übersicht zu allen Bundesländern und den zugehörigen Quellen für den BRW findet sich weiter unten im Text.

Der Bodenrichtwert gibt an, wie viel ein Quadratmeter unbebauten Bodens an einem bestimmten Ort in Deutschland durchschnittlich wert ist. Vereinfacht gesagt: Im dicht besiedelten Frankfurt ist der Quadratmeter teurer als in den ländlichen Regionen Brandenburgs. Der BRW kann somit ein wichtiger Faktor für die Höhe der jährlichen Grundsteuer sein. Ermittelt wird der Bodenrichtwert von Gutachterausschüssen für Grundstückswerte. Gültig sind die ermittelten Werte zum Stichtag 1. Januar 2022. Sie kann man online zentral über das Bodenrichtwertinformationssystem für Deutschland (BORIS-D) abrufen.

BundeslandBRW in der Grundsteuerklärung angeben?Weitere Informationen/Daten
Baden-WürttembergJawww.gutachterausschuesse-bw.de
BayernNein, ist nicht erforderlichwww.gutachterausschuesse-bayern.de
BerlinJawww.berlin.de/gutachterausschuss
BrandenburgJawww.gutachterausschuesse-bb.de
BremenJawww.gutachterausschuss.bremen.de
HamburgNein, ist nicht erforderlichwww.hamburg.de/bsw/gutachterausschuss
HessenNein, wird automatisch erfassthvbg.hessen.de/immobilienwerte
Mecklenburg-VorpommernJawww.laiv-mv.de/Geoinformation/Wertermittlung
NiedersachsenNein, wird automatisch erfasstwww.gag.niedersachsen.de/
Nordrhein-WestfalenJawww.boris.nrw.de
Rheinland-PfalzJagutachterausschuesse.rlp.de
SaarlandJawww.saarland.de/lvgl/DE/themen-aufgaben/themen/zgga/zgga_node.html
SachsenJawww.boris.sachsen.de
Sachsen-AnhaltJawww.lvermgeo.sachsen-anhalt.de/de/gutachterausschuss.html
Schleswig-HolsteinJawww.schleswig-holstein.de/gaa/DE/gaa_node.html
ThüringenJawww.gutachterausschuss-th.de
Quelle: BORIS-D

Grundsteuererklärung muss elektronisch abgegeben werden

Die Grundsteuererklärungen nehmen die Finanzbehörden seit dem 1. Juli entgegen. Sie muss elektronisch übermittelt werden. Als Alternative zur Steuerplattform „Elster“, mit der es im Sommer technische Schwierigkeiten gab, hat das Finanzministerium eine Website mit dem Titel „Grundsteuererklärung für Privateigentum“ eingerichtet, die Grundstückseigentümer für die Bearbeitung und Abgabe nutzen können. Allerdings nur, wenn sie aus Bundesländern kommen, die auf das Bundesmodell zurückgreifen. Anderen empfiehlt die Stiftung Warentest das „Wiso Grundsteuer“-Programm, das allerdings mit 30 Euro zu Buche schlägt. (Alexander Gottschalk mit dpa)

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