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Heizen und Warmwasser: So drehen Sie jetzt Ihre Kosten runter

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Von: Sebastian Hölzle

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Wie kann man Haus und Wohnung noch im Sommer winterfest machen?

München – Europa soll Gas sparen – das Einsparziel lautet 15 Prozent von August bis Ende März 2023. Nicht nur staatliche Einrichtungen und die Industrie sollen weniger Energie verbrauchen, auch Privathaushalte sind zum Sparen aufgerufen. Und da Gas auch zur Stromerzeugung eingesetzt wird, soll genauso Strom gespart werden. Oft reichen schon kleine Maßnahmen, um Energie und Geld zu sparen. Nur manchmal sind kleine Investitionen für ein paar Euro nötig.

Wir erklären, wie man Haus und Wohnung noch im Sommer winterfest machen kann, um mit einfachen Mitteln weniger Öl, Gas oder Strom zu verbrauchen. Es geht darum, mit einfachen Tricks Heizungswärme und Warmwasser einzusparen, wie merkur.de berichtet.

Warmwasser: 50 Cent für ein Vollbad, 20 Cent fürs Duschen

Nicht nur Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) haben dazu aufgerufen, kürzer zu duschen, auch etliche Experten haben sich dem Aufruf angeschlossen. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, wie teuer eine Dusche ist. „Eine durchschnittliche Dusche von fünf bis zehn Minuten verbraucht wenigstens 1,5 Kilowattstunden und ein Vollbad durchaus ein Vielfaches an Energie und Wasser“, sagt Norbert Endres, Energieberater für die Verbraucherzentrale Bayern.

„Bei aktuell etwa zwölf Cent pro Kilowattstunde kostet eine Dusche rund 30 Cent, ein Vollbad kostet – abhängig von der Wannengröße und ihrem Füllstand – oft wenigstens 90 Cent und damit etwa dreimal so viel.“ Wer die Duschzeit halbiert, kommt entsprechend mit 15 Cent aus. Endres unterstellt für seine Berechnung eine Warmwasserbereitung mit Heizöl, Gas oder Fernwärme. „Bei einer elektrischen Warmwassererwärmung ist alles drei- bis sechsmal so teuer.“

Aber auch diese Kosten lassen sich noch einmal senken: „Normale Duschbrausen lassen zwischen zehn und 20 Liter Wasser pro Minute durch, sparsame Duschköpfe nur bis zu neun Liter pro Minute“, sagt Endres und hat noch einen Tipp, wie sich der aktuelle Wasserverbrauch messen lässt: Einen Eimer genau sechs Sekunden unter die voll aufgedrehte Duschbrause halten, messen, wie viel Liter im Eimer sind, den Wert mit zehn multiplizieren – schon ist klar, wie viel Liter pro Minute durch den Duschkopf fließen.

Warmwasser sparen: Neue Siebe für den Wasserhahn

Die kleinen Siebe am Wasserhahn heißen offiziell Strahlregler. Sie reduzieren den Durchfluss von Wasser durch den Hahn. Teils mischen sie auch noch Luft in den Wasserstrahl, sodass man für den üblich starken Strahl weniger Wasser benötigt. Die kleinen Helfer werden auch Perlstrahler oder Luftsprudler genannt oder mit dem Markennamen Perlator bezeichnet. Sie können laut der gemeinnützigen Beratungsorganisation co2online den Wasserverbrauch bis um die Hälfte reduzieren. Das senkt beim Gebrauch von Warmwasser die Energiekosten.

Thermostate am Heizkörper tauschen

Alte Heizkörperthermostate sollte man nach Ansicht von Verbraucherexperte Endres nach 15 bis 20 Jahren erneuern. „Besonders komfortabel können digitale Thermostate sein, die gibt es inzwischen ab 15 Euro pro Stück.“ Smarte Thermostate ließen sich oft auch mit einer App kombinieren. Aber auch klassische analoge Thermostate sind eine Möglichkeit, Energie zu sparen. „Sie kosten im Sechserpack oft nur zehn Euro, dieses Geld spar ich in einer Heizperiode durch die stabilere Temperaturhaltung locker ein“, sagt Endres.

Sechs Prozent Ersparnis bei einem Grad weniger

Die Energie-Ersparnis durch das Absenken der Raumtemperatur ist beträchtlich: „Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, kann seinen Energieverbrauch um rund sechs Prozent senken“, sagt Energie-Experte Endres. Insbesondere in Räumen, die wenig genutzt werden, lässt sich die Raumtemperatur oft problemlos absenken. „Daher Türen zu weniger beheizten Räumen in der Heizperiode geschlossen halten“, sagt Endres.

Damit Wärme nicht unnötig verloren geht, rät Endres zum „konsequenten Stoß- statt Dauerlüften“. Das heißt: Wenige Minuten möglichst gegenüberliegende Fenster und möglicherweise auch Balkon- oder Terrassentüren aufreißen, anstatt die Fenster auf Kipp zu stellen. Laut dem Energiesparportal co2online gelten folgende Orientierungswerte: 16 bis 18 Grad fürs Schlafzimmer, 18 bis 20 Grad für die Küche, 20 bis 22 Grad für Wohn- und Kinderzimmer und für das Bad warme 23 Grad.

Lüften verhindert Schimmelbildung

Sinkt die Temperatur in einem Raum, sinkt auch die Fähigkeit der Luft, Feuchtigkeit aufzunehmen. Ab einem bestimmten Punkt kondensiert Wasser, das sich an kühlen Außenwänden absetzen kann – das Risiko der Schimmelbildung steigt. Energie-Experte Endres gibt aber Entwarnung: „Es ist kein Problem, die Raumtemperatur im Winter zu senken, wenn regelmäßig gelüftet wird.“ Gelüftet werden sollte wenigstens nach dem Schlafen, nach dem Duschen und vor dem Zubettgehen. Zudem empfiehlt er jedem Haushalt, ein Thermo-Hygrometer anzuschaffen, also ein Gerät, das sowohl die Temperatur als auch die relative Luftfeuchte misst.

Das Gerät sollte sich in einem möglichst zentralen Raum an einer Innenwand befinden. „Gute Thermo-Hygrometer gibt es schon ab 20 Euro. Sobald ich eines habe, kann ich an den Werten mein Lüftungsverhalten orientieren.“ Als Faustregel gilt: „40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte sorgen für ein gutes Raumklima und lassen das Schimmelrisiko sinken.“

Dass an kalten Außenwänden eine höhere Feuchtebelastung möglich ist, brauche einen nicht zu besorgen, sofern keine Möbel davor stehen und regelmäßig gelüftet werde, sagt Endres. Trotzdem gilt: Zu kalt sollten die Wohnräume im Winter nicht werden. „Als Daumenwert kann man sich etwa 17 Grad als Untergrenze merken, stärker als fünf Grad sollte sich eine Wohnung nur bei längerer Abwesenheit abkühlen“, sagt Endres.

Fenster für wenig Geld abdichten

Wärme geht im Winter oft über undichte Fenster und Türen oder Dachluken verloren. „Nicht immer ist ein neues Fenster erforderlich, oft reicht auch eine neue Dichtung oder das fachgerechte Einstellen des Fensters“, sagt Endres. „Wichtig ist daher, jetzt im Sommer zu prüfen, ob die Fenster und Außentüren dicht sind“, sagt Endres. Sein Tipp: Fenster öffnen, ein Blatt Papier zwischen Dichtung und Fensterrahmen legen, Fenster komplett schließen. „Lässt sich das Papier herausziehen, ist das Fenster undicht, eigentlich muss das Papier an allen vier Seiten des Fensters festklemmen“, sagt Endres.

Vermieter hätten die Pflicht, die Dichtheit von Fenstern und Außentüren nach Benachrichtigung und Fristsetzung von 14 Tagen gegebenenfalls auf Vordermann zu bringen. „Sind die Fenster undicht, sollte ich als Mieter noch schleunigst vor der Heizperiode meinen Vermieter kontaktieren, damit er den Mangel beheben kann.“ Komme der Vermieter dieser Pflicht nicht nach, könne der Mieter besonders bei modernen Fenstern eine Mietminderung verlangen.

„Bei älteren undichten Holzfenstern kann man auch gut selbst tätig werden und ein passendes Dichtungsklebeband im Baumarkt kaufen“, sagt Endres. Das sei im Vergleich zu einem professionellen Fensterfachbetrieb zwar Pfusch, aber abdichten ließe sich das Fenster damit erst einmal. „Das ist aber nichts Langfristiges, da solche Klebebänder oft nicht lange halten. Bei Wohnungseingangs- und Haustüren können zum Beispiel aufschraubbare Dichtungsleisten und Türbodendichtungen in Bürstenform helfen.“

Möbel rücken für mehr Wärme

Wenn die Heizkörper im Raum verdeckt oder zugestellt sind, können sie ihre Wärme nicht gut an die Raumluft abgeben. Es bleibt folglich kühler, als man möchte – oder man dreht das Heizungsventil weiter und weiter auf. Daher lohnt es sich, noch jetzt im Sommer im ganzen Haus zu prüfen, ob die Heizkörper frei sind – und sie gegebenenfalls freizuräumen. Dazu rät die Kampagne „80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel“ des Bundeswirtschaftsministeriums mit einem Bündnis von Verbänden.

Bis zu zwölf Prozent Energiekosten könne man mit dieser Maßnahme sparen. Es sollten also keine Sofas, Kommoden, Schränke oder auch Wohnaccessoires vor den Heizkörpern stehen, Vorhänge die Heizung nicht überdecken. Die Verbraucherzentralen raten, die Heizkörper auch mal abzustauben – auch von innen. Denn auch die Staubablagerungen mindern die Heizleistung.

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