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Inflation: Auch die Mieten werden steigen – Ein Immobilienkonzern stößt auf Kritik

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Von: Tanja Koch

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Erst im April fand in Bochum eine Demonstration gegen Mietpreiserhöhungen und Immobilienkonzerne wie Vonovia statt.
Erst im April fand in Bochum eine Demonstration gegen Mietpreiserhöhungen und Immobilienkonzerne wie Vonovia statt. © Jochen Tack/Imago

Der Anstieg der Mieten liegt derzeit noch unter der Inflationsrate von vier Prozent. Der Vonovia-Vorstandschef erwartet, dass sich das ändert.

Frankfurt am Main – Wie Deutschlands größte Immobilienfirma, der Dax-Konzern Vonovia angekündigt hat, müssen sich Millionen deutscher Mieter auf stärker steigende Wohnkosten einstellen. Angesichts der hohen Inflationsraten vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs halte Vonovia dies für unausweichlich. „Wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen“, sagte Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch dem „Handelsblatt“ (Ausgabe von Mittwoch, 1. Juni). Der Mieterbund kritisierte die Ankündigung scharf.

„Wir können nicht so tun, als wenn die Inflation an den Mieten vorbeigeht. Das wird nicht klappen“, sagte Buch weiter. Der Immobilienriese besitzt rund 565.000 Wohnungen, die meisten davon in Deutschland. Die durchschnittliche Miete bei Vonovia erhöhte sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Schnitt auf 7,40 Euro pro Quadratmeter - das waren 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies liegt noch deutlich unter der derzeitigen Inflationsrate von knapp acht Prozent.

Auch Mieten steigen durch Inflation: Mieterbund hält Geschäftsmodell der Wohnungskonzerne für unsozial

Der Deutsche Mieterbund (DMB) übte scharfe Kritik an der angekündigten Mieterhöhung. „Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind“, erklärte DMB-Präsident Lukas Siebenkotten.

Vonovia hatte demnach im Pandemiejahr 2021 rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn erzielt und mit 1,66 Euro pro Aktie die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte ausgezahlt. Im selben Jahr stiegen die Mieten in den Wohnungen des Konzerns laut DMB um durchschnittlich 3,8 Prozent, in Berlin betrug die Steigerungsrate acht Prozent. Vonovia übernahm zudem für rund 19 Milliarden Euro den bis dahin zweitgrößten börsennotierten Immobilienkonzern, die Deutsche Wohnen. Zuvor war 2016 eine Fusion zwischen Vonovia und Deutsche Wohnen geplatzt.

„Spätestens jetzt zeigt sich, dass die blumigen Ankündigungen der Vonovia-Spitze im Zuge der Übernahme der Deutsche Wohnen, wonach die Bestandsmieten um nicht mehr als ein Prozent pro Jahr steigen sollen, nichts als Makulatur sind“, kritisierte Siebenkotten. Politik und Kartellamt seien „am Nasenring durch die Manege geführt worden“. „Am Ende zahlen alles die Mieterinnen und Mieter, das ist das Geschäftsmodell von Vonovia und Co“, kritisierte Siebenkotten. (tk mit afp)

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