Finanzen

Schluss mit der Inkasso-Abzocke? Verbraucherzentrale kritisiert neues Gesetz

Ein neues Inkasso-Gesetz soll Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten. Die Verbraucherzentrale kritisiert die Reform jedoch.
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Ein neues Inkasso-Gesetz soll Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten. Die Verbraucherzentrale kritisiert die Reform jedoch.

Ein neues Inkasso-Gesetz soll Verbraucherinnen und Verbraucher vor hohen Kosten schützen. Die Reform wird von der Verbraucherzentrale allerdings kritisiert.

Kassel – Post von Inkassounternehmen kann schnell im Briefkasten landen. Etwa weil man vergessen hat, eine Online-Rechnung zu begleichen, was aufgrund der vielen Bestellungen während der Corona*-Krise durchaus mal passieren kann. Doch auch eine Mahnung kann übersehen werden – zum Beispiel, wenn diese per E-Mail versendet wird und im Spam-Ordner landet. Überzogene Kosten sind dann häufig die Folge.

Seit Oktober profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch von einem verbesserten Schutz vor Inkasso-Abzocken. Potenzielle Kosten für einige Inkassotätigkeiten werden demnach stärker als bislang beschränkt. Der Verbraucherschutz bemängelt jedoch, dass Personen, die die Forderungen nicht auf einen Schlag begleichen können, trotz Reform weiterhin in die Röhre schauen.

Inkasso-Kosten werden dank Reform teilweise gedeckelt

Wie die Verbraucherzentrale NRW mitteilt, haben Inkassofirmen selbst bei Kleinforderungen, also bis 50 Euro, in der Regel 76,44 Euro obendrauf berechnet. Schnell mussten also Gebühren bezahlt werden, die weitaus höher ausfielen als der ursprüngliche Kaufbetrag. In Zukunft dürfen in solchen Fällen allerdings maximal 32,40 Euro anfallen. Darüber hinaus wurde auch bei Forderungen über 50 Euro ein Kostendeckel eingeführt. Beispielsweise werden bei einer Forderung von 500 Euro künftig im Regelfall nur noch rund 53 Euro Inkassokosten fällig.

Die Deckelungen greifen aber nur, wenn die Forderung nicht bestritten wird. Sollte man die Forderung bestreiten, und das irrtümlich, muss mit höheren Kosten gerechnet werden. Man sollte sich also sicher sein, welche Zahlungen tatsächlich schon getätigt wurden und welche noch ausstehen.

Verbraucherzentrale kritisiert unklare Inkasso-Reform: Verschuldete können nicht auf Schutz bauen

Bei „besonders schwierigen oder besonders umfangreichen“ Fällen erlaubt das neue Inkasso-Gesetz zudem, ähnlich hohe Beträge wie zuvor zu veranschlagen. Ab wann ein Fall als „schwierig“ oder „umfangreich“ gilt, wird darüber hinaus nicht festgelegt. Wer nicht in der Lage ist, eine Forderung zu bezahlen, kann laut der Verbraucherzentrale „nicht auf Erleichterungen und einen besseren Schutz durch die Reform bauen“.

Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer befürchten, dass viele Inkassofirmen die Grenze von „schwierigen“ und „umfangreichen“ Fällen eher niedrig ansetzen, um weitere höhere Kosten verlangen zu können. Überschuldete Verbraucherinnen und Verbraucher müssten also damit rechnen, mit höheren Kosten belastet zu werden und weiterhin Ziel von Inkasso-Abzocken zu bleiben. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Im Oktober 2021 sind mehrere Bereiche von Änderungen* betroffen. Während etwa die Abgabe der Steuererklärung verlängert wurde, werden Corona-Tests kostenpflichtig.

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