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Heftige Kritik an Lauterbachs Krankenkassen-Plänen – Gesundheitsexpertin äußert Zweifel

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Von: Ares Abasi

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach erklärt, warum die Krankenkassen-Beiträge künftig steigen werden. Wann es sich lohnt, die Krankenkasse zu wechseln.

Berlin – Gesetzlich Versicherte müssen sich auf deutlich höhere Krankenkassenbeiträge einstellen. Die Zusatzbeiträge sollen im nächsten Jahr um 0,3 Prozentpunkte steigen, wie es in der Zusammenfassung der GKV-Finanzreform heißt, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag (26. Juli) in Berlin bekannt gegeben hat. Lauterbach spricht von einem „historischen Defizit“.

Der höhere Beitrag von 1,6 % soll die gesetzliche Krankenkasse (GKV) aus dem Finanzloch bringen. Dies ist ein Rekorddefizit von 17 Milliarden Euro, das vor allem die Versicherten nun zu spüren bekommen. Derzeit liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,3 %. Kombiniert man den derzeitigen allgemeinen Beitrag von 14,6 % mit den zusätzlichen 0,3 Prozentpunkten, erhöht sich die Gesamtsumme auf 16,2 %. Die Bundesregierung habe die GKV-Finanzen in einer sehr schwierigen Lage vorgefunden, sagte Lauterbach.

Krankenkassen-Beiträge sollen steigen: Lauterbach rechnet mit Einnahmen in Milliardenhöhe

Das Defizit hat Lauterbach im Wesentlichen von seinem Vorgänger Jens Spahn (CDU) geerbt, aber seit seinem Amtseintritt ist es nicht gewachsen. Lauterbach unternahm „teure Leistungsreformen“, verzichtete aber auf notwendige Strukturreformen. Durch die Erhöhung der Zusatzbeiträge sollen laut Lauterbach zusätzliche Einnahmen von 4,8 bis 5 Milliarden Euro generiert werden. Um das immer höher werdende Milliardendefizit zu decken, sind laut Lauterbach weitere 2 Milliarden Euro an Bundeszuschüssen und Kredite an die Kassen nötig.

Darüber hinaus sollen die Reserven des Gesundheitsfonds sowie der einzelnen Kassen angegangen werden. Zusätzlich soll die pharmazeutische Industrie einen Solidaritätszuschlag in Höhe von einer Milliarde Euro zahlen, so die AFP. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) äußert sich skeptisch zu Lauterbachs Plänen. „Die heute vorgelegten Eckpunkte verschaffen der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt allenfalls eine finanzielle Atempause“, erklärte Verbandschefin Doris Pfeiffer.

Karl Lauterbach
Karl Lauterbach plant deftige Erhöhungen der Krankenkassen-Beiträge uns erntet dafür Kritik. (Archivbild) © Michael Kappeler/dpa

Krankenkassen-Beiträge steigen: Wechsel lohnt sich

Pfeiffer betonte, es sei noch unklar, ob eine Anhebung des Zusatzbeitragssatzes um 0,3 Prozentpunkte tatsächlich ausreiche. „Sicher ist aber schon jetzt, dass die Politik nun wohl auch die letzten Rücklagen der Krankenkassen für kurzfristige Effekte verbraucht.“

Der Versicherungsexperten von Insurtech CLARK erklären, was rund 57 Millionen Betroffene in Deutschland angesichts der hohen Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung jetzt tun können. Die Experten von CLARK raten betroffenen Verbrauchern zunächst einen Tarifwechsel zu überprüfen. „Bei einer Erhöhung der Beiträge muss die Krankenkasse rechtzeitig darüber informieren und ein Sonderkündigungsrecht einräumen - die Gelegenheit für einen Krankenkassenwechsel“, so die Versicherungsfachleute.

Krankenkassen-Beiträge werden erhöht: Zu privater Krankenversicherung wechseln

Denn: Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherer in Deutschland unterscheiden sich zum Teil erheblich. Eine weitere Option ist, zu überprüfen, ob sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung finanziell lohnt. „Für diese Alternative müssen Betroffene aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen“, merken die CLARK-Experten an. Privat versichern kann sich nur, wer nicht der Versicherungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegt, wie beispielsweise Selbstständige, Beamte oder Studierende.

Für Angestellte gilt eine Versicherungspflichtgrenze, die 2022 bei einem Bruttojahresgehalt von 64.350 Euro lag. Gutverdiener könnten so um die Beitragserhöhungen herum kommen, denn trotz Inflation und finanzieller Belastung durch die Corona-Krise haben sich einige private Krankenversicherungen schon jetzt dazu bekannt, ihre Beiträge 2023 nicht anzuheben. (Ares Abasi/dpa/afp)

Bereits 2021 haben sich die Beiträge von einigen Krankenversicherungen erhöht.

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