Fehleinschätzung

Krebs-Diagnose: Werdender Vater schließt mit dem Leben ab - dann folgt schockierende Wende

Krebs Chemotherapie Chemo
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Einer Chemotherapie musste sich Mohammad Faron aus Niedersachsen unterziehen - obwohl er gar keinen Krebs hatte. (Symbolbild)

Ein werdender Vater aus Emsbüren (Niedersachsen) bekam Anfang 2020 die Diagnose Krebs. Er hatte mit seinem Leben abgeschlossen, doch dann kam die Kehrtwende.

  • Mohammad Faron aus Emsbüren in Niedersachsen bekam eine Krebs-Diagnose.
  • Er wurde operiert und startete wenig später die Chemotherapie.
  • Doch dann stellte sich heraus: Faron hat gar keinen Krebs.

Emsbüren - Die Diagnose Krebs ist ein Schlag mitten ins Gesicht - vor allem, wenn auch schon Familienmitglieder daran verstorben sind, wie im Fall von Mohammad Faron aus Emsbüren in Niedersachsen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung bekam der 36-Jährige im Januar 2020 im Bonifatius Hospital Lingen nahe Nordhorn die Diagnose. Ein Lymphknoten in der rechten Leiste sei auf Haselnussgröße angeschwollen gewesen.

Faron erzählte dem Blatt: „Meine Mutter Ute ist 2016 mit 53 an der gleichen Krankheit gestorben”, so Mohammad. Er dachte somit, ihm stünde dasselbe Schicksal bevor. Und das, obwohl seine Lebensgefährtin Katharina (35) gerade mit der gemeinsamen Tochter schwanger war. Der Lymphknoten sei sofort in einer Operation entfernt worden, mit der Chemotherapie habe Faron aber noch warten wollen, bis seine Tochter auf der Welt ist. „Ich wollte mein erstes Kind wenigstens noch kurz kennenlernen“, so Faron gegenüber Bild.

Falsche Krebs-Diagnose von Mann aus Niedersachsen: Nur durch Zufall bemerkt

Tochter Kalila kam im Mai 2020 gesund zur Welt, sogar in derselben Klinik, in der Vater Mohammad Faron nur wenige Monate zuvor die niederschmetternde Krebs-Diagnose erhielt und vier Tage später die erste Chemo-Dosis. Der Postbote berichtet davon, dass er direkt „wie ausgeknockt“ gewesen sei, die Zeit im Bett verbracht habe und kein Essen habe zu sich nehmen können. Kurz darauf habe Faron seine Haare und mehr als 15 Kilogramm Gewicht verloren. Außerdem sei die Zahl der weißen Blutkörperchen, im Fachjargon Leukozyten genannt, stark gesunken. Dass das aufgefallen ist, war für den Postboten Mohammad Faron Glück im Unglück.

Aufgrund der wenigen weißen Blutkörperchen sei vor der dritten Chemo ein weiterer Bluttest angeordnet worden. Faron hatte aber schon kein gutes Gefühl mehr bei der Klinik, in der er behandelt wurde: „Weil dieser Bluttest vergessen wurde, verlor ich das Vertrauen in die Klinik, suchte mir sofort einen neuen Krebsarzt“, so Faron gegenüber der Bild-Zeitung. Er suchte einen Arzt aus Nordhorn auf, der die Befunde sichtete.

Angeblich Krebs: Mann aus Niedersachsen will Klinik wegen Fehldiagnose verklagen

Dabei stellte sich heraus: Mohammad Faron war nie an Krebs erkrankt. „Er sagte, ich sei gesund! Das habe das Labor dem Bonifatius Hospital bereits im Januar 2020 mitgeteilt“, so Faron. Stattdessen habe er an Pfeifferschem Drüsenfieber gelitten - einer Herpes-Virus-Erkrankung, deren Hauptsymptome Drüsenschwellung und Fieber sind. Das Drüsenfieber klingt normalerweise nach wenigen Wochen ab, in seltenen Fällen gibt es Komplikationen.

Pfeiffersches DrüsenfieberAuch infektiöse Mononukleose genannt
EntdeckerKinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921)
HauptsymptomeDrüsenschwellung und Fieber
ErregerEpstein-Barr-Virus (EBV), zählt zu den Herpes-Viren

Die Krebs-Diagnose bei Mohammad Faron war also eine fatale Fehleinschätzung, zu der sich die Klinik in Lingen auf Anfrage der Bild.Zeitung betroffen äußert: „Der behandelnde Onkologe bedauert den Verlauf selbstverständlich ebenfalls. Er wirkt an der Klärung der Fragen in dieser Sache intensiv mit.” Faron will die Klinik laut Bild auf Schadenersatz verklagen. Er habe wegen der Fehldiagnose auch seinen Job als Postbote verloren. (Ines Alberti)

Die Krebsforschung macht unterdessen Fortschritte. Ein Durchfall-Medikament liefert vielversprechende Studienergebnisse. Es kann Tumorzellen absterben lassen.

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