Gesundheit

Krebserkrankungen in der Corona-Pandemie oft zu spät entdeckt - Analyse offenbart dramatische Zahlen

Mammographie zur Krebsvorsorge: Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu sehen.
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Mammographie zur Krebsvorsorge: Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu sehen.

Eine Analyse der Barmer Versicherung zeigt dramatische Zahlen. In der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 blieben über 2600 Krebserkrankungen unentdeckt. Experten mahnen zur Vorsorge. 

Kassel ‒ Die Corona-Pandemie wirkt sich neben der angespannten Lage auf den Intensivstationen in Deutschland auch dramatisch auf die reguläre Gesundheitsversorgung im Land aus. Die Folge: zahlreiche Untersuchungen und Operationen werden verschoben, um Ärzte und Krankenhäuser zu entlasten. Eine Datenanalyse der Barmer Krankenversicherung, die dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)“ vorliegt, hat ergeben, dass tausende Krebserkrankungen während der Pandemie in Deutschland gar nicht oder erst spät entdeckt werden. Demnach sind in der ersten Corona-Welle 2600 Krebserkrankungen unentdeckt geblieben, davon allein rund 1600 Fälle von Brustkrebs.

Und nicht nur bei der Vorsorge und Früherkennung kommt es zu gefährlichen Verzögerungen, auch laufende Behandlungen und wichtige Krebstherapien, sowie Operationen werden aufgrund der mangelnden Kapazität in den Krankenhäusern aufgeschoben. Eine aktuelle Berechnung aus England zeige, dass die Verzögerung einer Krebsoperation um drei oder sechs Monate die Fünf-Jahres-Überlebensrate um mehr als 35 Prozent senkt, betonte Armin Wiegering vom Universitätsklinikum Würzburg, der die Analyse für die Barmer durchgeführt hat.

Langfristige Folgen der Corona-Pandemie: „Krebssterblichkeit wird nach oben schnellen“

Für die Untersuchung hat der Wissenschaftler die Zahl größerer Operationen bei neun häufigen Krebsarten von April bis Juni 2020 mit den entsprechenden Zeiträumen der Vorjahre verglichen. Die Zahl der Eingriffe ist im Jahr 2020 um knapp 17 Prozent gegenüber dem Durchschnitt von 2017, 2018 und 2019 zurückgegangen. Bei Brustkrebs sowie Mast- und Dickdarmkrebs betrug das Minus sogar mehr als 20 Prozent.

Um Betroffene zu schützen, haben sich die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft zusammengeschlossen und eine „Corona-Task Force“gebildet. Die Organisationen wollen so die Versorgungssituation von Krebspatienten während der Pandemie beobachten und analysieren. „Die Langzeitfolgen für Krebspatienten, die heute nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden können, sind noch gar nicht absehbar“, erklärte auch Professor Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, „Wir werden zukünftig mit vielen Patienten konfrontiert werden, deren Krebserkrankung zu spät entdeckt wurde und deren Heilungschancen dadurch verringert sind. Das bedeutet: Die Krebssterblichkeit wird nach oben schnellen.“

Experten appellieren: Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen trotz Corona wahrnehmen

Die Task Force appelliert daher, Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung und zur Abklärung möglicher Erkrankungen auch in der Pandemie wahrzunehmen. Die Experten sind insbesondere besorgt, dass sich Menschen aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion gegen einen Arztbesuch entscheiden und damit teils wichtige Untersuchungen aufschieben. Das sei bei Krebs umso dramatischer, weil er im Frühstadium am besten therapierbar sei. „Deshalb ist es immens wichtig, dass die gängigen Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden“, sagte auch Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer. (iwe)

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