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DAZN-Kunden wüten über neuen Abo-Mondpreis – Experte hält Erhöhung für „unwirksam“

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Von: Ulrike Hagen

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Verdreifachung der Preise, fragwürdige AGBs, fehlender Kundendienst: Der Sportstreaming-Anbieter DAZN erzürnt seine Kunden. Verbraucherzentralen wollen nun Sammelklage erheben.

London/München – Als der Streamingdienst DAZN im August 2016 in Deutschland startete, war die Euphorie noch groß: Für 9,99 Euro im Monat gab es für Sport-Freaks ein Füllhorn an Übertragungen von Spielen – unter anderem aus der NFL, der NBA und der EHF bis hin zu UFC- und Dart-Wettkämpfen. Doch inzwischen hat sich der Preis verdreifacht – und die Begeisterung der Community ist in Wut umgeschlagen. Die harten Vorwürfe der User: Wucher, Knebelabos, hinterlistige Verbrauchertäuschung.

Mittlerweile sind auch die Verbraucherzentralen aufmerksam geworden – und wollen Sammelklage erheben.

 Die Hand eines Reporters hält bei einem Interview vor dem Spiel ein Mikrofon mit der Aufschrift DAZN.
Verdreifachung der Preise, fragwürdige AGBs, fehlender Kundendienst. Sportstreaming-Anbieter DAZN erzürnt die Kunden. Verbraucherzentralen wollen nun Sammelklage erheben. (Symbolbild) © dpa/Soeren Stache

„Für das Geld gehe ich lieber in den Puff, einen jodeln“: Abzocke bei DAZN sorgt für Shitstorm

Das Sportportal hatte bereits Anfang des Jahres saftige Preiserhöhungen angekündigt. Mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor verlangt DAZN nun seit August für den Zugang zu seinen Streaming-Angeboten – bis zu 360 Euro im Jahr. Stellvertretend für viele berichtet ein User auf Trustpilot über seine kostspielige „Mitgliedschaft“, aus der er nicht herauskommt: „Man hat das Abo ganz leise verlängert wegen der neuen Nutzungsbedingungen. (Die Bedingungen wurden geändert, da lief das Abo schon). DAZN versucht nun ständig abzubuchen und dem Support wurde es auch schon vorgelegt und die interessiert es nicht. So kann man Kunden auch abziehen. DAZN nie nie wieder. Für dieses Geld gehe ich lieber in den Puff, einen jodeln.“

DAZN: Kunden laufen Sturm gegen drastische Preiserhöhung – und wettern gegen Abo-Fallen

29,99 Euro kostet das Abonnement mittlerweile bei monatlich kündbarer, 24,99 Euro bei einjähriger Mitgliedschaft. Als Grund für die satte Preissteigerung, die bei vielen Jahresabonnenten erst jetzt greift, führt die DAZN-Group das gewachsene Sportangebot mit vielen Exklusiv-Übertragungsrechten, auch an Spielen der Bundesliga an: „Wir sind in den vergangenen sechs Jahren zu einem der größten Investoren im deutschen Sport gewachsen. Eigentlich hätten wir den Preis früher anheben müssen“, erklärte Alice Mascia, seit Mai letzten Jahres die Chefin des Sport-Streaminganbieters in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber der Süddeutschen Zeitung im vergangenen September.

DAZN-Kunden wüten: „Kann vor Machenschaften nicht genügend warnen“

Die Kunden überzeugt das nicht. In den sozialen Medien, Bewertungsportalen und auch auf dem DAZN YouTube-Channel hagelt es böse Kommentare. Kritisiert werden neben den horrend gestiegenen Preisen auch die Abo-Praktiken: „Man kann vor den Machenschaften von DAZN nicht genügend warnen. Vor einem Jahr haben wir einen Vertrag für 149,99 Euro/Jahr abgeschlossen. Ohne jede weitere Information werden 1 Jahr später 299,99 Euro abgebucht“, heißt es dort.

Verbraucherzentralen wollen Sammelklage erheben: „Verbraucher sollen ihr Geld zurückbekommen“

„Wir halten die Preiserhöhung, so wie sie sich für uns darstellt, für unwirksam“, erklärt Sebastian Reiling vomVerbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Gespräch gegenüber kreiszeitung.de von IPPEN.MEDIA „Wir wollen über eine sogenannte Musterklage, eine Sammelklage nach deutschem Recht, erwirken, dass DAZN den Kunden das Geld zurückzahlen muss“. Um Fälle zu sammeln, wurde darum auf www.musterfeststellungsklagen.de/dazn/aufruf ein Aufruf freigeschaltet, unter dem sich betroffene Verbraucher melden können.

„Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält die zugrundeliegende AGB-Klausel für intransparent und die Preiserhöhung für Bestandskunden deshalb für rechtswidrig. Mit einer Sammelklage will er die zu viel gezahlten Gebühren vom Anbieter für Betroffene zurückholen“, heißt es dort. 

„Nie wieder DAZN“: User lassen Streamingdienst auf Bewertungsportalen gnadenlos durchfallen

Das Urteil auf dem Bewertungsportal Trustpilot ist jedenfalls schon mal: vernichtend. Gerade einmal 1,2 Sterne gibt es für den Streamingdienst. „Alter … Ihr werdet schlimmer als Sky und das ist schon echt schwierig!“, ätzt ein Nutzer. Ein „echter“ Support scheint nicht zu existieren. Einige Kunden, die Kontakt mit dem Kundendienst aufnahmen, berichten darüber, im Chat vom Bot abgefertigt zu werden oder von einem Mitarbeiter aus dem Chat geschmissen worden zu sein: „Nach mehrfacher Erklärung im Chat, wie sich mein Problem äußert, hat der Mitarbeiter einfach den Chat beendet, ohne weitere Hilfe anzubieten.“

Anfragen per E-Mail werden nach Berichten einiger Betroffener gar nicht oder erst nach Monaten beantwortet. Eine von verbraucherschutz.de am 13. Juli 2022 per Mail an DAZN eingereichte Beschwerde über eine aus Kundensicht unberechtigte Abbuchung von DAZN wurde erst fast drei Monate später, am 23. September 2022, beantwortet.

Sonderangebote für Neukunden, teure Abos für Bestandskunden

Vermutlich eine Taktik, den Schwund der „Mitgliedschaften“ in Grenzen zu halten. Eine andere Methode: Die Akquise neuer Kunden mithilfe zeitlich begrenzter Sonderangebote. Auch wer sein Jahresabo (für 299 Euro) derzeit kündigen möchte, bekommt derzeit einen Preisrabatt von 120 Euro eingeräumt. Ein – dennoch – Ex-Kunde schreibt: „Zu spät, Freunde der Sonne. Zu spät! Mich seht ihr nicht mehr. Die Rolle rückwärts hättet ihr euch sparen können.“ Ein anderer kommentiert: „Komm zurück! Wir verdoppeln den Preis auch nur, anstatt ihn zu verdreifachen!“

Kreiszeitung.de hat DAZN am Mittwoch, 4. Januar 2023, und Donnerstag, 5. Januar 2023, um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Kunden gebeten. Eine Reaktion erfolgte bislang nicht.

Fragwürdige Gestaltung der AGBs: Klage gegen DAZN vor dem Landgericht München

Ob DAZN sich mit den aus Verbrauchersicht fragwürdigen Methoden, die in Exklusivrechte investierten Milliarden – zuletzt für den Großteil der Live-Übertragungen der Champions League mit einem von Experten geschätzten Wert von 300 Millionen Euro –, wieder einzuspielen, einen Dienst erwiesen hat, wird sich zeigen. Denn eine Unterlassungsklage des vzbv aufgrund der Gestaltung der AGBs des Streamingdienstes läuft bereits.

Nachdem der Dachverband der Verbraucherschutz-Vereine bereits Urteile gegen Preisanpassungsklauseln bei Netflix und Spotify erwirkt hat, steht nun das britische Unicorn-Unternehmen im Fokus. Ob die Preisänderungsklausel des Anbieters, die im Februar 2022 in den Nutzungsbedingungen enthalten war, überhaupt zulässig ist, wird demnächst vorm Landgericht München entscheiden.

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