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Leitungswasser: Gefährden schädliche Nitrate die Trinkqualität?

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Von: Niklas Kirk

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Obwohl der Vorzug von Leitungswasser gegenüber abgefüllten Wasser nachweislich CO₂ einspart, sorgen Verunreinigungen des Grundwassers für Bedenken.

Kassel – Müssen wir uns Sorgen um unser Trinkwasser machen? Ersten Einschätzungen zu Folge ist dies nicht der Fall, denn Trinkwasser gilt in Deutschland als eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel. Dennoch sorgen zunehmende Belastungen des Grundwassers in Deutschland dafür, dass diese Sicherheit immer aufwendiger und teurer wird.

Im Allgemeinen scheinen die Bürgerinnen und Bürger auf die Qualität des Leitungswassers zu vertrauen. Die geht aus einer Langzeitstudie „Qualität und Image des Trinkwassers in Deutschland“ hervor, erhoben durch das Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung. Der Erhebungszeitraum erstreckt sich dabei von 2007 bis 2021, mit rund 10.000 teilnehmenden Personen.

Leitungswasser in Deutschland – eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel

Ganze 92 Prozent waren dabei der Meinung, dass das Leitungswasser hierzulande problemlos trinkbar sei. Darüber hinaus befanden 88 Prozent der Befragt die Qualität als „gut“ oder „sehr gut“. Doch auch abgefülltes Mineralwasser erfreut sich in Deutschland nach wie vor großer Beliebtheit. Laut Umweltbundesamt trinkt jede Person pro Jahr rund 181,4 Liter Flaschenwasser. Wenn alle Deutschen stattdessen Leitungswasser trinken würden, könnten ca. 3 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden.

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Gefahren durch Belastungen ausgesetzt – unser Leitungswasser. © Christin Klose/dpa

Die Anforderungen an die Wasserqualität sind durch gleich mehrere Rechtsgrundlagen festgeschrieben, unter ihnen die Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Die Vorgaben, die von den Wasserversorgungsunternehmen und Überwachungsbehörden beachtet werden müssen, beinhaltet zum Beispiel auch die Grenzwerte für chemische Stoffe im Trinkwasser. So filtern die Wasserversorger Schadstoffe gemäß der Trinkwasserversorgung heraus, bevor das Wasser ins Leitungsnetz gelangt.

Beispiele für Grenzwerte der Trinkwasserverordnungpro Liter
Nitrat\t50 mg
Nitrit0,5 mg
Pflanzenschutzmittel0,1 µg (Mikrogramm)
Blei10 µg
Quelle: Bundesamt für Vebraucherschutz

Leitungswasser in Deutschland – Landwirtschaft belastet das Grundwasser

Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) stammte unser Leitungswasser im Jahr 2019 noch zu etwa 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser, der Rest aus Flüssen, Seen, Talsperren oder Quellen an Flüssen und Seen (Uferfiltrate). Somit ergibt sich eine große Abhängigkeit von Grundwasser zur Aufbereitung von Trinkwasser. Da das Grundwasser jedoch stark belastet wird, stellt dies die Sicherstellung der Wasserqualität vor große Herausforderungen.

Die konventionelle Landwirtschaft sorgt mit schädlichen Pestiziden und Düngemitteln in Form von Gülle, die Nitrate beinhaltet, für eine Belastung des Grundwassers. Die geschieht in jenem Moment, wenn die Pflanzen keine Düngemittel mehr aufnehmen und diese im Boden versickern. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) wird der Nitratgrenzwert (50 mg/l) jedes Jahr an etwa jeder sechsten Messstelle überschritten. Doch auch Flaschenwasser kann hin und wieder schädlich sein: Ein Mineralwasser befand sich kürzlich in einem Rückruf – es wurden chemische Rückstände entdeckt.

Leitungswasser in Deutschland – weniger Grundwasser bei gleichbleibender Düngung könnte Probleme verschärfen

Vorerst scheint die Grundwasserqualität in Deutschland somit nicht infrage zu stehen. Dennoch sorgen unter anderem hohe Nitratwerte durch massive Düngung der Landwirtschaft für einen erhöhten Aufwand der Wasseraufbereitung – bei gleichzeitigem Absinken der Grundwassermenge. Einer Studie des UBA aus dem Jahr 2017 zufolge erhöht dies langfristig die Wasserpreise.

Ein weiterer Faktor dürfte der Klimawandel spielen. Wie aus einem Bericht von tagesschau.de hervorgeht, sorgen höhere Temperaturen wie in diesem Sommer zu mehr Verdunstung. Zudem fließt mehr Wasser in Starkregenereignissen einfach ab und kommt erst gar nicht in den Grundwasserkörpern an, da die ausgetrockneten Böden durch die starke Hitze im zurückliegenden Sommer diese nicht mehr aufnehmen können.

Aus der Leitung statt aus der Flasche: So steigen Sie auf Leitungswasser um

Solange die Kontrollmechanismen des Trinkwassers in Deutschland greifen, ist es somit auch weiterhin ratsam, Leitungswasser zu trinken und von Mineralwasser umzusteigen, um beispielsweise höhere CO₂-Belastungen durch Transportwege und Verpackungen zu vermeiden. Ein paar einfache Tipps helfen Ihnen bei der Umstellung:

(nki)

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