1. Startseite
  2. Verbraucher

Krebs-Medikamente werden knapp: „Das ist für uns der Horror“

Erstellt:

Von: Jan-Frederik Wendt

Kommentare

Tamoxifen ist ein sogenannter selektiver Östrogenrezeptor-Modulator. Das sind Arzneimittel, die ihre Wirkung über die Rezeptoren für das Hormon Östrogen vermitteln. Das Medikament soll nach einer Erkrankung an Brustkrebs einen Rückfall verhindern.
Tamoxifen ist ein sogenannter selektiver Östrogenrezeptor-Modulator. Das sind Arzneimittel, die ihre Wirkung über die Rezeptoren für das Hormon Östrogen vermitteln. Das Medikament soll nach einer Erkrankung an Brustkrebs einen Rückfall verhindern. © Hannibal Hanschke/dpa

Der Mangel an Medikamenten bereitet Fachleuten Sorgen. Denn von den Lieferengpässen sind auch Arzneimittel für die Krebstherapie betroffen.

Berlin - Die Zahl der Arzneimittelengpässe in der Krebstherapie ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) mit. „Die Arzneimittelengpässe bestehen bereits seit Jahren, nehmen derzeit aber sicher deutlich zu“, sagte Hermann Einsele, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.

Die Gründe für die Entwicklung seien vielfältig: Es gebe Schwierigkeiten bei der Produktion und durch Abhängigkeiten von Lieferketten im Ausland. Auch der erhöhte Bedarf spiele eine Rolle. Zudem würden in einzelnen Fällen Medikamente vom Markt genommen werden - aus wirtschaftlichen Gründen.

Auch unterstützende Medikamente für Krebspatient:innen von Lieferengpässen betroffen

Betroffen sind laut DGHO besonders Medikamente, die seit Jahren in der Krebstherapie eingesetzt werden – zum Beispiel die Brustkrebs-Medikamente Tamoxifen und Nab-Paclitaxel. Letzteres werde auch zur Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs genutzt. Von den Lieferengpässen seien auch unterstützende Arzneimittel für Krebspatient:innen wie Antibiotika und Harnsäuresenker betroffen.

Matthias Beckmann von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist aufgrund der Mängel besorgt. Denn Engpässe gebe es vor allem bei „Standardmedikamenten“, so der Experte. Das Problem dabei: Die Alternativen seien nicht immer gleichwertig. Sie könnten beispielsweise stärkere Nebenwirkungen verursachen. „Die Frauen brechen einfach die Therapie ab, wenn die Nebenwirkungen zu hoch sind“, so Beckmann. Zudem wirke sich die Situation auch auf die Beziehung zwischen Ärzt:innen und Patient:innen aus. „Unser Vertrauensverhältnis mit den Patientinnen und Patienten ist nachhaltig gestört durch die Lieferengpässe.“

Experte fordert mehr Produktionsstätten in Europa

2022 hätten von etwa 200 in Deutschland zugelassenen Krebsmedikamenten etwa zehn „kritisch gefehlt“, sagte Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO. Die Sorge: Ein nicht kompensierter Lieferengpass könnte zu einem Versorgungsengpass werden. „Und eben dann auch, das ist für uns der Horror, dass es in der Tat zu einer Verschlechterung der Prognose kommt“.

Wegen der Entwicklung sei im vergangenen Jahr ein Register für Lieferengpässe aufgebaut worden. Langfristig sollten mehr Produktionsstätten in Europa entstehen, fordert Wörmann.

Nach Ansicht von Thomas Seufferlein, Mitglied im Vorstand der Deutschen Krebsgesellschaft, muss vor allem das Monitoring ausgebaut werden. „Wir brauchen wirklich ein präventives Frühwarnsystem und entsprechende Möglichkeiten, um ein gegebenenfalls entstehendes Versorgungsdefizit rechtzeitig abzuwenden.“ (Jan Wendt mit dpa)

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Expert:innen feiern einen neuen Durchbruch in der Krebs-Forschung.

Auch interessant

Kommentare