Höherer Anschaffungspreis

Mehrwertsteuer gesenkt - dennoch schießen bei Media Markt die Preise plötzlich in die Höhe

Auch für Media Markt gilt: Nicht alle Artikel sind nach der Senkung der Mehrwertsteuer günstiger geworden
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Auch für Media Markt gilt: Nicht alle Artikel sind nach der Senkung der Mehrwertsteuer günstiger geworden.

Die Senkung der Mehrwertsteuer soll die Haushaltskasse der Bürger in der Corona-Krise entlasten. Ein Beispiel aus dem Media Markt wirft jedoch Fragen auf.

  • Die Bundesregierung greift tief in die Kasse, um wirtschaftliche Corona-Folgen abzufedern.
  • So ist der Mehrwertsteuersatz seit Juli 2020 von 19 auf 16 Prozent gesunken.
  • Schlagen sich die Mindereinnahmen positiv auf die Produktpreise aus? Scheinbar nicht immer.

München - Seit Juli sollen Verbraucher in Deutschland von der reduzierten Mehrwertsteuer im Rahmen des Corona-Rettungspakets der Bundesregierung profitieren. Dies gilt zu „100 Prozent“ auch für die Kundschaft der Elektrofachmärkte Media Markt und Saturn (gehören zusammen), wie das Unternehmen kürzlich kommunizierte.

Media Markt: Warum kostet ein TV trotz Mehrwertsteuersenkung plötzlich mehr?

Dass dies jedoch in erster Linie Theorie ist und nicht gleichbedeutend damit, dass sich das dann auch in Form von Preissenkungen im Geldbeutel der Käufer niederschlägt, ist einer erstaunlichen Preisentwicklung bei einem Media Markt in München zu entnehmen: Dort kostete ein Fernseher aus dem Hause der Traditionsmarke Grundig (mittlerweile in türkischer Hand*) Anfang Juni einen Neupreis in Höhe von 329 Euro, gemäß Preisausschreibung:

Anfang Juni kostete das besagte Produkt - ein Gerät der Marke Grundig - gemäß Preisschild 329 Euro. Anfang Juli 2020 elf Euro mehr.

Nach einer Mehrwertsteuersenkung* sollte dieses Gerät also im Juli weniger kosten... Doch wie sieht die Praxis aus? Ein neuerlicher Besuch im gleichen Media Markt bringt erstaunliches zutage: Statt ein paar Euro weniger kostet das TV-Gerät nunmehr 340 Euro - also stattdessen ein Anstieg von elf Euro. Ein Online-Check am 9. Juli ergibt, dass der LED-TV im Internet von dem Unternehmen aus Ingolstadt derzeit für rund 337 Euro angeboten wird - plus Versandkosten.

Recherchen ergeben, dass mehrere Kunden schildern, bei Media-Markt-Angeboten höhere statt niedrigere Preise festgestellt zu haben. In sozialen Netzwerken bekunden Verbraucher entsprechende Erfahrungen:

Vergleiche weiterer Produkte ergeben natürlich auch, dass zahlreiche Elektrogeräte einen niedrigeren Preis haben, als vor dem offiziellen Start der Mehrwertsteuersenkung (1. Juli 2020).

Höhere Preise trotz niedrigerer Mehrwertsteuer: Das sagt das Unternehmen

Wie erklärt Media Markt, dass Produkte innerhalb weniger Wochen plötzlich mehr kosten als vorher? „MediaMarkt und Saturn geben die Mehrwertsteuer-Senkung selbstverständlich 1:1 an ihre Kunden weiter“, lässt eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber Merkur.de* verlauten. Stattdessen werden die Preiserhöhungen mit dem Wettbewerbsumfeld erklärt, also beispielsweise mit dem Vergleichen der Konkurrenz - und dementsprechend reagiert:

„Unsere Pricing-Logik orientiert sich grundsätzlich am Marktumfeld. Das heißt, wir prüfen – wie auch schon vor Inkrafttreten der reduzierten Mehrwertsteuer* – auch jetzt täglich bei allen maßgeblichen Online- und Offline-Wettbewerbern, ob unsere Preise bezogen auf das Preis-Leistungsverhältnis wettbewerbsfähig sind und passen sie gegebenenfalls an.“ Preisanpassungen würden dann online und in den Filialen prompt umgesetzt - und das außerhalb der Ladenöffnungszeiten, so die Mitarbeiterin weiter.

Wirtschaftlich läuft es bei den Handelsketten Media Markt und Saturn seit längerer Zeit nicht allzu gut: In einem Interview kündigten Verantwortliche Ende 2019 drastische Veränderungen an. Warum man ein Smartphone nicht ständig neben sich auf den Tisch legen sollte, zeigt eine aktuelle Studie(PF) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks 

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