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Lidl-Mitarbeiter decken in ZDF-Doku auf: So täuscht der Discounter seine Kunden

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Von: Jan Oeftger

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In der ZDF-Dokumentation „Lidl: Die Insider“ sprechen Angestellte über die Verkaufstricks des Discounters. Ein Experte sieht „Verbrauchertäuschung“.

Kassel – In der ZDF-Dokumentation „Lidl: Die Insider“ erklären einige Mitarbeiter des Discounters anonym, wie Lidl mit Tricks mehr Gewinn machen möchte. Dabei schreckt das Unternehmen offenbar nicht davor zurück, seine Kunden zu täuschen. Wie einer der Insider erklärt, gehen die Tricks schon beim Einkaufswagen los. Dieser sei absichtlich besonders groß, damit die Einkäufe klein aussehen und Kunden dazu neigen mehr einzukaufen. Außerdem sei der Wagen so geneigt, dass die Ware immer in Richtung Schiebegriff rutsche. So sieht der Kunde seinen Einkauf nicht und er kauft mehr ein.

„Hätten wir jetzt, in dieser Zeit kleinere Einkaufswägen gehabt, hätte der Lidl diese Umsätze, die er jetzt produziert, niemals produzieren können“, ist sich der Insider sicher. In eine ähnliche Richtung geht die Abschaffung der Einkaufskörbe. Damit Kunden auf einen Wagen zurückgreifen müssen, gibt es bei Lidl laut Angaben des Insiders keine Einkaufskörbe mehr.

Lidl hat besondere Verkaufstricks: Preisschilder sind über den Produkten

Doch während es auch bei anderen Discountern große Einkaufswägen und keine Körbe gibt, setzt Lidl offenbar auf weitere Tricks, um die Kunden beim Einkauf zu verwirren. In fast allen Geschäften befinden sich die Preisschilder unterhalb der Ware. Bei Lidl ist das anders. Der richtige Preis ist meistens darüber zu finden. Dadurch sollen die Kunden mit einem vermeintlich sehr niedrigen Preis angelockt, der jedoch in Wirklichkeit zu einem anderen Produkt gehört. Häufig stehen dann die Markenprodukte über den Eigenmarken.

Lidl setzt einige Tricks ein, damit die Kunden mehr einkaufen.
Lidl setzt laut Insidern einige Tricks ein, damit die Kunden mehr einkaufen. (Symbolbild) © Lino Mirgeler/dpa

Ein weiterer Vorwurf, der in der ZDF-Doku genannt wird, ist der Umgang mit vermeintlich frischem Obst und Gemüse. Demnach werden Bananen unreif geerntet und nach Deutschland importiert. Sie werden dann durch Gase künstlich gereift. Dadurch kann Lidl selbst bestimmen, zu welchem Zeitpunkt die Bananen reif für den Verkauf sind. Sicherlich führt diese Methode jedoch auch dazu, dass weniger überreife Lebensmittel weggeschmissen werden müssen.

Unternehmen:Lidl
Hauptsitz:Neckarsulm
Umsatz:57 Milliarden EUR
Gründung:1932

Lidl: Kunden werden mit Biowashing und Greenwashing getäuscht

Doch auch bei den Lebensmitteln geht der Discounter trickreich vor. Durch die Zusammenarbeit mit dem Anbauverband „Bioland“, möchte Lidl sich der Meinung einer Insiderin nach, ein umweltfreundliches Image geben. Auf allen Bioland-Produkten befindet sich ein weiteres Bio-Siegel. Auf anderen Produkten ist nur das andere Bio-Logo zu sehen. Kunden könnten Produkte zumindest auf den ersten Blick für ein Bioland-Produkt halten. Das Problem: Die Organic-Produkte erfüllen im Gegensatz zu Bioland-Produkten nur den Bio-Mindeststandard.

„Die ganzen Bio-Organic-Produkte von Lidl sind absolut so gemacht, dass sie nah an Bioland dran sind“, erklärt eine weitere Insiderin aus dem Marketing-Bereich. „Das ist absolutes Biowashing“, ist sich die Insiderin sicher. „Als ich das mitbekommen habe, hatte ich schon manchmal das Gefühl, die Leute ein bisschen zu verarschen.

Auch bei den Einwegflaschen sehen die Lidl-Insider eine Täuschung der Kunden. Lidl wirbt offensiv dafür, dass jede Flasche zu 100 Prozent aus alten Flaschen besteht. Jedoch wird laut einem Insider aus der Getränkemarkt-Branche ein Aspekt außen vor gelassen. Mit dem Material der alten Flaschen könnte man den Bedarf nicht decken. „Hier gibt es also noch eine Baustelle, die wir nicht kennen. Von außen muss also noch etwas dazugekauft werden.“ Experte Thomas Fischer nennt es „Greenwashing“, da es bei jedem Recyclingvorgang einen „Verlust von mindestens fünf Prozent“ gebe. „Das ist natürlich Verbrauchertäuschung.“

Lidl: Eigenmarken werden Markenprodukten nachempfunden

Eine weitere „Masche“ sind die eigenen Produkte von Lidl. Diese werden dem Original so weit wie rechtlich möglich angepasst. Das bezieht sich sowohl auf das Aussehen der Verpackung als auch den Geschmack. Das sieht die ehemalige Marketingmitarbeiterin kritisch, da man sich damit auf Kosten der wirklichen Marken bereichere. Dabei werde oftmals sogar das Markenprodukt und die Eigenmarke vom gleichen Hersteller produziert. Diese sind nach ZDF-Angaben dazu fast gezwungen, da Lidl sonst auch das Markenprodukt aus dem Sortiment nehmen würde.

Zuletzt hatten sich Kunden aus anderen Gründen über Lidl geärgert. (Jan Oeftger)

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