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„Uns ist die Kinnlade heruntergefallen“: Beim Spülen der Toilette werden gefährliche Keime aufgewirbelt

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Von: Kilian Bäuml

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Forschende machen sichtbar, was beim Spülen der Toilette passiert. Dass kleine Partikel in die Luft gelangen, sie jetzt auf Bildern festgehalten.

Kassel – Wer dachte, dass die Hinterlassenschaften in der Toilette einfach mit der Spülung weggespült werden, irrt sich: Bei jeder Spülung gelangen Keime aus der Toilette in die Luft. Forschende haben diesen Vorgang nun auf Bildern festgehalten und machen ihn so für alle sichtbar.

Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin nature.com. Die Forscher beobachteten, dass die Partikel aus der Toilette innerhalb von acht Sekunden bis zu 1,5 Meter weit befördert wurden. Die Spülung lässt winzige Tröpfchen entstehen, sogenannte Aerosole. Diese sind so winzig, dass sie in der Luft schweben.

Aus der Toilette in die Luft: So stellen Forscher fest, was beim Spülen passiert

In der Toilette entsteht durch das eintretende Wasser der Spülung eine Strömung. Sie wird von typischen Geräuschen begleitet, aus denen die Forscher ableiteten, dass die Spülung energiereich und turbulent ist. Mit einem Messgerät nahmen die Forschenden die Geräusche und den Schalldruckpegel in der Nähe des Beckens.

Um den Vorgang sichtbar zu machen, beleuchteten die Forscher die Aerosole mit einem Dauerlaser und nahmen sie mit einer Kamera auf. Auf den Bildern ist zu sehen, wie sich die Partikel aus der Toilette während und nach der Spülung verbreiten. „Als wir es das erste Mal gemacht haben, ist uns die Kinnlade heruntergefallen“, sagte John Crimaldi, einer der Autoren der Studie und Professor für Ingenieurwesen an der Universität von Colorado, gegenüber Business Insider.

Aufnahme der Partikel aus der Toilette
Bei jeder Spülung gelangen Partikel aus der Toilette in die Luft. (Symbolbild) © John Crimaldi, University of Colorado

Nach Spülen der Toilette: Keime in der Luft können gefährlich sein

Die Partikel aus der Toilette enthalten Fäkalkeime und gefährliche Krankheitserreger, wie Corona und das Norovirus. Diese Erreger halten sich nachweislich über mehrere Tage auf Oberflächen. Sie lassen sich im Bad und sogar auf der Zahnbürste finden. Über die räumlich-zeitliche Entwicklung dieser Aerosole wissen die Forschenden bisher jedoch nur wenig.

Wie hoch das Risiko ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Ein geschlossener Toilettendeckel verringert beispielsweise das Risiko, verhindert es aber nicht vollständig. In einigen öffentlichen Einrichtungen gibt es zudem nicht die Möglichkeit, den Toilettendeckel zu schließen. „Öffentliche Toiletten können enge Räume mit stark schwankenden Luftwechselraten sein“, sagte Crimaldi dazu. Deshalb ist es wichtig, die Toilette richtig zu putzen.

Keime durch Toilettenspülung in der Luft: Risiko schwer nachzuweisen

Wie sich die Keime ausbreiten, ist auch vom Verhalten des Toiletten-Nutzers abhängig. Das erschwert die Bewertung der Risiken, die von den Keimen ausgehen. „In den meisten Fällen ist es unglaublich schwierig, die Art der Übertragung nachzuweisen, geschweige denn die Quelle“, äußert Joshua Santarpia gegenüber Business Insider. Santarpia arbeitet als Mikrobiologe am University of Nebraska Medical Center und untersucht dort die Übertragung von Krankheiten durch Aerosole. Der Wissenschaftler hält es für wahrscheinlich, dass durch die Partikel in der Luft auf Toiletten häufig Krankheiten übertragen werden.

Die Forscher möchten mit ihren Ergebnissen die Gesellschaft sensibilisieren. Form und Design von Toiletten veränderten sich in den letzten Jahrzehnten kaum, deshalb sei es an der Zeit sie bestimmten Gegebenheiten anzupassen, sagte Crimaldi. An anderer Stelle sei dies ja ebenfalls möglich, wie in Flugzeugen oder Gebieten, in denen es kein fließendes Wasser gibt. (kiba)

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