„Grüne“ Stromanbieter im Test

Ökostrom ohne Öko? Viele Anbieter halten nicht das, was sie versprechen

Vorsicht bei der Wahl des Stromanbieters: Ein Test von Öko-Stromangeboten zeigt, dass nicht jeder Anbieter zwangsläufig auch erneuerbare Energien unterstützt.

  • Öko-Strom trägt zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei und sorgt so für eine umweltfreundliche Energiewende.
  • Das Verbraucherportal Öko-Test untersucht mehrere Öko-Strom-Anbieter und kommt zu einem negativen Ergebnis.
  • Ein großer Teil der Stromanbieter schneidet im Test mit der Note „mangelhaft“ ab.

Kassel - Bei dem Thema Stromanbieter denken immer mehr Deutsche über einen Wechsel zum Ökostrom nach, der zum Ausbau der erneuerbaren Energien beiträgt. Doch wie ein Anbieter-Vergleich zeigt, erfüllen nur wenige Stromanbieter diesen Ansprüchen. Im Test wurde aufgedeckt, dass in vielen Öko-Strom-Angeboten tatsächlich nur wenig Öko drinsteckt.

Zusammen mit dem Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) hat das Verbraucherportal Öko-Test* eine ausführliche Analyse von Angeboten auf dem Öko-Strom-Markt sowie ein Öko-Strom-Vergleich durchgeführt und kommt schließlich zu einem erstaunlichen Ergebnis: Ganze 70 Prozent der Tarife sind in dem Test durchgefallen. Doch was sind eigentlich Öko-Strom-Produkte?

Verschiedene Stromanbieter im Test: Was bedeutet „Öko-Strom“?

Öko-Strom ist in vielen Fällen teurer als die üblichen Strom-Angebote, da mittels eines Aufpreises der Ausbau der erneuerbaren Energien gewährleistet werden soll - der Begriff „Öko-Strom“ ist allerdings nicht gesetzlich definiert. Öko-Strom-Produkte, beziehungsweise elektrische Energie aus umweltfreundlichen Energiequellen, werden von den Anbietern in unterschiedlichen Tarifvarianten an die Verbraucher verkauft. Mit der sogenannten EEG-Umlage, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert ist, wird der Ausbau von erneuerbaren Energien finanziert.

Diese Umlage, die für Unternehmen sowie private Haushalte gleich hoch ist, zahlen die Endkunden an den Stromlieferanten anteilig zum jeweiligen Stromverbrauch dazu. Dieser leitet diese wiederum an die Netzbetreiber weiter, die das Geld dann den Anlagenbetreiber auszahlen. Man könnte also sagen, dass die Verbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren.

Immer mehr Menschen denken über einen Wechsel zum Öko-Strom nach - doch nur wenige Anbieter halten auch das, was sie versprechen. Das Verbraucherportal Öko-Test hat verschiedene Angebote untersucht. (Symbolbild)

Öko-Strom in Deutschland: Öko-Test bewertet verschiedene Stromanbieter

Dennoch gilt in Deutschland: Nur erneuerbarer Strom, der nicht durch die EEG-Umlage vergütet wurde, darf unter dem Namen „Öko-Strom“ verkauft werden. Deshalb entsteht das Produkt, was Stromkunden als Öko-Strom kaufen können, außerhalb der Finanzierung durch die Gesetzgebung und dürfte daher nicht ausreichend zur Energiewende beitragen. Gibt es in dieser Hinsicht trotzdem Ausnahmen?

Öko-Test konnte bei zehn Anbietern diese Frage eindeutig bejahen: Diese schnitten mit der Note „sehr gut“ ab und leisten aus Sicht des Verbraucherportals einen klaren Beitrag zur Energiewende außerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, denn auf den jeweiligen Homepages sei ersichtlich, wie viel Geld die Kunden monatlich zahlen, welches dann wiederum in den Ausbau der erneuerbaren Energien investiert wird.

Unterstützt der „grüne“ Strom die Energiewende? Öko-Test fordert transparente Kommunikation

Es gibt aber auch schlechte Nachrichten des Öko-Strom-Vergleichs: Der Großteil der getesteten Produkte schneidet mangelhaft ab, da ein nachvollziehbarer und veröffentlichter Beitrag auf den Ausbau erneuerbarer Energien fehlt.

Jedoch dürfen die Anbieter ihren Strom weiterhin „Öko-Strom“ nennen, da dieser teilweise aus umweltfreundlichen Energiequellen, wie Wasserkraftwerke oder Windanlagen, gewonnen wird. Kunden tappen bei diesen Anbietern allerdings weiter im Dunkeln - daher wär eine transparente Kommunikation dringend nötig.

Der Test deckt allerdings nur knapp sechs Prozent der Öko-Strom-Produkte auf dem Markt ab, da nur diejenigen Produkte getestet werden konnten, die in dem Großteil der Gemeinden erhältlich waren. Verbrauchern wird daher geraten, sich über potenzielle Stromanbieter umfangreich und genau zu informieren, denn nicht jeder Öko-Strom trägt auch zur Energiewende bei. (Alina Schröder) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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