Verbraucher

Ekel-Mischungen statt echtes Olivenöl: Recherche deckt miese Abzocke und mafiöse Zustände auf

Recherchen des Bayerischen Rundfunks zufolge wird Olivenöl häufig mit minderwertigem Öl vermischt. Ein an der Universität Bayreuth entwickelter Test soll Betrügern künftig das Handwerk legen. (Symbolfoto)
+
Recherchen des Bayerischen Rundfunks zufolge wird Olivenöl häufig mit minderwertigem Öl vermischt. Ein an der Universität Bayreuth entwickelter Test soll Betrügern künftig das Handwerk legen. (Symbolfoto)

Betrüger exportieren hochwertig wirkendes Olivenöl, obwohl dieses gemixt und gefärbt wurde. Ein in Bayreuth entwickelter Test soll jetzt Abhilfe schaffen.

Bayreuth - Hört man das Wort „Schnelltest“, denkt man mittlerweile wohl nur noch an das Coronavirus. Ein neuer Schnelltest aus Bayreuth hat damit allerdings nicht zu tun: Dieser Test soll nämlich die Qualität und Echtheit von Olivenöl erkennen. Ziel ist es, der Markt-Mafia damit das Handwerk zu legen.

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) gibt es auf dem Markt derzeit zahlreiche Olivenöl-Betrüger - auch bei uns in Deutschland. Laut Prof. Dr. Stephan Schwarzinger, Leiter der Arbeitsgruppe für Qualität und Echtheit von Lebensmitteln an der Universität Bayreuth, seien gefälschte Herkunftsangaben keine Seltenheit. Doch das sind nicht die einzigen Tricks der Hersteller.

Angeblich hochwertiges Olivenöl: Test soll Klarheit über Produkte schaffen

„Da werden billige Pflanzenöle grün gefärbt und als Olivenöl verkauft, ranziges Öl wird mit gutem vermischt, oder alte Öle werden mit speziellen Technologien geschönt und kommen wieder als extra natives Olivenöl in Umlauf“, erklärt Schwarzinger. Solche Tricksereien würden dem guten Ruf des hochwertigen Produkts schädigen und könnten laut dem Forscher eine wahre Abwärtsspirale auslösen. So seien Preisabfälle als auch Nachteile für Olivenbauern möglich: „Und das wiederum führt zur Brache großer Olivenhaine im Mittelmeerraum mit entsprechend negativen ökologischen Auswirkungen.“

Der BR berichtet von „einer regelrechten Olivenöl-Mafia“, die Schlupflöcher nutzen würde, um schlechtes Öl für teures Geld an den Kunden zu bringen. Bislang konnte man das Produkt nur durch „verschiedene, nacheinander angewendete Testverfahren“ prüfen, so Schwarzinger, die allerdings zeitaufwendig und auch teuer seien. Nun entwickelte der Professor aber einen Test, der innerhalb einer Stunde Qualität und Echtheit eindeutig bestimmen und Fälschungen aufdecken sollen.

Test wurde an der Uni Bayreuth entwickelt - Schnelltest erkennt nicht nur Olivenöl

Die effektive Schnelltestmethode wird der Universität Bayreuth zufolge mithilfe einer Magnetresonanzspektroskopie (NMR), realisiert. Das Team rund um Schwarzinger hat den Test in Kooperation mit der Universität Athen, dem Analytiklabor Alnumed GmbH und Partner aus der Olivenöl-Branche entwickelt. Die Wissenschaftler sammelten über mehrere Jahre hinweg über 1000 verschiedene Proben und analysierten diese systematisch.

Wird das Öl überprüft, beurteilt die Analyse, ob es sich bei dem Produkt beispielsweise um Raps-, Hanf-, Sonnenblumen- oder Nussöl handelt. Oder tatsächlich nur um reines Olivenöl. Dafür dient die sogenannte Kernspinanalyse, die den BR-Recherchen zufolge alle Proben bei einer Temperatur von 23 Grad starken magnetischen Feldern aussetzt. Darauf würden die Stoffe unterschiedlich reagieren, was „ganz charakteristische Fingerabdrücke für die einzelnen Ölsorten“ liefern soll, erklärt Schwarzinger.

Großteil der Olivenöl-Produkte stammt aus Spanien - Test lässt Qualität erkennen

Dem Bericht zufolge stammen 70 Prozent der weltweiten Olivenöl-Produkte aus Europa. Dabei gilt Spanien mit jährlich 1,6 Millionen Tonnen als Spitzenreiter, weit dahinter befinden sich Griechenland mit 0,27 Millionen und Italien mit 0,26 Millionen Tonnen. Der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender bezieht sich dabei auf Angaben des International Olive Council.

Da italienisches Öl besonders hohe Preise erziele, sei ein Etikettenschwindel für Produzenten rentabel. Wie der BR berichtet, landet seit Jahren ein beachtlicher Teil von griechischem Olivenöl bei italienischen Exporteuren, die es dann als italienisches Produkt verkaufen sollen. Der von Schwarzinger und seinem Team entwickelte Olivenöl-Test würde einen solchen Schwindel* allerdings auffliegen lassen. Auch merkur.de berichtet darüber.

In Spanien wird das meiste Olivenöl in Europa produziert. (Symbolfoto)

Ähnlicher Test wird auch bei Honig angewendet - Olivenöl soll folgen

Für die neue Analysetechnik aus Bayreuth soll sich vor allem der Handel bereits interessieren. In den vergangenen Jahren hat das Team rund um Stephan Schwarzinger maßgeblich an einem ebenfalls auf der NMR-Spektroskopie basierendem Verfahren mitgewirkt, welches Qualität und Echtheit von Honig überprüft.

In Nürnberg hat der Forscher auf der Biofach, der Leitmesse der Lebensmittelbranche, den Olivenöl-Test bereits vorgestellt. „Die Messe fand in diesem Jahr pandemiebedingt nur online statt. Dennoch stieß unsere neue Testmöglichkeit auf breites Interesse“, erzählt Schwarzinger. Laut dem Bayreuther Lebensmittelexperte hofft man nun, die Entwicklung weiter vorantreiben und auf den Markt bringen zu können. (Nail Akkoyun) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.