Kritik von der Verbraucherzentrale

Wie Rewe, Aldi tricksen: Warum die selben Produkte unterschiedliche Preise haben - Tipps für den Einkauf

Identische Obst- und Gemüsesorten werden im Supermarkt oft zu unterschiedlichen Preisen verkauft. Doch warum ist das bei Aldi, Rewe, Edeka und Co. so? Verbraucherschützer kritisieren die Händler.

  • Im Supermarkt wird oft am Preis getrickst.
  • Bei mehreren Stichproben entdeckte der NDR Auffälligkeiten bei Rewe*, Aldi* und Edeka*.
  • Verbraucherschützer kritisieren die Preisstrategien der Lebensmittelhändler.

Kassel - Im Supermarkt und in Discountern wird dem Kunden stets eine große Auswahl an Obst und Gemüse geboten - sowohl unverpackt als auch verpackt. Sollte man weniger auf die Kilopreise achten und vergleichen, passiert es schnell, dass man für die gleiche Ware einen höheren Preis zahlt als nötig.

Preis-Trickserei im Supermarkt: Mal ist unverpackt teurer, mal günstiger

Wie Markt, das Verbrauchermagazin des NDR berichtet, ist die Praxis der willkürlich wirkenden Preise von Obst und Gemüse besonders bei Äpfeln ein beliebtes Mittel: So kommt es vor, dass sowohl im Supermarkt als auch im Discounter dieselbe Apfelsorte - selbe Herkunft, Handelsklasse und Größe - zu einem unterschiedlichen Preis verkauft wird.

Demnach sei mal die unverpackte und mal die verpackte Ware teurer. Weder zusätzlicher Verpackungsmüll in Form von Plastik noch mehr Arbeitsaufwand aufgrund von fehlender Verpackung können also der Grund für die schwankenden Preise sein. Nachvollziehbar ist das für den Kunden jedenfalls nicht.

Trickserei im Supermarkt: Ware wiegen für den besten Preis - Kritik von Verbraucherschützern

Wer auf den Preis achten möchte, dem bleibt oft nichts anderes übrig, als die Ware zu wiegen und die Preise miteinander zu vergleichen. Verbraucherschützer kritisieren laut dem NDR jedoch, dass dies dem Kunden gegenüber nicht fair sei. Dieser hätte oft gar nicht die Zeit dazu, das Gewicht der Ware zu überprüfen und anschließend auch noch die Preisunterschiede zu berechnen, so Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin.

Darüber hinaus wird der Kunde weiter verwirrt, indem dieselben Produkte im Supermarkt oft unverpackt zum Stückpreis oder verpackt zum Kilopreis nebeneinander angeboten werden. Viele Verbraucher können auf den ersten Blick nicht erkennen, welches Angebot für sie günstiger ist.

NDR nimmt Stichproben im Supermarkt: Selbes Produkt, anderer Preis?

Teilweise kommt es sogar dazu, dass dieselben Sorten eines Produkts unterschiedlich verpackt und jeweils zu einem anderen Preis verkauft werden: In einer Supermarkt-Stichprobe entdeckte der NDR, dass die gleichen Möhren im Zwei-Kilogramm-Beutel für 1,25 Euro und im Ein-Kilogramm-Beutel für 1,17 Euro verkauft worden. Der teurere Beutel wurde mit „regional“ beworben, obwohl beide Produkte vom selben Lieferanten kommen.

Einkaufen im Supermarkt: Besonders bei Obst und Gemüse wird am Preis getrickst. (Symbolfoto)

Rewe, Aldi, Edeka und Co.: Trickst jeder Supermarkt beim Preis?

Das Verbrauchermagazin Markt beschreibt den Preisunterschied der Möhren, die im Supermarkt Rewe verkauft werden, als „besonders dreist“. Doch auch beim Discounter Aldi wurden ähnliche Praktiken ausfindig gemacht: Während ein verpacktes Kilo Äpfel 3,38 Euro kostet, beträgt der Preis für ein unverpacktes Kilo der gleichen Ware lediglich 2,99 Euro

Bei Edeka ist wiederum das Gegenteil der Fall: „Mini-Tomaten“ werden verpackt für 1,59 Euro je 100 Gramm verkauft, wohingegen der lose sortierte „Tomaten-Mix“ lediglich 0,87 Euro je 100 Gramm kostet. Und das, obwohl es sich auch hier um die gleiche Sorte, die gleiche Herkunft und die gleiche Handelsklasse handelt.

Experte kritisiert Supermarkt-Politik: Jeder Preis sollte für Verbraucher nachvollziehbar sein

Markensoziologe Arnd Zschiesche hält diese Tricks der Supermärkte für eine Zumutung und betont, dass es nicht der Aufgabe der Kunden, sondern die der Lebensmittelhändler sei, Einkäufe „rechtschaffen abzuwickeln“. Darüber hinaus sollte es laut ihm dazu gehören, dass man sich als Kunde „blind“ auf einen fairen Preis verlassen könne.

Würde man all solche Preisunterschiede klar kommunizieren, wäre dies laut Zschiesche „vollkommen Ordnung“. Es könne durchaus sein, dass es „sehr gute Begründungen“ für die Preisunterschiede gäbe, aber dann gehöre es auch zur Aufgabe von jedem Supermarkt, diese Unterschiede dem Kunden transparent darzustellen. (Nail Akkoyun) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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