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Primark will offenbar weitere Filialen dicht machen

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Von: Stella Henrich

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Die Modekette Primark muss offenbar weitere Filialen schließen. Die Filialen in Berlin und Weiterstadt sind bereits beschlossene Sache. Weitere Standorte sind jetzt angeblich bedroht.

München/Dublin ‒ Mit insgesamt 32 Filialen startete das irische Modehaus Primark in Deutschland. Die Geschäfte sind alle in bester Innenstadtlage. Doch das Unternehmen kämpft mit sinkenden Umsätzen. Jetzt drohen weitere Schließungen. Läden in Berlin und eines im hessischen Weiterstadt sind bereits dicht. Weitere stehen angeblich vor dem Aus. Die Wirtschaftswoche spricht sogar vom „Anfang vom Ende“, weil der Händler eigene Fehler gemacht habe. Ein früherer Mitarbeiter des britischen Mutterkonzerns Associated British Foods (ABF) erklärte gegenüber dem Branchenblatt, dass Primark den deutschen Markt überschätzt habe. Zu schnell habe man expandiert, die Geschäftsflächen seien zu groß. Das schlägt zu Buche.

Zwar sind die Läden des Modehauses weiterhin gut besucht, doch die Kunden halten sich mehr denn je zurück. Viele müssen den Gürtel enger schnallen. Die prall gefüllten Einkaufstaschen, mit denen die Kunden noch vor wenigen Monaten an der Kasse standen, sind Vergangenheit. Kassenterminals werden in einigen Filialen erst gar nicht mehr aufgemacht, berichtet Merkur.de. Gut die Hälfte der Verbraucher (52 Prozent) kaufe nach eigenen Angaben nur noch Produkte, die wirklich benötigt würden, berichtet das Marktforschungsinstitut NielsenIQ gestützt auf eine repräsentative Umfrage unter mehr als 10.000 Personen.

Das spürt jetzt auch Primark. Im Jahresabschluss des Unternehmens heißt es, Deutschland sei „für Einzelhändler ein zu hohen Kosten zu bedienender Markt“. Gemeint sind damit wohl die Kosten für große Verkaufsflächen attraktiver Standorte in Innenstädten und die extrem hohen Energiekosten der Stadtwerke in Städten und Gemeinden hierzulande.

Primark Schadowstrasse Hystreet Einkaufsstrasse in Düsseldorf.
Gehen bei weiteren Primark-Filialen bald die Lichter aus? (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/imago

Primark-Filialen vor dem Aus: Modehändler hat Online-Handel komplett verschlafen

Laut Wirtschaftswoche überprüft das Modehaus routinemäßig seine Standorte daraufhin, ob sie kommerziell weiterhin attraktiv sind. Was soviel heißt: Lohnt sich ein Standort noch? Die Antwortet lautet wohl: nein, nicht jeder. Bestätigt hat das Unternehmen dies offiziell noch nicht. Es könnten dennoch bei einigen Filialen demnächst die Lichter ausgehen. Für Gerrit Heinemann, Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, sind die Gründe für die Primark-Krise offenkundig, berichtet die Rheinische Post (RP).

Der Modehändler hat den Online-Handel komplett verschlafen. „Primark glaubte, dass der Online-Handel für das Discount-Konzept nicht funktioniert. So haben sie wertvolle Zeit verloren. Nun versucht Primark fieberhaft, gegenzusteuern. Aber ich glaube nicht, dass sie das noch gestemmt bekommen“, sagt Heinemann in der RP. Der Online-Handel war der Gewinner der Corona-Krise. Wer da nicht online aktiv mitgemacht hat, „hat den Zugang zu Kunden verloren“, so Heinemann.

Primark-Filialen vor dem Aus: Click & Collect-Konzept soll sinkenden Umsätzen auf die Sprünge helfen

Bei Primark setzt man nicht auf das Geschäft mit dem Online-Shop, sondern will mit dem „Click & Collect“- Konzept sinkenden Umsätzen entgegensteuern. Der irische Mutterkonzern kündigte laut dem Online-Portal Stylebook eine Neupositionierung an, die das Geschäft „nachhaltig profitabel“ machen soll. Hierbei sollen Kunden ihre Ware online aussuchen und dann im Geschäft als Abholgeschäft nutzen können. Läden in Bayern haben damit während des Corona-Lockdowns gute Erfahrungen gemacht.

Auch ABF hat das Click & Collect-Konzept für 25 Filialen auf dem englischen Markt bereits im vergangenen Jahr getestet und rund 2000 Artikel den Kunden zum Bestellen angeboten. Das macht laut Lebensmittel-Zeitung (LZ) ungefähr 40 Prozent des Primark-Sortiments aus. Ob sich das Konzept auf der Insel dauerhaft bewährt, ist offen. Beim Konzern gebe es jedenfalls noch keine Planung, vollständig in das Online-Geschäft einzusteigen, so die LZ weiter. Dagegen spreche die hohe Rücklaufquote, hohe Kosten und die ökologische Bedenklichkeit, heißt es vonseiten des Mutterkonzerns.

Dabei ist es nicht nur der Modehändler Primark, der mit Umsatzeinbußen und drohenden Filialschließungen zu kämpfen hat. Auch anderen Händler droht eine Pleitewelle, mit weitreichenden Folgen für deutsche Innenstädte. Andere wiederum wollen sich verstärkt auf dem deutschen Markt jetzt etablieren, wie die Modekette Pepco etwa mit 2000 Filialen. Auch der chinesische Online-Händler Shein - direkter Konkurrent von Primark - kommt bei jungen Kunden mit wenig Geld gut an.

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