Eltern aufgepasst

Gefahr für Kinder? Warum man keinen Schnee essen sollte

Beim Spielen im Winter hat das Kind plötzlich Schnee im Mund. Klingt harmlos, doch Schnee zu essen ist nicht so ungefährlich, wie viele Eltern denken. 

Kassel – Wenn im Winter der Schnee vom Himmel rieselt und sich am Boden sogar eine geschlossene Schneedecke bildet, ist die Freude vor allem bei den Jüngsten groß. Schnell wird sich dick eingepackt und dann heißt es: ab nach draußen.

Die Kinder bauen im Garten große Schneemänner, wilde Schneeballschlachten starten und manchmal wird die weiße Pracht auch kurzerhand einfach mal gekostet. Ob aus Neugier oder einfach, weil die Flocken so schön auf der Zunge schmelzen. Schnell fragen sich da einige Eltern: Kann mein Kind Schnee essen oder ist das gefährlich?

Bei grauem, verschmutzen oder gar gelbem Schnee dürfte vielen direkt klar sein, dass hiervon die Finger und vor allem der Mund gelassen werden sollte. Doch wie sieht es bei frisch gefallenem, weißem Schnee aus? Auch hier gilt es vorsichtig zu sein. Denn ganz unbedenklich sind auch scheinbar saubere Flocken nicht.

Kinder können schon mal Schnee essen – aber ist das gesund?

Kann man ohne Bedenken Schnee essen? „Regen und Schnee sind keine Nahrungsmittel“

Schnee ist nichts anderes als fester Niederschlag, der aus vielen kleinen Eiskristallen besteht. Wie beim Regen kann auch Schnee auf dem Weg zur Erde Schadstoffe aus verschmutzter Luft aufnehmen, heißt es in einem Bericht von Öko-Test*. Vor allem in Großstädten ist die Gefahr hoch, dass die weiße Pracht durch Feinstaub verschmutzt* wird.

Das heißt: Auch wenn der Schnee vielleicht von außen schön weiß und sauber aussieht, sollte er lieber nicht gegessen werden, wie auch Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt gegenüber Öko-Test sagt. „Regenwasser und Schnee sind keine Nahrungsmittel und nicht keimfrei: Eine Belastung ist zum Beispiel über den Luftpfad mit Verbrennungsprodukten, Stäuben oder mikrobiellen Aerosolen denkbar.“

Darf mein Kind Schnee essen? Studie liefert eindeutige Ergebnisse

Dass Schnee durchaus mit Schadstoffen belastet sein kann, bewies auch eine 2016 veröffentlichte Studie aus Kanada. Die Wissenschaftler hatten dabei frisch gefallenen Schnee in eine Kältekammer gepackt und Abgasluft zugeführt. Das Ergebnis erstaunte: Bereits nach einer Stunde hatte sich die Belastung mit Fremdstoffen enorm erhöht. Darunter waren Feinstaub und Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole, wie auch der Spiegel berichtete. Diese Stoffe gelten teils als krebserregend.

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Nachdem der Schnee am Boden liegt, verschmutzt er sich also immer mehr mit Partikeln aus Abgasen - vor allem an viel befahrenen Straßen oder eben in dicht besiedelten Gebieten wie Großstädten. Ein anderes Problem ist Streusalz. Gerade wenn es geschneit hat und glatt ist, wird auf den Gehwegen und Straßen Salz gestreut, um ein Verkehrschaos und Unfälle zu vermeiden.

Das Salz ist laut Ökotest zum einen schädlich für die Umwelt, wenn es in die Böden gelangt. Wer zu viel davon aufnimmt, dem drohen außerdem gesundheitliche Probleme wie Durchfall oder Erbrechen. Auch Kot und Urin von Tieren oder Rollsplit kann Schnee verschmutzen, nicht immer sieht man das auf den ersten Blick.

Schnee im Winter essen: Zu viel kann der Gesundheit schaden – „In keinem Fall Trinkwasserquelle“

Doch nicht nur in der Stadt sollten weder Erwachsene noch Kinder Schnee in den Mund stecken. Auch in entlegenen alpinen Gebieten wurden bereits in Luft, Regen, im Boden und eben auch im Schnee Schadstoffe gemessen, wie die Ergebnisse des Projekts PureAlps zeigten. Neben Schadstoffen ist zudem auch Mikroplastik in Schnee zu finden. Mikrofeine Partikel wurden sogar im Schnee in den Bayerischen Alpen und auch auf menschenverlassenen Eisschollen der Arktis gefunden, berichtete die Welt.

Schnee ist ebenfalls nicht besonders gut für den Körper, weil er anders als Trinkwasser keine Mineralien oder Elektrolyte enthält - ähnlich also wie destilliertes Wasser. Wird zu viel Schnee gegessen, kann das laut Ökotest außerdem den Körper runterkühlen. Große Mengen Schnee sind also für Kinder und auch Erwachsene tabu.

Auch wenn eine geringe Aufnahmemenge wohl keine gesundheitlichen Folgen haben wird, eignet sich „Schnee in keinem Fall als Trinkwasserquelle“, so Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt. In Großstädten sollte man sich trotzdem dreimal überlegen, ob man die weiße Pracht nicht doch nur zum Bauen des Schneemanns nutzen sollte. (svw) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test warnt immer wieder vor gefährlichen Dingen und Produkten für Kinder. So fielen bei einem Test von Sonnencremes einige beliebte Marken durch. 

Rubriklistenbild: © Michael Schick/Imago

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