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Silvester-Feuerwerk: Diese Baumärkte boykottieren dieses Jahr den Böller-Verkauf

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Von: Romina Kunze

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Den Blick in der Silvester-Nacht nach oben zu richten, gehört für viele Menschen dazu. Doch die Kritik am Feuerwerk nimmt zu; und so auch der Boykott von Böllern.

Kassel – Seit einiger Zeit steht fest: Zum Jahreswechsel darf man es 2022 wieder richtig krachen lassen. Nachdem Pandemie-bedingt ein mehrjähriges Böller-Verbot ausgesprochen wurde, gab die Politik für dieses Jahr wieder grünes Licht fürs farbenfrohe Lichter-Spektakel zu Silvester. Ganz unumstritten ist diese Entscheidung aber nicht. Woher bekommt man also seine Raketen, Fontänen, Kracher und Co.?

In der Vergangenheit wurde das Neujahrs-Feuerwerk neben Supermärkten auch in vielen Baumärkten, wie Obi, Globus oder toom angeboten. Doch dieses Jahr haben sich nach Berichten von Bild große Baumarkt-Ketten gegen den Verkauf von Böllern entschieden. Und verzichten damit auf ein mitunter lukratives Geschäft: So lag der Umsatz für den Verkauf von Silvester-Feuerwerk laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie vor den Corona-Jahren in Deutschland mitunter bei 133 Millionen Euro (2019).

Böller-Boykott der Baumärkte: Kein-Verkauf von Feuerwerk der Umwelt und Tiere zuliebe

Stellt sich die Frage nach dem Warum. Der Baumarkt-Riese Hornbach begründet den Böller-Boykott für Silvester auf seiner Homepage so: „Wir haben uns schon 2019, insbesondere aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes, dafür entschieden, ab 2020 kein Feuerwerk mehr anzubieten.“ Die Entscheidung sei – wie für das gesamte Sortiment – zum einen aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit gefallen, zum anderen sei sie Reaktion auf Kunden-Anregungen und Forderungen von Tierschutzorganisationen gewesen.

Umstritten ist der Silvester-Brauch, die bösen Geister lautstark zu vertreiben (siehe Info-Box) schon seit langem. Kritik kommt auch in diesem Jahr von Einsatz- und Rettungskräften sowie von medizinischem Personal, die zum „böllern mit Bedacht“ animieren. Doch vor allem aus Umwelt- und Tierschutzgründen verzichten viele Menschen mittlerweile auf ein privates Feuerwerk zu Silvester. Und folgen damit den Forderungen von Organisationen.

So auch die Baumärkte. Neben Hornbach ziehen laut Bild auch Obi und Globus Baumarkt bei dem Böller-Boykott mit. Wer nach Böller-Angeboten von Obi auf Google sucht, bekommt zwar noch welche angezeigt, doch in den Online-Warenkorb können diese nicht gelegt werden; geschweige denn gekauft. Ähnlich sieht es auf der Online-Plattform von toom Baumarkt aus. Globus Baumarkt verkauft derweil nur Tisch-Feuerwerk ohne Schwarzpulver.

Bunte Feuerwerksraketen steigen in der Silvesternacht in den Himmel.
Für viele Menschen gehört das bunte Lichter-Spektakel zu Silvester einfach dazu. Unbedenklich für die Gesundheit und die Umwelt sind die Böller aber nicht. Einige boykottieren daher das private Abzünden von Feuerwerk. © Uwe Meinhold/Imago

Generelles Böller-Verbot gefordert – Viele Baumärkte wie Obi, Hornbach und Co. ziehen mit

Unter dem einprägsamen Hashtag „#BöllerCiao“, initiiert von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), macht sich derzeit die neue Anti-Böller-Kampagne breit. Tierschutz-Initiativen, wie PETA, Vier Pfoten oder TASSO, unterstützen die Aktion. So verweist PETA in einem Online-Aufruf auf die „enorme Angst und Panik“ unter Wild- und Nutztieren, Vögeln und Haustieren sowie Tieren in Zoos. Als Beispiel führt die Tierschutz-Organisation den verheerenden Vorfall im Krefelder Zoo an, als an Silvester 2019 rund 50 Tiere bei einem Brand im Affenhaus starben. Das Tiergehege hatte sich durch Silvester-Raketen entzündet.

Germanisches „Höllenspektakel“ zu Silvester: Deshalb werden Böller gezündet

Die Tradition in der Silvester-Nacht ein Feuerwerk zu zünden, geht auf einen Brauch der Germanen zurück. Die Ahnen der Deutschen glaubten nämlich, dass ihr gefürchteter Kriegsgott Wotan vor allem in der dunkelsten Jahreszeit sein Unwesen treibe. Der 31. Dezember liegt genau in der Mitte der sogenannten „Rauhnächte“; Nächte, die besonders lang und dunkel sind und damit viel Zeit für Schabernack bieten. Aus Angst davor veranstalteten die Germanen ein „Höllenspektakel“, bei dem jeder so viel Lärm machen sollte, wie möglich. Sie zündeten Holzräder an, die sie brennend ins Tal rollen ließen, um die bösen Geister zu vertreiben. Neben dem Feuerwerk gibt es in Deutschland und Europa aber noch einige andere Silvester-Bräuche.

Quelle: helles-koepfchen.de

Ziel der Aktion: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zu einem generellen Verbot von Verkauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu bewegen. Das sei auch der Wunsch vieler Deutscher: Laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprechen sich 53 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für ein Verbot von einem Feuerwerk zu Silvester aus. Haustierbesitzer sorgen sich an Silvester um ihre schreckhaften Liebsten auf vier Pfoten und verzichten deshalb. Die bösen Geister lassen sich aber sicherlich auch harmlosen Tisch-Feuerwerk und knallenden Sektkorken an einem netten Silvester-Abend vertreiben. (Romina Kunze)

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