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Strom und Gas: Hohe Preise, abgelehnte Neuverträge und Lieferstopps – Was Kunden tun können

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Von: Svenja Wallocha

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Hohe Preise für Strom und Gas belasten viele Haushalte in Deutschland. Doch nicht alles müssen sich Verbraucher gefallen lassen, sagen Experten.

Kassel – Ohne Strom und Gas geht in vielen Haushalten nichts. Umso härter treffen Mieter und Hausbesitzer gerade die hohen Energiepreise. „Die Strompreise in Deutschland befinden sich auf einem historischen Allzeithoch. Noch nie mussten Verbraucher hierzulande so viel für Elektrizität ausgeben“, so Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Es ist ein dramatischer Anstieg, den es in den vergangenen Monaten gab. Die Folgen sind teils fatal – für Unternehmen und Verbraucher. Denn die gestiegenen Großhandelspreise treiben viele Versorger in die Insolvenz. Andere Anbieter haben die Preise für ihre Kunden erhöht oder diesen Schritt angekündigt. Besonders betroffen sind auch diejenigen, die gerade einen neuen Anbieter suchen. Für Neukunden sind die Preise für Strom und Gas teilweise um das Drei- bis Vierfache gestiegen. Dass Energieversorger, die günstige Tarife anbieten, derzeit überrannt werden, wundert da kaum.

Hohe Preise für Strom und Gas: Kunden sind verägert – Anbieter mit teils fragwürdigen Methoden

Der Frust bei den Kunden über zu hohe Energiepreise, kurzfristige Lieferstopps und auch abgelehnte Neuverträge steigt, das merkt auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie erhält immer mehr Beschwerden, heißt es in einer Mitteilung. Weil die Energielieferanten auch mit teils fragwürdigen Methoden auf die steigenden Gas- und Strompreise reagieren, raten die Fachleute, sich nicht alles gefallen zu lassen und informieren über Handlungsmöglichkeiten.

Land (G20-Staaten)Eurocent je Kilowattstunde
Deutschland31,8
Vereinigtes Königreich24,17
Italien22,5
Japan22,21
Australien20,59
(Datenquelle: GlobalPetrolPrices/Quelle: Verivox)

„Wir gehen davon aus, dass viele Betroffene Anspruch auf Schadensersatz haben, im Zweifel wird das aber wohl gerichtlich geklärt werden müssen“, sagt Tiana Schönbohm, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Trotz allem Ärger sei das Wichtigste für Betroffene erstmal Ruhe zu bewahren und seine Optionen zu prüfen.

Hohe Energiepreise, kurzfristige Lieferstopps und abgelehnte Neuverträge – Das können Kunden tun

Das Problem bei vielen Kunden ist derzeit: Sie verlieren ihren bisherigen Energieversorger und rutschen in die Ersatzversorgung. Die übernimmt dann der Grundversorger. Grundversorger ist jeweils der Anbieter, der die meisten Kunden in einem Gebiet hat. Durch die vielen Neukunden muss der Grundversorger allerdings zusätzliche Energie kaufen und das sorgt wiederum für zusätzliche Kosten. Abgewälzt würden die dann vor allem auf Neukunden, erklärt die Verbraucherzentrale.

So verweigern einige Anbieter die Ersatzversorgung oder bieten gesonderte Neukundentarife an. Diese Tarife sind bei dann allerdings um ein Vielfaches höher als die von Bestandskunden. Teilweise werde auch eine feste Vertragslaufzeit vereinbart. „Das halten wir für unzulässig und raten dazu, Widerspruch einzulegen“, erklärt Schönbohm. Die Verbraucherzentrale rät zudem, die Belieferung zu Bestandskundentarifen zu fordern. 

Stromzähler
Die hohen Energiepreise treffen Mieter und Hausbesitzer aktuell mit voller Wucht. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

Strom und Gas: Anbieter erhöhen Abschlagsforderung: „Aus unserer Sicht rechtswidrig“

Kritisch sieht die Verbraucherzentrale auch die Erhöhung von Abschlagsforderung. „Aus unserer Sicht ist es rechtswidrig, einfach einseitig die Abschläge zu erhöhen. Betroffene legen am besten Beschwerde beim Energieversorger ein und zahlen ausdrücklich nur unter Vorbehalt“, rät die Expertin. Steht denn Betroffenen dann nach der Jahresabrechnung ein Guthaben zu, müsse dieses spätestens nach zwei Wochen ausgezahlt werden. Abschläge eigenständig zu kürzen, sei dagegen problematisch – davon wird abgeraten. Im schlimmsten Fall könne das nämlich zu einer Liefersperre führen und durch Mahn- oder Anwaltskosten richtig teuer werden.

Will man sich nicht mehr mit den hohen Strom- oder Gaspreisen des Anbieters herumschlagen, heißt es für viele Verbraucher: Kündigen und den Anbieter wechseln. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. So sollten Kunden zunächst einmal prüfen, wie viel sie aktuell für Strom zahlen müssen. Danach sucht man nach günstigen Alternativen – hier bieten sich Vergleichsportale an.

Anbieter von Strom und Gas wechseln oder kündigen: Was Kunden beachten sollten

Wird ein Vertrag schließlich gekündigt, sollte das besser mit per Einschreiben passieren. Für einen möglichen Streitfall lohnt es sich zudem, den Rückschein oder das Sendungsverfolgungsergebnis über einen längeren Zeitraum aufzubewahren, so die Verbraucherzentrale. Generell sollten alle Unterlagen, ob schriftlich oder digital, immer aufbewahrt werden. Bei einem neuen Tarif gilt außerdem: Am Tag des Übergangs den Zähler ablesen. Das sollten Verbraucher auch bei Lieferstopps tun. Die Daten könne man dann dem Netzbetreiber sowie dem neuen und dem bisherigen Energieversorger mitteilen. Auch bei der späteren Abrechnungen kann das helfen.

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Abrechnungen sollten zudem immer genaustens geprüft werden, denn auch hier können Fehler passieren. Laut der Schlichtungsstelle Energie e.V. zählen fehlerhafte Abrechnungen zu den häufigsten Gründen für Beschwerden. Treten bei den genannten Punkten Probleme auf, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen Fachleute, wie die Schlichtungsstelle Energie e. V. oder einen Rechtsanwalt, einzuschalten. Auch über den eigenen Stromverbrauch sollten sich Verbraucher bei den derzeitigen Preisen Gedanken machen – Stromfresser sorgen in vielen Haushalten für hohe Rechnungen. (svw)

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