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Spritpreise in Deutschland explodieren: Das sind die Folgen

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Von: Tanja Koch

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Tanken ist in Deutschland so teuer wie nie zuvor. Die Rekordpreise beim Sprit treffen nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen.

Kassel – Tanken ist derzeit so teuer wie schon lange nicht mehr. Die Spritpreise befinden sich auf Rekordhöhen. Die hohen Preise beim Benzin in Deutschland sorgen nicht nur bei Autofahrern für Ärger und Frust an den Zapfsäulen, auch Unternehmen drohen zusätzliche Belastungen. Auch der Tanktourismus wird angekurbelt.

Schon vor einiger Zeit hatte sich der Anstieg der Benzinpreise wegen des Ukraine-Kriegs abgezeichnet. Wie der ADAC am Montag (07.03.2022) dann mitteilte, war Diesel am Wochenende in Deutschland sogar teurer als Super. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 im Durchschnitt 1,965 Euro. Diesel war sogar noch zwei Cent teurer als Super und stieg auf 1,984 Euro. „Das ist eigentlich saisonuntypisch, aber offenbar kaufen die Leute derzeit Heizöl, weil sie nicht wissen, wie es im kommenden Winter wird“, erklärte ein ADAC-Sprecher in München im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt*. Und die Spritpreise werden vermutlich noch weiter steigen.

Hohe Spritpreise: Diesel teurer als Benzin – ADAC rechnet mit Tanktourismus

Weil die Spritpreise infolge des Ukraine-Kriegs in Deutschland auf Rekordhöhen klettern, rechnet der ADAC zudem mit mehr Tanktourismus – vor allem an der Grenze zu Österreich. Ein Sprecher des ADAC Südbaden in Freiburg erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Trend zu Tankfahrten ins Nachbarland werde sich noch verstärken. Aktuelle Zahlen konnte der ADAC noch nicht nennen. Konkret geht es um die Grenzbereiche zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bayerische Autofahrerinnen und Autofahrer treibt es beispielsweise zum Tanken über die Grenzen nach Österreich und Tschechien. 

Die Preisunterschiede gehen in der Regel vor allem auf Steuern und Abgaben zurück. Auch in Österreich würden die Preise wegen des Kriegs in der Ukraine steigen, sodass sich das Verhältnis zwischen den Kosten in beiden Ländern wenig ändere, hieß es vonseiten des ADAC. Je mehr der Sprit in Deutschland koste, desto attraktiver werde in den Grenzregionen aber die Fahrt zu Tankstellen im Ausland.

Ukraine-Krieg erhöht Spritpreise: Zu diesen Uhrzeiten ist tanken günstiger

Besonders für Menschen, die nicht an der Grenze leben, lohnt sich Tanktourismus allerdings nicht. Für sie gilt während des Ukraine-Kriegs, aber auch davon abgesehen: Wer zu bestimmten Uhrzeiten tankt, spart. Der ADAC etwa erklärt, dass besonders am frühen Morgen hohe Preise herrschen, die im Laufe des Tages schwanken und stetig abnehmen. 

Autos stehen am Dienstag (08.03.2022) in einer Schlange vor einer Tankstelle in Leipzig, deren Preise niedriger sind als der Tagesdurchschnitt.
Autos stehen am Dienstag (08.03.2022) in einer Schlange vor einer Tankstelle in Leipzig, deren Preise niedriger sind als der Tagesdurchschnitt. © Sebastian Willnow/dpa

Zwischen 5 und 8 Uhr zu tanken, sei demnach nicht zu empfehlen. Zwischen 18 und 22 Uhr hingegen könnten Auto-Besitzer sparen. Grund für die Preisschwankungen ist der Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern, die sich gegenseitig unterbieten. Ebenfalls empfehlenswert ist aus diesem Grund, mithilfe von Apps die Spritpreise der verschiedenen Tankstellen zu vergleichen.

Preisentwicklung am TagUhrzeit
Günstigste SpritpreiseZwischen 18 und 22 Uhr
Höchste SpritpreiseZwischen 5 und 8 Uhr

Hohe Spritpreise: Reduzierte Mehrwertsteuer auf Benzin gefordert

Auch die Politik reagiert auf die hohen Spritpreise. Gefordert werden derzeit unter anderem Senkungen von Mehrwert- und Mineralölsteuern und weitere Verbesserungen bei der Pendlerpauschale. Letztere wurde bereits vor kurzem im Zuge eines Entlastungspakets frühzeitig angehoben. Andere Länder haben bereits zu deutlicheren Schritten gegriffen.

Taxifahrer und der Güterverkehr leiden ebenfalls unter den erhöhten Benzinpreisen. Laut MDR können diese oft nicht direkt die gestiegenen Ausgaben weitergeben oder vorfinanzieren. „Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise stellen für unsere Mitgliedsunternehmen eine absolute Katastrophe dar“, zitiert der MDR Dirk Engelhard, Vorstandssprecher vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Im Handwerk sehe es derzeit noch relativ unproblematisch aus.

Wegen Ukraine-Krieg gestiegene Spritpreise wirken sich auch auf Unternehmen aus

Das Problem sei, dass zwar einige Unternehmen eine Preisgleitklausel mit ihren Auftraggebern vereinbart haben. Steigt der Dieselpreis, steigen damit auch die Frachterlöse. „Allerdings wirken diese Mechanismen meistens erst mit einem Versatz von drei bis vier Monaten und in der Zwischenzeit müssen die höheren Kraftstoffpreise von unseren Mitgliedsunternehmen vorfinanziert werden“, erklärt er. Aus diesem Grund fordert der BGL die Einführung von Gewerbediesel, den Transportunternehmen vergünstigt einkaufen können. (tk mit AFP/dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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