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Anonymer Telefon-Betrug nimmt zu: Was tun bei unterdrückten Anrufen?

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Von: Romina Kunze

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Ein neues Gesetz soll vor Telefon-Betrug schützen, hat aber für Verbraucher einen Haken. Die Kriminellen begünstigt es sogar. Wie sollten Betroffene vorgehen?

Kassel – Klingelt das Handy, folgt bei den meisten Menschen reflexartig der Blick auf den Bildschirm, um zu schauen, wer anruft. Im Idealfall leuchtet ein bereits eingespeicherter Name auf, ansonsten erscheint eine Nummer. Prangt schlicht das Wort „Unbekannt“ auf dem Display, unterdrückt der Anrufer seine Nummer.

Laut der Bundesnetzagentur bekommen seit Kurzem häufiger Menschen in Deutschland solche anonymen Anrufe. Grund dafür ist auch eine neue Regelung der Bundesbehörde, mit der man besser vor betrügerischen Anrufen schützen möchte. In der Praxis bringt das den Verbrauchern aber nicht nur einen Nachteil, sondern spielt auch den Telefon-Betrügern in die Karten.

Pflicht zur Anonymisierung: Anrufe unter „Unbekannt“ gehen ein – Telefon-Betrug?

War es früher gang und gäbe, das Telefon abheben zu müssen, um herauszufinden, wer am anderen Ende der Leitung ist, ist es heute kaum noch denkbar. Doch mit dem seit 1. Dezember 2022 geltenden neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) wurde eine Rückkehr dazu eingeläutet; zumindest teilweise.

NameTelekommunikationsgesetz (TKG)
Gültig seit1. Dezember 2022
BewirktAnonymisierungspflicht von Anrufen aus dem Ausland

Seitdem dürfen Anrufe, die aus dem Ausland übergeben werden, keine deutsche Rufnummer mehr anzeigen. Sorgen, Anrufe von Freunde und Familie, die gerade im Urlaub sind, nur noch verschlüsselt angezeigt zu bekommen, muss man aber keine haben; von dieser Regelung ausgenommen sind Mobilfunk-Nummern mit internationalen Roaming.

Schutz vor Telefon-Betrug: Neues Gesetz hat einen Haken für Verbraucher

Die Bundesnetzagentur sieht darin eine gute Herangehensweise, den Telefon-Betrügern ein Schnippchen zu schlagen. Obwohl die Kriminellen häufig im Ausland säßen, könnten sie durch ein spezielles Verfahren deutsche Nummern anzeigen lassen, sogar von tatsächlichen Agenturen und Behörden, erklärte Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen auf Anfrage von hna.de von IPPEN.MEDIA. Bestes Beispiel: die Fake-Anrufe vermeintlicher Inter- und Europol-Mitarbeiter, zu denen es seit 2022 vermehrt kam oder auch noch kommt.

„Es zeigten sich aber auch, dass die auf dem Display angezeigten Nummern der Vorwahl des Angerufenen entsprachen“, sagte Rechtsexperte Lassek. Vermutlich solle so eine vermeintliche Nähe vorgegaukelt werden, um auf die potenziellen Opfer vertrauenswürdiger zu wirken. Die neue Regelung setzt dem einen Riegel vor. „Betrüger dürften so kaum eine Chance haben“, so Lassek. Doch: „Arbeitskollegen, entfernte Bekannte oder Kunden aber auch nicht.“

Seit Dezember 2022 nehmen anonymen Anrufe in Deutschland zu. Grund ist ein neues Gesetz.
Seit Dezember 2022 nehmen anonymen Anrufe in Deutschland zu. Grund ist ein neues Gesetz. © Max Rühle/Imago

Wo kein Richter, da kein Henker: Neues Gesetz schützt vor Telefon-Betrug – Betrüger aber auch vor Strafverfolgung

Sollte man also nun grundsätzlich nicht mehr bei anonymen Anrufen abheben? Laut Lassek ist das zwar die radikalste, aber wirksamste Methode, um mögliche Betrugsanrufe abzuwehren. Doch: die Bundesnetzagentur verweist, dass nicht alle Anrufe ohne angezeigter Nummer unseriös sind. Auch aus berechtigten Gründen könnten sich Teilnehmer für eine Rufnummernunterdrückung entscheiden. „Eine unterdrückte Rufnummer lässt letztlich keinen Rückschluss auf die Person des Anrufers zu“, schreibt die Behörde auf ihrer Homepage.

Genau da liegt aber ein Problem, das mit der gesetzlichen Anonymisierungspflicht einhergeht: Betroffene können die nun anonymisierten Spam-Anrufe nicht mehr melden, da für die Rückverfolgung zwingend eine angezeigte Rufnummer vorhanden sein muss. Auch die Bundesnetzagentur hat keine generelle Befugnis, den Ursprung von Anrufen aufzuklären. „Das heißt: Betroffene Verbraucher haben im Grunde kaum Möglichkeiten, sich zu wehren“, sagte Lassek. Das Gesetz schützt also auch ungewollt die Kriminellen.

Spam-Telefonnummern, die angezeigt werden, können kurzerhand blockiert werden. Bei Anonym-Anrufen ist das aber nur allgemein und somit nicht für einzelne Anrufe möglich. In den Einstellungen des Handys lassen sich beispielsweise alle unbekannten Anrufe blockieren.

Experte rät: So sollte man sich bei anonymen Betrugsanrufen verhalten

Was aber tun, wenn man Anrufe ohne angezeigte Nummer nicht unter den Generalverdacht des Telefon-Betrugs stellen möchte? „Das beste Vorgehen ist, die Anrufe schlicht zu ignorieren“, räumte Lassek ein. „Ist man bereits drangegangen, ist es zum Glück nicht zu spät.“ Der Experte der Verbraucherzentrale rät dann zu folgenden Verhalten:

Die Polizei wird niemals um die Überweisung von Geldbeträgen bitten, versichert Lassek. Das gelte auch für das Bundeskriminalamt sowie Europol und Interpol. Wird doch eine Nummer angezeigt, so sollten Verbraucher die Nummer notieren und Strafanzeige bei der Polizei stellen. Das geht inzwischen auch online, so der Experte.

Wer unsicher ist, ob es sich bei dem Anruf um Telefon-Betrug handele, könne als Praxistipp folgendes tun: Auflegen und sofort versuchen zurückzurufen. Geht das nicht, ist es ein klares Indiz für einen betrügerischen Anruf. (Romina Kunze)

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