Nach Skandal bei Tönnies

Radikale Änderung im Sortiment: Jetzt ist bei Fleisch von Aldi die Herkunft klar

Fleisch bei Aldi ist umstritten. Der Tönnies-Skandal in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hat Verbraucher verunsichert. Der Discounter stellt sein Angebot um und macht die Herkunft einer neuen Marke klar.

  • Fleisch bei Aldi hat spätestens seit dem Skandal um den Ausbruch des Coronavirus* bei der Tönnies keinen guten Ruf.
  • Unter der Marke "Meine Metzgerei" verkauft Aldi Fleisch aus dem Schlachthof aus Rheda-Wiederbrück im Kreis Gütersloh.
  • Mit einer neuen Marke will der Discounter nun dauerhaft seinen Kunden eine Alternative bieten.

Fleisch bei Aldi ist meistens billig. "Meine Metzgerei" ist eine der Marken des Discounters - dahinter steckt die Firma Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh), bei der im großen Maße das Coronavirus ausgebrochen ist. Die Folgen sind verheerend: Im Kreis Gütersloh und dem benachbarten Kreis Warendorf, wo viele Mitarbeiter von Tönnies leben, musste erneut ein Lockdown* verhängt werden, berichtet wa.de* im News-Ticker. Rund 2000 Mitarbeiter haben sich infiziert, das Werk von Tönnies wurde stillgelegt.

UnternehmenAldi
ZentraleEssen
CEOMarc Heußinger (1. Jan. 2013–)
Umsatz53 Milliarden EUR (2020)
Gründung1946, Essen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Auch wenn beim Fleisch bei Aldi kein Tönnies draufsteht, steckt Tönnies drin. Die Herkunft ist also nicht immer sofort klar. Das gilt für viele Produkte der großen Discounter*. So auch Lidl und die höherpreisigen Supermärkte wie Rewe, Edeka, Kaufland und Co. So ist „Meine Metzgerei“ ist die Hausmarke von Aldi und „Landjunker“ die Marke von Lidl - in beiden Fällen steht hinter den Marken die Firma Tönnies. Bekanntere Marken mit Tönnies-Fleisch sind unter anderen Böklunder, Zimbo und Tillmann's.

Fleisch bei Aldi: Neue Marke dauerhaft im Sortiment

Nun geht Aldi beim Fleisch in die Offensive und verspricht dies auch im aktuellen Prospekt für die Woche ab dem 29. Juni: „Fair & Gut“ heißt die Marke, mit der der Discounter nach dem Skandal um die Firma Tönnies in Zeiten des Coronavirus punkten will und die regionale Herkunft der Produkte deutlich macht. Dazu muss man wissen: So ganz neu ist die Marke bei Aldi nicht. Und es ist auch keine Marke, die das Label Bio trägt. Schon seit zwei Jahren testet der Discounter mit dem Fleisch in einigen Filialen in Nord- und Westdeutschland. Aldi verspricht in der Werbung: „Fair für den Bauern - Gut für die Tiere. Unsere Marke für mehr Tierwohl.

Laut Aldi werden die Tiere besser gehalten. Schweine hätten zum Beispiel mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und würden überwiegend mit regionalem Futter versorgt. Die Bauern würden für diese Haltung dann auch mehr Geld bekommen. Diese Marke „Fair & Gut“ wird nun dauerhaft bei Aldi im Sortiment bleiben. Seit 1. Juni gibt es sie regelmäßig in Aldi-Märkten zu kaufen. Sie ist eine Alternative zu den Produkten der Hausmarke "Meine Metzgerei". Gerade durch den Ausbruch des Coronavirus bei der Firma Tönnies hat das Image dieses preiswert produzierten Fleisches noch einmal gelitten.

Mit einer neuen Marke Fleisch will Aldi das Vertrauen der Kunden gewinnen. Der Skandal bei der Tönnies hat viele Verbraucher verunsichert. Eine bessere Haltung von Schweinen verspricht Aldi in seiner Offensive.

Fleisch bei Aldi: Marke mit komplett neuer Verpackung

Und Aldi geht bei seinem Fleisch noch einen Schritt weiter und kündigt eine weitere radikale Neuerung an - übrigens im gleichen Prospekt, in dem Aldi auch ein iPhone zum Hammerpreis anbietet*. Nicht nur die Marke „Fair & Gut“ bleibt dauerhaft auch nach Zeiten des Coronavirus im Sortiment. Auch die Verpackung ist neu: Der Discounter verzichtet bei der Verpackung auf eine Hartschale mit zusätzlicher Schutzfolie. Das ist zum Beispiel der Fall bei der Hausmarke „Meine Metzgerei“, hinter der das Fleisch der Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh steht. Aldi setzt unter anderem beim Schweine-Hackfleisch einen „Flow-Pack“ ein. Im Gegensatz zu der anderen Verpackung wird hier 60 Prozent weniger Plastik benötigt. Zudem können die Stoffe komplett recycelt werden.

Aldi setzt sich beim Thema Umweltschutz ein hohes Ziel: Bis Ende 2020, so kündigt der Discounter an, wolle man den Materialeinsatz der Eigenmarke-Verpackungen um 15 Prozent senken. Bis Ende 2025 versuche man sogar bis zu 30 Prozent einzusparen. Das betrifft nicht nur Fleisch, sondern vorneweg auf Gemüse und Obst, das zunehmend unverpackt verkauft werden soll.

Fleisch bei Aldi: Marke ist kein echtes Bio

Zu beachten sind beim Fleisch von Aldi aber noch weitere Unterschiede. Die Herkunft ist klar, die Marke „Fair & Gut“ ist aber nicht Bio. Hier muss man im Vorhinein nämlich wissen, das die Bezeichnung Bio an strenge Regeln gebunden ist. Der Begriff ist durch eine Verordnung der Europäischen Union geschützt. Produkte und Marken, die man mit dem Wort Bio versehen will, müssen hohe Standards erfüllen. Wenn sie das tun, dürfen sie ein verbindliches Bio-Siegel führen.

„Fair & Gut“ von Aldi ist nun sozusagen ein Zwischending: Es ist ein zusätzliches Angebot zwischen konventioneller und Bio-Ware, erklärt der Discounter. So heißt es: „Die Fair & Gut Produkte erfüllen Kriterien bestehender Label, welche teilweise sogar die EU-Bio-Standards übersteigen. Die EU-Bio-Zertifizierung berücksichtigt allerdings auch Umweltaspekte und geht deshalb über reine Tierschutzkriterien hinaus.“

Fleisch bei Aldi: Kunden essen weniger

Trotz der Offensive bei Aldi: Nicht nur durch den Skandal bei der Firma Tönnies und die allgemeine Krise der Fleischindustrie in Zeiten des Coronavirus sinkt in Deutschland der Konsum von Fleisch. Laut der Umfrage „Ernährungsreport 2020“ isst nur ein Viertel aller Deutschen täglich Wurst oder Fleisch. Vor fünf Jahren lag dieser Wert von bei 34 Prozent. Parallel steigt die Zahl der Vegetarier in Deutschland. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas (dpa) / Martin Meyer (wa.de)

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