Kritik

Mehr als ein Viertel übergewichtig: Studie bescheinigt Deutschland mangelhafte Ernährungspolitik

Einer aktuellen Studie zufolge erreicht die Ernährungspolitik in Deutschland ein schlechtes Ergebnis. Ein großer Teil der Bevölkerung ernährt sich demnach ungesund.
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Einer aktuellen Studie zufolge erreicht die Ernährungspolitik in Deutschland ein schlechtes Ergebnis. Ein großer Teil der Bevölkerung ernährt sich demnach ungesund.

In einer aktuellen Studie fährt die Ernährungspolitik in Deutschland ein schlechtes Ergebnis ein. Jetzt fordern Forschende entsprechende Maßnahmen.

Kassel – Eine aktuelle Studie hat die deutsche Ernährungspolitik genauer untersucht und kommt zu einem sehr schlechten Fazit. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland nur im unteren Mittelfeld und weise deutliche Schwächen in der Vermittlung einer gesunden Ernährungsweise auf.

Forscherinnen und Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie haben im Rahmen dieser Arbeit insgesamt 43 Länder mit Schwerpunkt auf den sogenannten Food Environment Policy Index (Food-EPI) analysiert. Dieser Index bewertet die politischen Rahmenbedingungen, die die Ernährung auf Bundesebene beeinflussen, dazu zählen Lebensmittelpreisgestaltung, -werbung sowie das Angebot in Einzelhandel und Gastronomie.

Internationale Studie zur Ernährungspolitik: Deutschland nur im unteren Mittelfeld

Wie die Ärzte Zeitung berichtet, sei der Food-EPI am Dienstagabend (19.10.2021) in einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt worden. Dass Deutschland ein so schwaches Ergebnis aufweise, sei fatal. „Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Laut Projektleiter Dr. Peter von Philipsborn gebe es hierzulande „noch besonders viel Luft nach oben“. In nur 13 von insgesamt 47 Indikatoren erreiche Deutschland kein schlechtes Ergebnis, unter anderem in der Sammlung und Auswertung von Daten.

Im Hinblick auf Lebensmittelpreise, der Regulierung von Werbung und das Lebensmittelangebot ließe die Auswertung jedoch deutlich zu Wünschen übrig. Die „Schaffung gesunder Ernährungsumfelder“ sei daher dringend nötig, doch die Bedingungen durch die Politik würden diese eher in den Hintergrund rücken und eine Umsetzung im Alltag erschweren. Eine ungesunde und unausgewogene Nahrungszufuhr kann allerdings schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes verursachen. Zudem kann Übergewicht laut Forschenden das Krebs-Risiko erhöhen.

Ernährungsweisen in Deutschland verbessern: Autorenteam der Studie fordert vier Maßnahmen

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland sei von starkem Übergewicht betroffen, davon seien rund zehn Prozent an Diabetes mellitus erkrankt. Die aktuellen Rahmenbedingungen würden eine schlechte und ungesunde Ernährung aber noch weiter fördern. Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern aus diesem Grund einige Maßnahmen zur Verbesserung im besonderen Hinblick auf die Ernährungsweise von Kindern und Jugendlichen. Dazu zählen:

  • Kostenlose sowie gesunde Verpflegung in Kitas und Schulen.
  • Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse.
  • Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Herstellerabgabe auf Softdrinks, um den Zuckerkonsum pro Kopf zu senken und Gewichtsabnahme in der Bevölkerung zu begünstigen.
  • Regulierung und Einschränkung von ungesunder Lebensmittelwerbung für Kinder, um die Präferenz für Süßigkeiten zu drosseln.

„Kinder sehen in Deutschland pro Tag 15 Werbesendungen für ungesunde Lebensmittel“, heißt es in den Handlungsempfehlungen in dem Food-EPI. Mit einer Begrenzung von auf Kinder zugeschnittene Werbung für ungesunde Lebensmittel erhoffe man sich schließlich eine Wende in der Ernährung bei Minderjährigen.

Forschende der Studie verlangen Drosselung ungesunder Lebensmittelwerbung in Deutschland

Maßnahmen wie eine sogenannte Lebensmittel-Ampel, die auf Verpackungen die Inhalts- und Nährstoffe aufweist, sowie eine Zuckersteuer würden seit einigen Jahren in Deutschland diskutiert werden. Politisch umgesetzt wurde allerdings nur das neue Bewertungssystem namens Nutri-Score, der allerdings für Produzenten nicht verpflichtend, sondern freiwillig ist.

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In Großbritannien ist man jedoch schon einige Schritte weiter: Ab 2022 soll es dort offiziell verboten sein, tagsüber Werbung für ungesunde Nahrungsmittel im Fernsehen auszustrahlen. Wie zeit.de berichtet, dürfen diese dann nur noch zwischen 21 Uhr und 5.30 Uhr gesendet werden. Auch in Deutschland sei es den Autorinnen und Autoren der Studie zufolge nach den ernüchternden Ergebnissen nun höchste Zeit zu handeln. (Alina Schröder)

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