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Ukraine-Konflikt: Droht jetzt ein Energie-Kollaps? Preise für Verbraucher können weiter steigen

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Von: Delia Friess

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Der Ukraine-Konflikt wirkt sich auch auf die Verbraucher aus. Die Heizungskosten könnten steigen. Dennoch sehen Experten auch eine Chance.

Berlin – In der Nacht zum Donnerstag (24.02.2022) startete Russland seine Invasion in der Ukraine. Die USA, Nato und Deutschland, darunter Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), kündigten als Konsequenzen die schärfsten Sanktionen an. Experten gehen davon aus, dass die Invasion Russlands in die Ukraine die Handelsbeziehungen mit Russland stark belasten werde. Insbesondere betrifft das die Versorgung Deutschlands mit Erdgas und Erdöl aus Russland.

An den Energiebörsen sei seit Montag (21.02.2022) der Preis um mehr als 15 Prozent gestiegen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Angriff Russlands auf die Ukraine und die darauf folgenden Sanktionen seitens der EU und den USA treffen auch die umstrittene Gaspipeline Nordstream 2. Das könnte sich wohl tatsächlich auch auf die Kosten der Verbraucher für Heizung, etc. auswirken.

Aus verschiedenen Gründen, darunter auch der Konflikt mit Russland, stiegen die Preise für Heizung & Co. bereits 2021 stark an. Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat in einem Tweet auf der Social-Media-Plattform Twitter Kanzler Olaf Scholz bereits damit gedroht, dass Europa „bald 2000 Euro für 1000 Kubikmeter Gas bezahlen werden“.

Russlands Invasion in die Ukraine: Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Konflikt auf Strompreise?

Nach Angaben des Energiekonzerns BP stammten 2020 rund 55 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Russland. 2021 waren es demnach bereits 60 Prozent. Im Falle eines Stopps des Imports von Erdgas aus Russland geht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) laut der Nachrichtenagentur Agence France-Presse von stark steigenden Gaspreisen aus.

Die Szenarien, die daraus folgen, sind schlecht: Im schlimmsten Fall drohe laut dem Deutschen Institut der Wirtschaft eine Inflationsrate von 6,1 Prozent in Deutschland. Diese könne sich auch in den kommenden Jahren auf die wirtschaftliche Situation in Deutschland auswirken.

Vorstand Timm Kehler vom Branchenverband Zukunft Gas beruhigte die Verbraucher:innen am Donnerstag (24.02.2022) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wir beobachten sehr genau die aktuelle Versorgungslage und können zumindest kurzfristig sagen: Für Deutschland ist die Gasversorgung gesichert. Insbesondere die Heizungskunden müssen sich aufgrund ihrer besonders geschützten rechtlichen Position und des diversifizierten Gasbezuges aus anderen Ländern keine Sorgen machen. Dieses Bild wird auch von den Meldungen, die wir von unseren Mitgliedern erhalten, bestätigt.“

Ukraine-Konflikt: So kann sich die Invasion Russlands auf den Energiemarkt auswirken

„Wir untersuchen hier nur die möglichen Folgen eines höheren Gaspreises. Der Konflikt bringt schwindendes Vertrauen von Investoren, möglicherweise Handelssanktionen oder Produktionsausfälle mit sich“, sagte Galina Kolev vom Deutschen Institut für Wirtschaft der afp. Russland spiele für die deutsche Wirtschaft sonst keine bedeutende Rolle: Das Land rangierte 2020 nur auf Platz 14 der wichtigsten Importländer Deutschlands.

Verbraucher in Deutschland müssen sich wegen des Ukraine-Konflikts vermutlich auf steigende Energiepreise einstellen. (Symbolbild)
Verbraucher in Deutschland müssen sich wegen des Ukraine-Konflikts vermutlich auf steigende Energiepreise einstellen. (Symbolbild) © Ina Fassbender/afp

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte am Donnerstagmorgen (24.02.2022) der dpa, der Angriff Russlands auf die Ukraine werde kurzfristig zu weiter steigenden Preisen an den Rohstoffmärkten führen. Die Bundesregierung bemühe sich um einen Ausbau der Energieversorgung – Erdgas, Öl und auch Kohle müssten künftig verstärkt aus anderen Ländern eingekauft werden.

So sollen sich „mittel- und langfristig“ die Preise „auf einem tragbaren Niveau“ einpendeln. Habeck warf Wladimir Putin auch vor, die aktuell hohen Preise durch Verknappung des Angebots nach oben getrieben zu haben. Auch stellte Habeck im Deutschlandfunk Entlastungen für Verbraucher an anderer Stelle in Aussicht.

Russland: Experten fordern Unabhängigkeit vom russischen Gas - und Energiewende

Energie-Fachleute wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung werfen der deutschen Regierung eine Abhängigkeit von Russland vor. Gerade Deutschland habe sich in eine Strategie gefahren, die uns jetzt in diese Schwierigkeiten reinmanövriert hat, sagt Energie-Expertin Claudia Kemfert dem Bayerischen Rundfunk.

Die Energiewende müsse angeschoben werden, um möglichst wegzukommen von allen fossilen Energien. „Die Gaspreise sind ja schon aufgrund der schwierigen Lage gestiegen und es ist jetzt auch eher mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen“, so Kemfert auch gegenüber der dpa. „Wir zahlen derzeit den Preis für die verschleppte Energiewende“, ergänzte Kemfert. (df mit dpa/afp)

Doch nicht nur die Preise für Strom, Heizung und Benzin steigen: Was 2022 zudem alles teurer wird, im Überblick.

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