Gärtner aufgepasst

Schwere Verbrennungen möglich: Diese gefährliche Giftpflanze verbreitet sich in Deutschland

Eine Giftpflanze breitet sich derzeit in Deutschland aus. Berührungen mit der Riesen-Bärenklau können Verbrennungen dritten Grades hervorrufen. Wie Sie die Pflanze erkennen.

Kassel - In der Natur ist aktuell Vorsicht geboten, denn: Der Riesen-Bärenklau breitet sich in Deutschland weiter aus und die Pflanze hat ihre Haupt-Blütezeit im Juni und Juli. Wer also schwere Verbrennungen und Hautreizungen vermeiden möchte, sollte lieber einen großen Bogen um die Pflanze machen. Der Riesen-Bärenklau oder die Herkulesstaude, wie das Gewächs auch genannt wird, kann bis zu fünf Meter hoch werden und ist für den Menschen eine gefährliche Giftpflanze.

Der Riesen-Bärenklau ist ein anspruchsloses Gewächs, das aufgrund seiner enormen Größe ein imposantes Erscheinungsbild hat. Die Pflanze überragt rasend schnell die meisten anderen Grünpflanzen in ihrer Umgebung und bildet an den Triebenden Blüten von bis zu 50 Zentimetern aus. Die gezahnten Blätter der Herkulesstaude können sogar eine Größe von bis zu einem Meter erreichen und die auffällig rot gesprenkelten Stängel bekommen einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern. Der gigantische Anblick einer ausgewachsenen Staude wahr wohl auch der Grund, warum der Riesen-Bärenklau als Zierpflanze aus dem Kaukasus nach Deutschland gebracht wurde, denn: Die gefährliche Giftpflanze ist in Deutschland eigentlich gar nicht heimisch.

Der Riesen-Bärenklau wird in Deutschland an immer mehr Orten registriert. In der Nähe von Flüssen und Bächen fühlt sich die Giftpflanze besonders wohl.

Riesen-Bärenklau im Garten: Giftpflanze von Menschen nach Europa gebracht

Wie das Bundesamt für Naturschutz (BFN) erklärt, wurde der Riesen-Bärenklau zwischen 1828 und 1893 nach Großbritannien und andere europäische Länder gebracht und breitete sich von da an in Mitteleuropa aus. Während die Staude zunächst nur im eigenen Garten als Zierpflanze vorkam, fühlt sie sich mittlerweile in der freien Natur so wohl, dass sie sich schnell in Deutschland ausbreitet. Seit den 1980er Jahren werden laut BFN immer mehr Fundorte der gefährlichen Giftpflanze beschrieben.

Die Staude ist allerdings nicht nur aufgrund ihrer Optik als Gartenpflanze nach Europa gebracht worden, auch bei Imkern ist der Riesen-Bärenklau sehr beliebt. Die Blüten der Staude sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen. Der Riesen-Bärenklau kommt mittlerweile besonders häufig in der Nähe von Flüssen und Bächen vor, wodurch die Samen zügig und weit verbreitet werden. So warnte die Stadt Kassel erst im vergangenen Sommer, weil der Riesen-Bärenklau am Ufer der Fulda wucherte. Die Pflanze wächst aber auch auf Acker- oder Wiesenflächen, in Parks und an Verkehrswegen.

Vorsicht vor dieser Giftpflanze: Riesen-Bärenklau kann schwere Verbrennungen verursachen

2008 wurde der Riesen-Bärenklau vom Botanischen Sondergarten in Hamburg-Wandsbek sogar zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Obwohl er nicht zu den giftigsten Pflanzen in Deutschland gehört, ist der Riesen-Bärenklau durch die sogenannte „phototoxische Wirkung“ eine besondere Gefahr für Menschen. Das bedeutet, der Riesen-Bärenklau enthält in allen Pflanzenteilen Furocumarine, also Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Kommt die Haut also in Kontakt mit diesen Furocumarinen und anschließend mit Sonnenlicht, kommt es innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu schweren Hautreizungen, die auch Blasen bilden.

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Das Bundesamt für Naturschutz vergleicht die Reaktion mit Verbrennungen dritten Grades, die teilweise mehrwöchige Krankenhausaufenthalte erforderlich machen. Die Verbrennungen durch die Herkulesstaude verheilen nur sehr langsam und häufig bleiben Narben und Pigmentveränderungen an den betroffenen Hautstellen zurück.

Besonders gefährdet sind Kinder, die mit den Pflanzen spielen, aber auch Gärtner und sogar Haustiere. Trotz der imposanten Erscheinung, sollte man die gefährliche Staude also lieber aus seinem Garten verbannen.

Riesen-Bärenklau und Co.: Das sind die zehn gefährlichsten Giftpflanzen im eigenen Garten

  1. Seidelbast (Daphne mezereum)
  2. Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
  3. Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
  4. Goldregen (Laburnum anagyroides)
  5. Tollkirsche (Atropa belladonna)
  6. Pfaffenhütchen (Euonymus europaea)
  7. Eibe (Taxus baccata)
  8. Rizinus (Ricinus communis)
  9. Maiglöckchen (Convallaria majalis)
  10. Eisenhut (Aconitum napellus)

Gefährliche Giftpflanze: Wie der Riesen-Bärenklau bekämpft werden kann

Da der Riesen-Bärenklau sehr schnell wächst und sich außerdem durch eine enorme Reproduktionsrate rasend schnell verbreitet, sollte er - wenn er im eigenen Garten entdeckt wird - möglichst schnell bekämpft werden. Am wirksamsten ist dabei die mechanische Entfernung der Herkulesstaude. Garten- und Landschaftsbauunternehmen können die Entsorgung der Pflanze aus dem eigenen Garten übernehmen, im öffentlichen Raum gehen Kommunen und Behörden in der Regel gegen die Giftpflanze vor. Sagt man dem Gewächs allerdings selbst den Kampf an, müssen einige Dinge beachtet werden:

  • Die Entfernung der Herkulesstaude kann das ganze Jahr über erfolgen, am einfachsten ist es jedoch im Frühjahr, wenn die Pflanze noch recht klein ist.
  • Tragen Sie beim Entfernen der Giftpflanze unbedingt Schutzkleidung: alle Körperteile sollten bedeckt sein, Gummihandschuhe sind unerlässlich.
  • Wegen der Gefahr durch den Sonnenkontakt empfiehlt es sich, den Riesen-Bärenklau möglichst bei bewölktem Himmel oder in der Abenddämmerung zu entfernen.
  • Bei größeren Pflanzen sollten Sie zunächst die Blätter mit einer Astschere entfernen.
  • Tragen die Pflanzen bereits Blüten oder Samenstände, müssen diese gesondert im Restmüll entsorgt werden, auf keinen Fall auf dem Kompost. Die Samen des Riesen-Bärenklaus sind auch nach mehreren Jahren noch keimfähig.
  • Die ausgegrabenen Wurzeln müssen ebenfalls über den Restmüll entsorgt werden.

Wenn Sie den Riesen-Bärenklau in Ihrem Garten entdecken, sollten Sie auf jeden Fall schnell tätig werden. Denn wo sich die Giftpflanze bereits zahlreich vermehrt hat, ist eine völlige Ausrottung nach Angaben des BFN kaum noch ein realistisches Ziel. Weil bei der Entfernung der Pflanze dennoch Samen im Boden verbleiben können, ist es außerdem wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob der Riesen-Bärenklau nicht doch noch einmal austreibt.

Wer den Riesen-Bärenklau bekämpft, sollte einen Schutzanzug tragen, denn Berührungen der Pflanze sind gefährlich.

Kontakt mit dem Riesen-Bärenklau: Das müssen Sie beachten

Kommt es trotz aller Vorsicht doch einmal zu einer Berührung mit der Giftpflanze, sollten Betroffene die Hautstelle sofort vor Licht schützen und gründlich mit warmem Wasser abspülen. Bei akuten Symptomen kann zunächst der Giftnotruf die richtige Anlaufstelle sein. In Hessen erreicht man die Notrufzentrale in Mainz unter der Telefonnummer 06131/192 40, in Niedersachsen die Zentrale in Göttingen unter der 0551/192 40. Bei stärkeren Symptomen sollten Sie aber unbedingt einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. (iwe)

Rubriklistenbild: © imagebroker/Imago

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