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Warmwasser abstellen: Dürfen Vermieter das Wasser einfach so abdrehen?

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Wegen der Gas-Krise wird Warmwasser immer teurer. Doch dürfen Vermieter das warme Wasser plötzlich abdrehen, um Mieter vor hohen Kosten zu schützen?

Kassel – In Sachsen hat eine Wohnungsgenossenschaft ihren Mietern das Warmwasser zu bestimmten Zeiten abgedreht. Als Grund nannte sie die Gas-Krise – die Mieter sollen anschließend keine extrem hohen Rechnungen zu zahlen haben. Doch eigentlich ist es gar nicht so einfach möglich, den Mietern das warme Wasser zu verwehren.

„Wir wollen, dass Mieter gut durch diese Krise kommen. Das Leben ist so schon teuer genug“, begründet Falk Kühn-Meisegeier, der Genossenschaftsvorstand die Entscheidung. Am Vormittag, Nachmittag und in der Nacht gibt es für die Mieter in Dippoldiswalde in Sachsen nur noch kaltes Wasser, wie die Tagesschau berichtete.

Plötzlich kalt: Die Warmwasserversorgung in Mietshäusern könnte künftig eingeschränkt werden.
Plötzlich kalt: Die Warmwasserversorgung in Mietshäusern könnte künftig eingeschränkt werden. © DPA

Allerdings dürfte das die Wohnungsgenossenschaft nicht für ihre Mieter bestimmen – auch nicht in der Gas-Krise. Silvio Anger, Fachanwalt für Mietrecht in Jena, beurteilt die Entscheidung kritisch. „Bei der Warmwasserversorgung ist es so, dass die Wohnung eigentlich das ganze Jahr und auch 24 Stunden am Tag mit Wasser versorgt werden muss“, sagte er dem MDR. Das gehöre zum normalen Gebrauch der Mietsache dazu. Anger glaubt nicht, dass diese Entscheidung vor Gericht Bestand haben würde. „Eine Einschränkung der Warmwasserversorgung, so wie sie hier jetzt stattgefunden hat“ sei nicht haltbar.

Bei der Warmwasserversorgung ist es so, dass die Wohnung eigentlich das ganze Jahr und auch 24 Stunden am Tag mit Wasser versorgt werden muss.

Silvio Anger, Fachanwalt für Mietrecht

Gas-Krise: Darf der Vermieter das Warmwasser abstellen?

Ähnlich beurteilt das der Mieterbund Nordrhein-Westfalen. Ansonsten würde man das fehlende Warmwasser als Mangel bezeichnen und eine Mietminderung wäre möglich. Um dieses Problem gar nicht erst zu bekommen, rät der Mieterbund zu einem Dialog mit dem Vermieter. So könne man in einem solchen Gespräch die Nebenkostenpauschale erhöhen. In NRW arbeiten Genossenschaften bereits daran, Einsparungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Vorstandssprecher Thorsten Mertens vom Spar- und Bauverein in Paderborn ist sich in der Tagesschau derweil sicher: „Es wird noch einiges auf uns zurollen.“ Bereits eine Drosselung der Heizungstemperatur bezeichnete der Mieterbund als „Schnapsidee“.

Dass weitere Vermieter ihren Mietern demnächst das warme Wasser abstellen, brauchen die Bewohner eher nicht befürchten. Mittlerweile kam aus der Politik schon Kritik an diesem Vorgehen. Der Funke Mediengruppe sagte SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken: „Einfach das Warmwasser zeitweise abzustellen, ist rechtswidrig“ Ein anderes Gesetz in diesem Zusammenhang, könnte jedoch zu hohen Kosten bei den Verbrauchern führen. (Jan Oeftger)

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