Feierlichkeiten

Weihnachten: Das ist die Geschichte eines der wichtigsten Feste des Jahres

Weihnachten wird überall auf der Welt gefeiert. Doch woher stammt dieser Brauch eigentlich? Wir geben einen geschichtlichen Überblick.

Kassel – Weihnachten gilt vielen Menschen als das wichtigste Fest im Jahr. Die christlichen Ursprünge spielen jedoch meist eine untergeordnete Rolle – und so wandelte sich das Fest im Laufe der Jahrhunderte von einem religiösen Beisammensein zu einer Familienfeier. Dadurch konnten sich neue Bräuche aus anderen Kulturen auch zunehmend an Weihnachten etablieren.

WeihnachtsfeiertageDatum
Heiligabend24.12.2021
1. Weihnachtsfeiertag (Weihnachten)25.12.2021
2. Weihnachtsfeiertag26.12.2021

Weihnachten: Woher stammt der Brauch des Weihnachtsfestes?

Wie wurde jedoch der Feiertag, an welchem Christi Geburt an einem 25. Dezember in Bethlehem gedacht werden soll, zu einem derart populären Fest? Wo liegen die Ursprünge von Weihnachten und den von allen so lieb gewonnenen Bräuchen?

Das Geburtsdatum Jesu Christi wird in der Bibel jedenfalls nicht erwähnt. Stattdessen wird dort von der Unbefleckten Empfängnis Marias und den ärmlichen Umständen der Geburt erzählt. So soll Gott die Jungfrau Maria auserwählt haben, seinen Sohn zu gebären. Ihr Verlobter, der Zimmermann Josef, wollte, als er von ihrer Schwangerschaft erfahren hat, Maria zunächst nicht mehr heiraten. Nachdem ihm aber im Traum ein Engel erschienen war, der ihm sagte, er solle sich nicht fürchten, vermählten sie sich schließlich doch und machten sich auf die Reise nach Bethlehem.

Wann genau Jesus Christus geboren wurde, ist bis heute nicht geklärt

Aufgrund einer Volkszählung gab es einen großen Besucheransturm auf die Stadt, was zur Folge hatte, dass Josef und Maria keine Unterkunft mehr finden konnten. Der Wirt eines Gasthauses hatte jedoch Mitleid und ließ die beiden in seinem Stall übernachten. Dort brachte Maria schließlich Jesus zur Welt. Während die Engel sangen und ein hell strahlender Stern am Himmel erschien, legte sie ihren Sohn in eine Krippe.

Heute gibt es unter Historikern verschiedene Meinungen darüber, warum Christi Geburt ausgerechnet mit dem 25. Dezember verknüpft wird. Man weiß jedoch, dass Christen in Rom bereits im Jahre 336 n. Chr. Weihnachten an diesem Tag gefeiert hatten, der mit dem römischen Bauernfest Saturnalia zusammenfiel.

Winterfeste werden schon seit Urzeiten auf der ganzen Welt gefeiert. Die verschiedene Bräuche wurden im Laufe der Jahrhunderte Teil der Weihnachtstraditionen. Große Festessen waren beispielsweise schon länger Teil des nordeuropäischen Julfests. Keltische Druiden begingen während der Wintersonnenwende zweitägige Feierlichkeiten, bei denen Kerzen angezündet und die Häuser mit Misteln und Stechpalmen verziert wurden.

Weihnachten: Winterfeste werden schon seit Urzeiten auf der ganzen Welt gefeiert

Im Mittelalter war das Weihnachtsfest äußerst beliebt und reich an verschiedenen Bräuchen. So feierten die Menschen in England die Geburt Christi ganze zwölf Tage lang, inklusive Schauspiel, wilden Gelagen und Festzügen. Geschenke, Musik und Dekorationen wurden zur Norm.

Selbstverständlich fanden die ausufernden Feste bei Hofe statt. So wurden den Gästen des englischen Königs Heinrich III. bei einem Weihnachtsfest im 13. Jahrhundert ganze 600 Ochsen serviert. Universitäten kürten jedes Jahr einen „Weihnachtskönig“, der während der festlichen Tage über seine Mitstudenten herrschen konnte. Bei jeder noch so kleinen Feierlichkeit wurden Lieder und Hymnen gesungen.

Jedoch gefiel nicht jedem diese Ausschweifungen. Insbesondere die radikal-calvinistischen Puritaner in England verbaten das Fest im Jahre 1644. Dadurch lösten sie religiöse Unruhen in der Bevölkerung aus, die schließlich den Ausbruch der entscheidenden Kriegsphase des zweiten englischen Bürgerkriegs zur Folge hatten. Doch nicht nur in England wurde Weihnachten gefeiert. Auch in Deutschland beging man besonders emsig die weihnachtlichen Bräuche.

Ein geschmückter Christbaum – eine Tradition, die nicht so alt ist, wie man meinen könnte.

Die Tradition des Weihnachtsbaums stammt aus Deutschland

Eines der wichtigsten weihnachtlichen Symbole hat seinen Ursprung in Deutschland: der Weihnachtsbaum. Dessen Verwendung entwickelte sich aus dem heidnischen Brauch heraus, seine Behausung mit Tannenzweigen zu schmücken. Der mit Kerzen und kleinen Geschenken geschmückte Weihnachtsbaum entwickelte sich jedoch erst im 19. Jahrhundert.

Die englische Königsfamilie mit ihren deutschen Wurzeln begann mit diesem Brauch, aus dem sich im Folgenden ein weltweiter Trend entwickelte. Doch nicht nur der Weihnachtsbaum hat deutsche Ursprünge: Auch Adventskränze, Weihnachtsmärkte und Nussknacker entwickelten sich dort als Erstes.

Weihnachten: Nicht alle Christen fanden Gefallen am Weihnachtsfest

Nicht nur in England gab es christliche Bewegungen, die das Weihnachtsfest ablehnten. Auch die Puritaner in Massachusetts, USA, setzten ein Weihnachtsverbot durch. Dieses trat 1659 in Kraft und wurde erst 1681 wieder abgeschafft. Erst mit dem Beginn des Bürgerkriegs spielte Weihnachten in den Vereinigten Staaten eine größere Rolle, als man sich vielerorts wieder auf die Bedeutung von Familie und Heimat zurückbesinnte. Nach dem Ende des Kriegs 1870 erklärte der Kongress Weihnachten zum ersten nationalen Feiertag in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Immigranten der großen Einwanderungswelle brachten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre eigenen Traditionen in die USA. So entstand dem Historiker William D. Crump zufolge „eine Art Schmelztiegel der Weihnachtsbräuche, in dem die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen sich zu einheitlichen Feiertagen verbanden, die zu Hause mit der Familie begangen wurden.“

Weihnachten: Ein Kaufmann prägte die Tradition des Weihnachtsmannes in Kaufhäusern

Der Weihnachtsmann, der Kindern auf der ganzen Welt mit seinem Rentierschlitten Geschenke bringt, gründet hingegen auf dem Heiligen Nikolaus von Myra, einem griechischen Bischof aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. Niederländische und deutsche Einwanderer brachten ihn im 18. und 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten, wo die Idee von amerikanischen Dichtern wie Clement Clarke Moore und Washington Irving aufgegriffen wurde.

Mit weißem Bart und roter Mütze: So kennt man den Weihnachtsmann.

Sein Aussehen wurde durch den Zeichner Thomas Nast geprägt, der ihn durch seine Illustrationen europäischer Volksweisen überall auf der Welt bekannt machte. Den roten Mantel und weißen Bart verwendete erstmals im Jahr 1890 der Kaufmann James Edgar der Erste, der mit diesem Kostüm die Kinder in seinem Kaufhaus in Brockton, Massachusetts begrüßte. Die Idee stieß auf derartig viel Begeisterung, dass sie bald von verschiedenen Kaufhäusern kopiert wurde und das Weihnachtsfest bis in die Gegenwart hinein prägt.

Die Lichter, welche die langen und dunklen Winternächte erhellen sollten, waren schon seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der Winterfeste. Aus den Kerzen wurden mit Erfindung der Elektrizität zunehmend Glühbirnen. Deren Erfinder Thomas Edison kam auch auf die Idee eine Lichterkette zu entwerfen. Sein Geschäftspartner Edward H. Johnson schmückte im Jahre 1882 erstmals einen Weihnachtsbaum mit bunten Lichtern.

Weihnachten: Ursprünglich wurden Geschenke ausschließlich in braunes Papier eingewickelt

Die Tradition der Weihnachtsgeschenke hat ebenfalls einige historische Wandlungen durchlaufen. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Geschenke beinahe ausschließlich in braunes Packpapier eingewickelt. Als jedoch dem Kaufmann Rollie B. Hall in seinem Geschäft zur Weihnachtszeit das Papier ausging, musste er auf das bedruckte Innenfutter von Briefumschlägen ausweichen. So war das Geschenkpapier geboren worden.

Die Vorlage für Weihnachtskarten waren hingegen kleine bedruckte Pappkarten aus dem 19. Jahrhundert, die schließlich im buchgroßen Format hergestellt wurden, um auch genug Platz für Weihnachtsgrüße zu lassen.

Geschenke gehören für die meisten Menschen an Weihnachten dazu.

Auch Geschenke und besondere Speisen sind ein wichtiger Teil des Weihnachtsfests. Allerdings dürfen bestimmte Speisen und Getränke nicht fehlen. So geht auf die Geschichte von Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm der Brauch zurück, in Deutschland Lebkuchenhäuser zu bauen. Auch Glühwein und Stollen wurden und werden traditionell mit diesem Fest verbunden.

Weihnachten: Zwischen Tradition und Kommerz

Von einem christlichen Fest hat sich Weihnachten inzwischen zu einer stark kommerzialisierten Feierlichkeit gewandelt. Die Historikerin Lisa Jacobsen von der University of California erklärte, dass dies bereits seit Jahrhunderten mit Sorge betrachtet wird: „Seit seiner Neuerfindung in der Mitte des 19. Jahrhunderts beschweren sich viele Menschen über die ausschweifende Kommerzialisierung des Weihnachtsfests. Ich denke, dieses zwiespältige Gefühl wird weiter bestehen.“

Lisa Jacobsen scheint recht zu behalten: Nach einer Gallup-Umfrage im Jahr 2019 gaben zwar neun von zehn Amerikanern an, Weihnachten sei ihnen wichtig, aber nur 35 Prozent gaben an, dass Weihnachten bei Ihnen eine religiöse Bedeutung habe. Das muss man allerdings nicht nur kritisch sehen: So konnte sich das Weihnachtsfest durch die zunehmende Einverleibung heidnischer oder fremdreligöser Einflüsse sowie modernen Traditionen für eine breite Bevölkerung öffnen. (Joshua Schößler)

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa

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