Klimawandel auch hier spürbar

Wetter in Deutschland: Experten machen erste Prognose für den Winter

Wetter-Extreme hat das Jahr 2021 bisher so einige mit sich gebracht. Doch wie wird der kommende Winter in Deutschland? Experten mit der ersten Prognose.

Kassel - Überschwemmungen, Hitze-Perioden oder Tornados: Der Klimawandel sorgt mittlerweile auch auf der Nordhalbkugel immer wieder für Wetter-Extreme. Erste Prognosen von Experten zeigen, dass auch der Winter 2021/2022 weitere Extreme mit sich bringen kann.

Verantwortlich für diese Wetter-Extreme im Winter ist in erster Linie der sogenannte Polarwirbel. Was passiert, wenn dieser gestört wird, zeigte sich eindrücklich zu Beginn des Jahres. Tiefe Temperaturen teilweise unter minus 10 Grad Celsius und Schneechaos konnten im Februar in weiten Teilen von Deutschland beobachtet werden.

Winter-Wetter in Deutschland: Eine Tendenz ist bereits erkennbar

Doch wie sieht es für den kommenden Winter aus? Müssen wir uns wieder auf derartiges Extrem-Wetter einstellen? Für eine genaue Vorhersage ist es, laut den Experten von Wetter.de, noch zu früh.

Eine Tendenz sei allerdings bereits erkennbar. Denn vereinfacht gesagt, kommt das Winter-Wetter in Deutschland aus der Arktis. Ein Blick auf den dortigen Polarwirbel und gewisse Phänomene, die Einfluss auf diesen haben, lassen diese erste Tendenz bereits erahnen.

Erster Schneefall im Oktober? Das ist in Deutschland keine Seltenheit.

Winter 2021/2022: Dieses Phänomen ist für das Wetter in Deutschland verantwortlich

Der für unser Winter-Wetter ausschlaggebende Polarwirbel bildet sich bereits im Herbst über der Arktis. Verantwortlich hierfür sind die sinkenden Temperaturen. Ein klassischer deutscher Winter mit Schnee in den Bergregionen und eher lauen Temperaturen im Flachland kommt zustande, wenn der Polarwirbel in Takt ist.

Ein intakter Polarwirbel führt in der Regel dazu, dass der Westwind das Wetter in Europa bestimmt. Da dieser laut den Experten von Wetter.com eher warm und nass ist, führt er zu dem klassischen deutschen Winter-Wetter.

Für einen intakten Polarwirbel ist der Temperaturunterschied zwischen Pol und Äquator ausschlaggebend. Ist dieser möglichst groß, bleibt der Wirbel intakt und die kalte Luft bleibt in diesem quasi gefangen. Zu Wetter-Extremen in Deutschland kommt es im Winter häufig, wenn der Wirbel gestört ist und dadurch die Kaltluft ausbrechen kann.

Winter-Wetter in Deutschland: Wie der Klimawandel darauf Einfluss nimmt

Eine Studie, an der das Potsdam-Institut für Klimaforschung beteiligt war, zeigt eine zunehmende Schwächung des Polarwirbels in den letzten vier Jahrzehnten. Die bereits im Jahr 2017 erschienene Studie „More frequent weak stratospheric polar vortex states linked to cold extremes“ bezieht den vom Klimawandel befeuerten Eis-Schwund in der Arktis mit in die Rechnung ein.

„Verschiedenste Wetterextreme nehmen mit dem Klimawandel zu, und unsere Studie bietet weitere Belege, dass dies auch Kältewellen einschließen kann – was eine unangenehme Überraschung für diese Regionen ist.“

Judah Cohen, Co-Autor von „More frequent weak stratospheric polar vortex states linked to cold extremes“

Durch eine geringere Eis-Dichte wird mehr Wärme vom Ozean an die Umgebung abgegeben. Dies führt wiederum zu einer generellen Erhöhung der Temperaturen im hohen Norden, was den Polarwirbel instabil werden lässt.

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Somit sorgt der Klimawandel paradoxerweise durch eine Temperaturerhöhung in der Arktis für extremes Winter-Wetter in Europa. Insgesamt betrachtet werden die Winter im Schnitt zwar wärmer, aber die Extrem-Wetter-Lagen werden durch diese Entwicklung zunehmen und sich verstärken, erklären die Experten.

Winter 2021/2022: Das könnte das Wetter in Deutschland in der kalten Jahreszeit mit sich bringen

Doch was bedeutet das für den Winter 2021/2022? Ein Blick auf die aktuelle Eis-Schicht in der Arktis lässt hier eine erste Vorahnung zu, wie die Experten von Wetter.de berichten. Der Sommer im hohen Norden war in diesem Jahr vergleichsweise kühl, weshalb aktuell eine relativ hohe Eis-Ausdehnung in der Arktis besteht. Auf Basis dieses Wissens erwarten die Wetter-Experten für den Winter 2021/2022 weniger extreme Temperatur-Ausprägungen als in den letzten Jahren. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Andreas Rosar/dpa

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