Auswertung von Wetterdaten

Wetter-Experten warnen: Extreme Starkregen mit Hochwasser-Gefahr werden zunehmen

Laut Forschenden könnten Unwetter und Starkregen durch den Klimawandel künftig deutlich häufiger auftreten. Auch die Gefahrenzone weitet sich offenbar aus.

Kassel - Wetterdaten und Klimamodelle deuten schon länger darauf hin, dass extreme Wettereignisse in Europa zunehmen. Die Luftströmungen verändern sich, weil sich der Temperaturgradient zwischen den Polargebieten und den Tropen abschwächt. Zudem ist der für unsere Breiten wetterbestimmende Jetstream schwächer und langsamer geworden.

Tief- und Hochdruckgebiete über Europa ziehen dadurch langsamer und Wetterlagen halten länger an. Das gilt einerseits für extreme Sommerhitze wie etwa im Jahr 2018. Andererseits sorgen sie für Tiefdruckgebiete, die Starkregen bringen, wie aktuell in den Hochwasser*-Gebieten in West- und Süddeutschland.

In Rheinland-Pfalz werden Unwetter erwartet. (Symbolfoto)

Gefahr für extreme Starkregen in Europa steigt: Forschende beobachten Tempo der Regengebiete

Aber was heißt dies für die Zukunft? Klimaforschende um Abdullah Kahraman von der Newcastle University in Großbritannien haben mögliche Folgen untersucht. Sie nutzten ein hochauflösendes, bis auf zwei Kilometer genaues Klimamodell des britischen Met Office, um das Verhalten von Starkregen-Tiefs bei anhaltendem, weitgehend ungebremstem Klimawandel bis zum Jahr 2100 zu simulieren.

„Dies ist eine der ersten Studien, die auch die Veränderungen in der Zuggeschwindigkeit solcher Starkregen-Systeme untersucht – ein entscheidender Faktor für das Überflutungsrisiko“, sagt Kahraman. „Wir haben Methoden entwickelt, um das Potenzial für extremen Starkregen und die Untergruppe der langsamen, fast stationären Regengebiete in den Klimamodellen nachzubilden.“

Extreme Starkregen in Europa: Gefahrenzone weitet sich aus

Laut der Studie gab es zwar bisher auch über Mitteleuropa ab und zu Starkregen-Ereignisse, aber extreme, langsam ziehende Starkregen-Gebiete gab es so gut wie nie. Sie kamen fast nur über dem östlichen Mittelmeerraum vor, wie die Auswertung von Wetterdaten ergab. Laut den Forschenden würde sich dies aufgrund des Klimawandels aber ändern: Das Gebiet, in dem solche Extremereignisse vorkommen, dehnt sich demnach deutlich nach Norden aus und umfasst künftig auch Mittel- und Westeuropa.

Vor allem im Sommer und Herbst wird es wohl auch in Mitteleuropa künftig häufiger zu langanhaltendem, extremen Starkregen kommen. „Bis 2100 wird der Klimawandel die Zahl der Tiefdrucksysteme mit hoher Feuchtigkeit und hoher vertikaler Geschwindigkeit signifikant erhöhen“, berichten Kahraman und seine Kollegen. „Damit verbunden kommt es häufiger zu Sturmsystemen mit hoher stündlicher und dreistündlicher Niederschlagsakkumulation.“

Extreme Starkregen in Europa: Künftig bis zu 14-mal häufiger

Das Team ermittelte konkret, dass langsame Starkregengebiete in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts 14-mal häufiger werden. Gleichzeitig nimmt die Niederschlagsmenge, die aus solchen Tiefdruckausläufern fällt, überproportional stark zu: Ereignisse mit mehr als 100 Millimeter Regen pro Stunde nehmen um das Dreifache zu, Starkregen mit mehr als 150 Millimeter Niederschlag um das Vierfache und extreme Ereignisse mit mehr als 200 Millimeter Regen pro Stunde werden sogar fünfmal häufiger.

„Diese Ergebnisse zeigen, mit welchen schwerwiegenden Folgen wir für Europa rechnen müssen, wenn wir den Klimawandel nicht bremsen und unsere Treibhausgas-Emissionen reduzieren“, betont Ko-Autorin Lizzie Kendon vom britischen Met Office und der Bristol University. „Zusätzlich zu den ohnehin intensiver werdenden Regenfällen durch die Erwärmung wird uns auch eine große Zunahme bei solchen langsam ziehenden Tiefdruckgebieten bevorstehen, die extreme Niederschläge mit sich bringen.“

Mit unseren Wetter-News* bleiben Sie über alle Entwicklungen informiert.

Extreme Starkregen in Europa: An neue Begebenheiten anpassen

Nach Ansicht der Forschenden ist die aktuelle Starkregen-Katastrophe in Westdeutschland* und den benachbarten Grenzgebieten daher ein Weckruf für die Klimapolitik, aber auch für Anpassungsmaßnahmen an solche Ereignisse. „Wir müssen Systeme für die Warnung und das Katastrophenmanagement verbessern und unsere Infrastrukturen gegenüber solchen Wetterereignissen robuster machen“, sagt Kahramans Kollegin Hayley Fowler. (ebb) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Drama bei der Hochwasser-Katastrophe in Westdeutschland: Ein Arzt verliert seine Frau und seine Tochter in den Fluten.

Rubriklistenbild: © Tobias Hartl/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.