100 Marken getestet

Zigaretten viel ungesünder: Forscher entdecken Schlupfloch in EU-Vorschriften - Hat Tabakindustrie getrickst?

Sind Zigaretten viel gefährlicher für die Gesundheit als bisher angenommen?
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Sind Zigaretten viel gefährlicher für die Gesundheit als bisher angenommen?

Viele Zigaretten-Marken überschreiten offenbar die gesetzlichen EU-Grenzwerte. Der Grund für die verfälschten Daten ist wohl ein Fehler in einem Testprozess. 

Kassel - In Europa haben Tabakfirmen möglicherweise die Mengen des mit dem Zigarettenrauch inhalierten Teers und Kohlenmonoxids herunterspielen können. Ein Fehler im Testprozess habe das ermöglicht, lautet das Ergebnis einer Studie des niederländischen National Institute for Public Health (RIVM).

Das Schlupfloch bedeute: Die meisten Zigaretten überschreiten die gesetzlichen Grenzwerte für die schädlichen Inhaltsstoffe in der EU, so die Wissenschaftler.

Zigaretten-Gehalt an Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid höher als angegeben

Winzige Löcher in Zigarettenfiltern ermöglichen, dass sich der Tabakrauch mit Luft vermischt. Bei der üblichen Methode zur Überprüfung der Schadstoff-Grenzwerte von Zigaretten werden diese Löcher - nach den Vorschriften der Europäischen Union - offen gelassen. Das Problem: Wenn Raucher die Zigarettenfilter in den Händen halten, verschließen sie die Löcher. So werden die offiziellen Daten verfälscht. Das berichtet euronews.com.

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Der Gehalt an Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid, der unter normalen Bedingungen eingeatmet wird, kann laut RIVM bis zu zwanzigmal höher sein als angegeben. Die Ergebnisse seien durch das Testen von 100 Zigarettenmarken mit der kanadischen Intensiv-Testmethode erzielt worden. Diese decke die Löcher in den Zigarettenfiltern ab.

Forschende testen 100 Zigaretten-Marken - mit erschreckendem Ergebnis

Bei diesen Tests hätten 99 von 100 Marken die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. Der Teergehalt sei zwischen 2 und 26 mal höher gewesen als bei der Verwendung der europäischen Regelung. Für Nikotin habe der Wert den zugelassenen um das 2 bis 17-fache überstiegen. Bei Kohlenmonoxid sei der Wert zwischen 2 und 20 mal höher gewesen.

„Die Ergebnisse dieser Forschung stützen die Schlussfolgerung, dass die vorgeschriebne ISO-Methode die Mengen an Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid unterschätzt, die ein Raucher zu sich nimmt“, schreibt das RIVM. „Der Ausschuss, der diese Methode ausgearbeitet hat, ist weitgehend von der Tabakindustrie beeinflusst. RIVM empfiehlt daher, eine unabhängige Messmethode in das Gesetz aufzunehmen.“

Ein anderes Forscherteam hatte untersucht, ob sich Raucher seltener mit Corona infizieren. (Jan Wendt)

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