1200 Jahre alter Schatz funkelt im Verborgenen

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Circa 60 000 Stücke umfassst der Tang-Schatz, der jetzt vor der Küste von Indonesien gefunden wurde.

Singapur - Fast 1200 Jahre hat die filigran verzierte achteckige goldene Tasse auf dem Meeresboden gelegen. Ein Zufallsfund förderte sie zutage, zusammen mit einem ganzen Schatz wertvoller Fundstücke.

Schüsseln, Vasen, Kannen, Tintenfässern und Gewürztöpfen aus Porzellan, Keramik, Silber und Bronze gehören zu der Entdeckung, die jetzt für Schlagzeilen sorgt. Der Schatz lag im Meer vor Indonesien, an Bord des ältesten Wracks, das dort je gefunden wurde.

In Singapur begutachten Forscher aus aller Welt jetzt die einzigartigen Stücke. Der Tang-Schatz soll eines Tages Grundstock für ein Maritim-Museum sein. Noch ist alles unter Verschluss, in Tresors, die wenige zu sehen bekommen.

Alvin Chia macht es richtig spannend. Er ist Manager der Sentosa Leisure Group, die Freizeitanlagen auf der Singapur vorgelagerten Insel Sentosa entwickelt. Die Gruppe hat den Schatz 2005 für gut 30 Millionen US-Dollar (damals 26 Millionen Euro) gekauft. Chia zeigt im engen Eingang der Hauptlagerhalle erst ein paar Wandtafeln mit Bildern der schönsten Stücke und führt in die Geschichte des Wracks ein: im 9. Jahrhundert gesunken, wie sich aus Inschriften auf Stücken schließen lässt, 1998 zufällig von einem Fischer entdeckt und vom deutschen Schatzsucher Tilman Walterfang gehoben. 60 000 Stücke sind es, viele perfekt erhalten. “Es ist die größte Sammlung von Stücken aus dem 9. Jahrhundert, die es gibt“, schwärmt er. “Eine Zeitkapsel.“

Dann zieht er wie in einem alten Theater am Band, ein schwarzer Samtvorhang teilt sich und der Blick wird frei auf die mehr als 25 Meter breite treppenartig angelegte Lagerhalle. Auf jeder Stufe stehen dicht an dicht mehr als ein Meter hohe Vasen. In der Mitte steht pfiffig angestrahlt eine Nachbildung des 20 Meter langen Segelschiffs aus Holz. Ähnliche werden heute in Oman auf der arabischen Halbinsel gebaut.

Fast 1200 Jahre hat die filigran verzierte achteckige goldene Tasse unentdeckt auf dem Meeresboden gelegen. Ein Zufallsfund förderte sie zu Tage, zusammen mit Schüsseln, Vasen, Kannen, Tintenfässern und Gewürztöpfen aus Porzellan, Keramik, Silber und Bronze. Der Schatz lag im Meer vor Indonesien, an Bord des ältesten Wracks, das dort je gefunden wurde.

Chia kennt den Effekt auf Gäste. “Bombastisch, nicht wahr?“, sagt er zufrieden. Chia tritt an die Schränke, in denen nach Größe, Muster und Machart sortierte Schüsseln und Teller lagern. Er zieht einen weißen Handschuh an und nimmt vorsichtig ein Teil in die Hand. “Hier, ein chinesischer Drache, der hinter einer Perle her ist“, sagt er. “Außen herum ist eine arabische Inschrift“ - ein Hinweis, dass es damals regen Handel zwischen den Machtzentren in China und Arabien gab. Eine andere Schüssel ist mit buddhistischen Lotus-Symbolen verziert. “Es ist doch Herz erwärmend zu wissen, dass die Rassen damals so gute Beziehungen hatten“, sagt Pamela Lee von der Touristenbehörde, die den Schatz für die Sentosa Leisure Group betreut.

Die Teile sind teils so exquisit, dass Forscher vermuten, die Ladung sei als Hochzeitsgeschenk für einen arabischen Prinzen bestellt worden. “Ein Frachtschiff mit so viel Luxusware an Bord ist zu dem Zeitpunkt sehr selten gewesen“, sagt John Miksic, Professor für Archäologie in Singapur. “Eine Lieferung dieser Qualität ist vielleicht nur einmal alle zehn Jahre aus China losgesegelt. So etwas findet man wohl nie wieder.“ Die Stücke stammen aus der Tang-Dynastie von 618 bis 907. “826“ steht unter einer Schüssel. Das Schiff legte wahrscheinlich in Guangzhou ab.

“Die Menge der Töpferware an Bord - 60 00 Schüsseln - das ist Massenproduktion auf einem hoch organisierten Niveau, wie es bislang nicht bekannt war“, sagt Miksic. Drei blau-weiße Keramikplatten zeigten, dass China solche Stücke viel früher fertigte als bislang angenommen. Das für die Färbung notwendige Kobalt müsse aus Persien importiert worden sein - in China wurde es erst später gewonnen.

Das geplante Museum soll eines Tages die Geschichte der maritimen Seidenstraße erzählen. Bis dahin muss noch viel geforscht werden. “Wir stehen am Anfang einer langen Reise“, sagt Lee. Die goldene Tasse mit Abbildungen persischer Tänzerinnen und Musiker gibt Forschern noch immer viele Rätsel auf. “Es ist die größte Tasse aus der Tang-Dynastie, die je gefunden wurde“, sagt Chia.

dpa

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