238.000 Deutsche wollen keine Gratis-"Bild"

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Aktivisten des Kampagnenetzwerks campact protestieren am Freitag vor dem Verlagsgebäude der Axel Springer AG in Berlin gegen die geplante Gratis-Verteilung der Bild-Zeitung und gegen deren Verstöße gegen den Pressekodex

Berlin - Am Samstag (23. Juni) stecken anlässlich ihres 60. Geburtstags 41 Millionen Gratis-Exemplare der "Bild"-Zeitung in deutschen Postkästen. Postboten klagen über Mehrarbeit, Hunderttausende lehnen das Geschenk ab.

Seit 60 Jahren gibt es nun die "Bild"-Zeitung. Das will die auflagenstärkste Tageszeitung Europas feiern und lässt zu diesem Anlass an diesem Samstag 41 Millionen deutschen Haushalten eine besondere Gratis-Ausgabe des Blattes zukommen. Doch längst nicht alle freuen sich über das Geschenk. 

Mehr als 238.000 Menschen haben auf „campact.de“ und „alle-gegen-bild.de“ der ungefragten Zustellung widersprochen, wie das Kampagnennetzwerk Campact mitteilte. Damit die Postboten erkennen können, welche Haushalte der Gratis-Zustellung widersprochen haben und keine „Bild“ bekommen dürfen, sollen sie einen großformatigen roten Umschlag vom Springer-Verlag erhalten. Der enthält einen Mitarbeiter-Rundbrief mit unbekanntem Inhalt. Auch gegen diesen mysteriösen Umschlag konnte man jedoch Widerspruch einlegen - schließlich ist nicht geklärt, ob der Axel Springer Verlag die Daten der Widerständler einfach so nutzen darf, um ihnen eine andere unerwünschte Sendung zuzustellen. 

100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben

100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Vor hundert Jahren, am 2. Mai 1912, wurde Axel Springer in Hamburg-Altona als Sohn eines Druckers und Kleinverlegers geboren. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Nach dem Besuch des Realgymnasiums machte Springer (hier ein Bild aus den 40er-Jahren) eine Setzer- und Druckerlehre im väterlichen Verlag. Danach volontierte er in der Nachrichtenagentur „Wolffsches Telegraphen Bureau“. Bis 1941 arbeitete er als Redakteur bei den „Altonaer Nachrichten“, einer Zeitung seines Vaters. 1946-48 gründete er den Verlag Axel Springer. 1946 erschien dort unter anderem die Zeitschrift „Hörzu“, nach der Währungsreform auch das „Hamburger Abendblatt“, die erste von Springer konzipierte Zeitung. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
1950: Grundsteinlegung des Hamburger Verlagshauses.1952 startet die „Bild-Zeitung“, ein Jahr später kauft Springer Die Welt GmbH, unter anderem mit den Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“. 1956 startet die Zeitung „Bild am Sonntag“. (Foto aus dem Jahr 1958) © ap
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1959: Grundsteinlegung für das Berliner Verlagshaus an der Sektorengrenze in Berlin-Kreuzberg und Übernahme der Aktienmehrheit der Ullstein AG mit den Zeitungen „Berliner Morgenpost“, „B.Z.“ sowie dem Ullstein-Buchverlag. © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Springer (li.) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (SPD, M) , am 06.10.1966 bei der Einweihung des Axel-Springer-Verlagshauses an der Kochstrasse in Berlin- Kreuzberg, (re. Egon Bahr). In den 60er-Jahren beherrschte Springer 70 Prozent des West-Berliner Zeitungsmarkts und war damit auf dem Höhepunkt seiner verlegerischen Macht. Binnen weniger Jahre hatte er nach dem Krieg das größte Verlagshaus Westdeutschlands aufgebaut. © dpa
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Zwischen 1968 und 1975 kam es zu Protesten und Gewalt gegen die „Springer-Presse“. Die Marktmacht des Springer-Konzerns wurde zunehmend kritisiert. Nicht nur Studenten und Linke forderten, Springer zu enteignen, auch die Kollegen Verleger intervenierten bei der Bundesregierung: Eine Kommission sollte die Konzentration im deutschen Pressewesen untersuchen.Der Verleger verkauft einige Zeitschriftenanteile.12.04.68: Rund 5.000 Menschen werden von Berliner Polizisten vor dem Springer-Hochhaus in der Kochstrasse in Berlin umzingelt. 1970: Umwandlung des Verlages in eine Aktiengesellschaft. Alleinaktionär ist Axel Springer © ap
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Springer (r) mit seinem Sohn Axel Springer jr. (Pseudonym Sven Simon) (Bild vom 24. Februar 1973). Am 03. Januar 1980 beging der Verlegerssohn Suizid. © dpa
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Springer junior wurde auf dem Hamburger Friedhof Grossflottbek zu Grabe getragen. Rechts: Springer senior.  © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Friede Springer kam als Kinderpflegerin ins Haus des Großverlegers. Dort lernte sie Axel Cäsar Springer kennen und lieben. Hier ein Bild des Paares vom 2. Mai 1982 (Axel Springers 70. Geburtstag). © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
1985: Kurz nach dem Börsengang des Verlages, bei dem 49 Prozent der Aktien des Unternehmens platziert werden, stirbt Axel Springer am 22. September 1985 in Berlin.27. September 1985: Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche. Friede Springer und Sohn Raimund Alexander Nikolaus stehen vor dem Sarg des Verstorbenen. © dpa
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Auch er kam zu Springers Beerdigung: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU, l.) bezeugt Friede Springer sein Beileid. Neben der Witwe: Sohn Nicolaus (Foto vom 27.09.85). © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Nach seinem Tod übernahm Friede Springer  das Unternehmen. © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Die Kochstraße in Berlin Kreuzberg wurde am 30.04.2008 in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt, dabei protestierten Demonstranten gegen Springer. An der Straße liegt auch das Verlagshaus Axel-Springer. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Mit einer Sonderbriefmarke soll laut dem Bundesfinanzministerium die Lebensleistung dieser bedeutenden Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte sowie der "unternehmerische Mut" und die "innovativen Ideen" des Medienunternehmers gewürdigt werden. Sie erscheint mit einer Auflage von 5,8 Millionen und ist seit dem 12.04.12 in den Verkaufsstellen der Deutschen Post erhältlich. © ap

Einträge im „Postbotenforum“ zeigen, dass viele Briefträger die Aktion ablehnen: „Für eine solche Massenzustellung ist die ,blöde‘ gelbe Post gerade gut genug“, ist dort etwa zu lesen. "Die Post verdient daran und wir Zusteller gehen, wie meistens, leer aus." Man habe samstags schon Mehrarbeit mit dem posteigene Werbeblatt „Einkauf aktuell“, heißt es.

Vor dem Axel-Springer-Hochhaus in Berlin gab es am Freitag eine Protestaktion. Teilnehmer zeigten der „Bild“-Zeitung eine mehr als zwei Meter große Rote Karte und warfen dem Blatt „schweres Foulspiel“ vor. „Die 'Bild'-Zeitung missachtet regelmäßig die Menschenwürde, verletzt Persönlichkeitsrechte und verdreht Tatsachen - und verstößt damit gegen den Pressekodex“, kritisierte Campact. Seit 1986 habe die Zeitung 121 Rügen des Deutschen Presserats wegen Verstößen gegen den Pressekodex erhalten.

Was steht drin?

Für die Deutsche Post ist die Verteilung der 41 Millionen Exemplare Springer zufolge der größte Einzelauftrag in ihrer Geschichte. „Bild“ komme dafür ins Guinness-Buch der Welt-Rekorde, heißt es in der Mitteilung weiter. Das Gratisblatt erscheint parallel zur regulären Samstagsausgabe, wie die Axel Springer AG am Freitag in Berlin weiter mitteilte. Chefredakteur Kai Diekmann sagte, mit der besonderen Ausgabe sollten auch viele Menschen erreicht werden, die bisher das Blatt nicht lesen.

Es bietet demnach „exklusive Geschichten aus Politik, Unterhaltung und Sport“ und enthält Interviews zu früheren Titelschlagzeilen über Boris Becker, Frank-Walter Steinmeier, Otto und Ingrid van Bergen. Altbundeskanzler Gerhard Schröder spreche „erstmals über sein Verhältnis zu 'Bild' und erklärt, wie er zu seinem legendären Satz, man brauche zum Regieren nur 'Bild, BamS und Glotze', steht“.

Dana und Til Schweiger äußern sich erstmals gemeinsam über ihre Trennung, Dortmund-Trainer Jürgen Klopp gewährt Einblicke in sein privates Fotoalbum. Künstler Günther Uecker präsentiert sein neues Werk, bei dem er sich mit „Bild“ beschäftigt. Das „Micky-Maus-Magazin“ steuert einen Jubiläums-Comic mit Donald Duck und Onkel Dagobert bei.

dapd/hn

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