Folterandrohung: 3000 Euro Schmerzensgeld für Kindsmörder Gäfgen

Frankfurt. Das Land Hessen muss dem verurteilten Kindsmörder Magnus Gäfgen Schmerzensgeld für die Folterdrohung in einem Polizeiverhör zahlen. Das hat das Landgericht in Frankfurt am Donnerstag entschieden.

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Gäfgen erhält nach der Entscheidung 3000 Euro. Er hatte 10 000 Euro und einen Schadenersatz in unbekannter Höhe gefordert. Die Kammer wies den Rest der Klage allerdings ebenso ab wie einen Befangenheitsantrag des Anwalts.

Gäfgen hatte das Land verklagt, weil ihm ein Polizist nach seiner Festnahme Gewalt angedroht hatte, um das Versteck des entführten Bankierssohn Jakob von Metzler zu erfahren. Die Polizei dachte damals, der Elfjährige sei noch am Leben, aber in höchster Gefahr. In Wirklichkeit war Jakob von Metzler zu dem Zeitpunkt schon tot.

Gäfgen führte die Polizei schließlich zu der Leiche. Der damalige Jurastudent wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, außerdem stellte der Richter die besondere Schwere der Schuld fest. In dem aktuellen Verfahren verlangte Gäfgen 10.000 Euro Schmerzensgeld plus Schadenersatz. Seine Forderung begründete er zum einen mit psychischen Schäden, die er durch die Gewaltandrohung erlitten haben will. Zum anderen habe der Polizist ihn auch geschüttelt und geschlagen, was dieser in dem Prozess aber entschieden bestritt. Seinen Angaben zufolge blieb es bei Drohungen.

Gäfgens Anwalt hatte zuletzt noch einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Kammer gestellt. Die Kammer habe sich bereits vorab festgelegt, ohne wichtige Unterlagen zu berücksichtigen, hatte der Anwalt argumentiert. Den Antrag wies das Gericht kurz vor der Urteilsverkündung zurück. Der Jurist habe diesen nur „rechtsmissbräuchlich“ eingesetzt. Gäfgens Anwalt sagte dazu, das Urteil sei „bereits dem Tode geweiht“. Das Gericht sei mit dem Befangenheitsantrag falsch umgegangen. Seine Schmerzensgeldforderung begründet Gäfgen mit psychischen Spätfolgen, unter denen er wegen der Folterdrohungen leide.

Ein Gutachter hatte aber nicht eindeutig sagen können, ob Gäfgens Probleme vor allem darin wurzeln. Immerhin sei seine Lebenslüge zusammengebrochen, die Lebensperspektive zerstört und er habe den Tod seines elf Jahre alten Opfers miterlebt. (dpa)

Rubriklistenbild: © Archiv: dpa

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