Fall in Niedersachsen

82-Jähriger Mieter fristlos gekündigt - weil er Blumen säte

Bad Bevensen. Eine Reihe Sonnenblumen hat Helmut Brünn aus Bad Bevensen im Landkreis Uelzen (Niedersachsen) die fristlose Kündigung eingebracht. Genau gesagt stört sich Vermieter B. daran, dass sein 82-jähriger Mieter dafür hauseigenes Wasser aus Leitung und Regentonne verwendet hat.

So steht es jedenfalls in der ersten von zwei Kündigungen, die der Rentner im Juli erhielt.

Die Blumen und eine Bank, an der sich der Vermieter stört, stehen dabei nicht einmal auf seinem Grundstück, sondern angrenzend auf städtischem Grund. Die Spaziergänger und die Stadt, der Brünn die Bank zu seiner diamantenen Hochzeit gestiftet hat, freuen sich über die grüne Oase.

Und Mieter Brünn will den Rausschmiss nicht hinnehmen. „Ein Mieter hat auch Rechte“, sagt der Rentner der Allgemeinen Zeitung Uelzen und kündigt Widerstand an. Den Kündigungen hat er widersprochen.

Den Ruhestand hat sich Helmut Brünn anders vorgestellt. Mit Begeisterung pflegt der 82-Jährige den Garten des Vier-Parteien-Mietshauses Am Weinberg. Auch für die Allgemeinheit tut er etwas: Aus Anlass seiner diamantenen Hochzeit mit seiner Frau Magdalena (79) hat er der Stadt eine Bank gestiftet, die er an seinem Hochzeitstag, dem 28. Mai, hinter dem Grundstück aufstellte.

Das Bauamt in Bevensen nahm das Angebot gerne an. Damit es noch schöner ist, säte der Rentner 50 Sonnenblumen in Reihe, die jetzt zu blühen beginnen. Den Spaziergängern gefällt’s. Sie nutzen den grünen Ruheplatz gern. Anders Brünns Vermieter B. Er schickte dem Rentnerehepaar zwei fristlose Kündigungen.

Gegen den selbstlosen Einsatz seines Mieters im Garten hatte B. nichts einzuwenden. Was ihn offenbar stört, ist das Engagement des Hobbygärtners auf öffentlichem Grund. Er müsse erst die anderen Mieter fragen, ob sie damit einverstanden sind, meinte er zunächst. Der Streit eskalierte, als B. registrierte, dass Brünn, der seit 14 Monaten in der Wohnung lebt, seine Sonnenblumen ebenso wie das Grundstück mit hauseigenem Wasser gießt.

Die Meinungsverschiedenheit über das Gießwasser wird vermutlich vor Gericht enden. „Auf den einfachen Hinweis unseres Mandanten von Anfang Juni, dass es ihm untersagt sei, die von Ihnen angepflanzte Sonnenblumenreihe außerhalb des Mietgrundstückes, nämlich auf dem Grundstück der Stadt Bad Bevensen mit hauseigenem Wasser sowie Regenwasser zu gießen, sondern diese über die eigene Wasseruhr wassermäßig zu versorgen, haben Sie unserem Mandanten mitgeteilt, Sie würden allen Nachbarn erzählen, was für ein schrecklicher Vermieter er sei“, schreibt der beauftragte Rechtsanwalt aus Lüneburg zur Begründung des fristlosen Rauswurfs vom 2. Juli.

Brünn ist immer noch da. Gegen die Kündigung zum 20. Juli hat er Widerspruch eingelegt, ebenso gegen die zweite fristlose Kündigung, die B. nachschob. „Ein Mieter hat auch Rechte“, sagt der ehemalige Selbstständige, der 18-jährig aus der DDR floh, und kündigt an, standhaft zu bleiben. „Wenn mir Unrecht geschieht, mache ich den Rücken gerade“, betont Brünn.

Vermieter B. war für die Zeitung trotz zahlreicher Anrufsversuche nicht zu erreichen. Dass die Sonnenblumen aber das Fass zum Überlaufen brachten, zeigen seine Gegenmaßnahmen: Nach Brünns Angaben ließ der Vermieter Ende Juni erst den Wasserhahn im Keller abmontieren und dann auch den Außenwasserhahn am Haus abstellen, der mit einem gesonderten Zähler für Gartenwasser versehen ist – obwohl damit auch das Wasser für den Garten des Mietshauses fehlte. Blieb nur noch die Regentonne, aus der Brünn weiterhin Garten und Sonnenblumen wässerte.

„Er hat die Hähne nur abgestellt, um uns zu schikanieren“, klagt Brünn. Und rechnet in diesem Zusammenhang vor, um welche Summe der Streit sich dreht. Die übrigens am Ende nicht der Vermieter, sondern die Mieter zu tragen haben: Nach Brünns Berechnung sind es 1,25 Euro pro Mieter.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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