Schauspiel am Himmel

Advents-Komet im Anflug auf die Sonne

Berlin - Millionen, vielleicht sogar Milliarden Jahre ist er weit draußen durchs All gezogen, nun stattet uns der Brocken aus der Frühzeit des Sonnensystems einen Besuch ab.

Der Advents-Komet ISON rast auf die Sonne zu und könnte in der ersten Dezember-Woche ein schönes Himmelsschauspiel bieten. Denn weil der Schweifstern der Sonne sehr nahe kommt, dürfte er heller als die meisten seiner Artgenossen an unserem Himmel erstrahlen - wenn er denn sein Rendezvous mit der heißen Sonne überlebt und nicht komplett auseinanderbricht.

Schon seit Wochen beobachten Forscher auf der ganzen Welt den Anflug von ISON auf die Sonne. Am kommenden Donnerstag wird der Komet mit der wissenschaftlichen Bezeichnung C/2012 S1 unserem Zentralgestirn am nächsten kommen: In einer Entfernung von nur einem Sonnen-Durchmesser wird ISON den glühenden Gasball im Zentrum des Sonnensystems umkurven - und sich dabei auf 1500 bis 2000 Grad Celsius aufheizen. Das sind gigantische Temperaturen für einen Brocken, der größtenteils aus gefrorenem Wasser und tiefgekühlten Gasen besteht.

"Die Aussicht besteht, dass er die Sonnenpassage überlebt", sagt der Kometenforscher Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. "Aber wie er dann aussieht, kann man nicht sagen." Bereits im Anflug auf die Sonne dürften sich nach Experten-Einschätzungen zuletzt kleinere Teile vom mehrere Kilometer großen Kometenkern abgespalten haben. Darauf deuten Beobachtungen nach zwei Helligkeitsausbrüchen hin, die seit dem 7. November bei ISON registriert wurden.

Sollte der Schweifstern seine gefährliche Reise um die Sonne überstehen, könnte er besonders an den ersten Dezember-Tagen ein spektakuläres Bild bieten. ISON wird dann mit bloßem Auge zu sehen sein, und zwar am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang in Horizontnähe. Auf seiner Reise weg von der Sonne wird der Komet allerdings auch schnell an Helligkeit verlieren. Zu Weihnachten dürfte ISON nur noch durch ein Fernglas zu erspähen sein, auch wenn er dann in guter Beobachtungsposition hoch am Nachthimmel steht.

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

Wie seine Artgenossen ist ISON ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie werden oft mit schmutzigen Riesen-Schneebällen verglichen. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus. Zwar ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten sind nur in Fernrohren zu sehen. Selten sind aber die hellen Schweifsterne wie zum Beispiel die prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake aus den 1990er Jahren.

Ob ISON mit diesen prächtigen Kometen konkurrieren kann, bleibt abzuwarten. Entdeckt wurde der Advents-Komet schon vor mehr als einem Jahr: Zwei Amateurastronomen spürten ihn am 21. September 2012 mit einem Teleskop des "International Scientific Optical Network" (ISON) auf. Seither fiebern Astronomen und Hobby-Sterngucker seiner Stippvisite bei der Sonne entgegen - doch nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns nur ein prächtiges Naturschauspiel. Denn jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Hungersnöte, Krieg und Seuchen ankündigen.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Von ISON hingegen droht unserem Planeten kein Ungemach. Wenn der Komet am Zweiten Weihnachtstag der Erde am nächsten kommt, wird er immer noch einen respektvollen Abstand von deutlich mehr als 60 Millionen Kilometern einhalten.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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