Himmelskörper ist mit bloßem Auge zu sehen, falls er die Sonnenhitze übersteht

Zur Adventszeit nähert sich ein heller Komet

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Spektakuläres Himmelsschauspiel: Der Komet Ison rast aus den Randbereichen des Universums auf die Sonne zu. Am kommenden Donnerstag nähert er sich ihr am dichtesten an – auf eine Entfernung von 1,1 Millionen Kilometern.

Das Thema: Am Himmel bahnt sich ein nicht nur für Astronomen beeindruckendes Schauspiel an. Der Komet Ison kann an mehreren Tagen in den Morgenstunden im Südosten von der Erde aus sichtbar sein, wenn er an der Sonne vorbeifliegt.

Kassel. Es ist ein besonderer Gast, der sich da zur Adventszeit am Himmel ankündigt. Der Komet Ison ist aus den eisigen Randbezirken unseres Sonnensystems im Anflug auf die Sonne. Der hell leuchtende Komet ist wahrscheinlich von der Erde aus zu sehen, vorausgesetzt, der Vorbeiflug an der Sonne klappt, ohne dass er zerbricht oder komplett verdampft. Ob das passiert, ist nach Angaben von Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut in Katlenburg-Lindau (Landkreis Northeim) schwer einzuschätzen.

Aus Sicht von Astronomen rast Ison „haarscharf“ an der Sonne vorbei. Unter haarscharf verstehen sie dabei eine Entfernung von mindestens 1,1 Millionen Kilometern, das ist etwas weniger als der Durchmesser der Sonne. An der Oberfläche des Kometen wird es 1500 bis 2000 Grad Celsius heiß. Böhnhardt nennt das einen „besonderen Stresszustand“.

Helligkeit verzehnfacht

Klaus-Peter Haupt

In Kassel begleitet Studiendirektor Klaus-Peter Haupt, Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen der Universität Kassel, das spektakuläre Himmelsschauspiel. Nach seinen Angaben wird sich Ison am kommenden Donnerstag, 28. November, am dichtesten an die Sonne annähern. Die Entfernung des Kometen zur Sonne ist weniger als der dreifache Weg zwischen Mond und Erde. Bereits jetzt sei der Himmelskörper so stark aufgeheizt, dass er vor wenigen Tagen seine Helligkeit verzehnfacht habe. Um den Kern des Kometen herum haben sich, so Haupt, bogenförmige Strukturen gebildet, die vermutlich beim Abbruch eines hochhausgroßen Klumpens aus dem Kometenkern entstanden sind. Es ist nicht klar, ob sie auf ein Zerbrechen des Kernes hindeuten. In diesem Falle würde Ison die Annäherung an die Sonne nicht überstehen.

Entferne er sich hingegen mit einer hellen Gashülle und einem riesigen Schweif wieder von der Sonne, biete sich ein tolles Schauspiel am Morgenhimmel. Dann könnte der Kometenkopf auch bei Tageslicht sichtbar sein.

Mondlicht kann stören

Nach Einschätzung der Vereinigung der Sternfreunde, dem größten Amateueratstronomen-Verbandes in Deutschland, wird der Komet nicht ganz so hell leuchten wie bislang erartet. Das helle Licht des Mondes könne die Sicht auf den Kometen einschränken. Falls Ison aber die Sonne passiere, ohne zerstört zu werden, könne er am frühen Morgen noch in der ersten Dezemberhälfte mit bloßem Auge gesehen werden. Kurz vor Weihnachten sei er dann in der Nacht zu sehen, aber nur mit einem Fernglas.

Kleinere Kometen als Ison haben den gigantischen Glutofen der Sonne in den vergangenen Jahren nicht überstanden. Anders der „Lovejoy“ genannte Komet C 2011 W3. Er passierte die Sonne im Dezember 2011 zwar gebeutelt, aber intakt. Vielleicht tut Ison es ihm gleich.

Hintergrund: Kometenkerne umkreisen Sterne in gewaltigen Wolken

Sterne, wie auch unsere Sonne, entstehen aus großen Wolken aus Gas und Staub, die sich durch die eigene Schwerkraft verdichten, erklärt Klaus-Peter Haupt, Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen der Uni Kassel. An den Oberflächen der winzigen Staubteilchen, die den jungen Stern in einer Scheibe umgeben, frieren die Gase aus. In Millionen von Jahren verschmelzen die mit Eis überzogenen Körner dann zu etwa 10 Kilometer großen Eis- und Schneebällen. Dies sind die Kometenkerne.

Ein Teil von ihnen bildet dann später Planeten, der andere Teil umkreist den Stern weiter in gewaltigen Wolken aus Kometenkernen. Auch in unserem Sonnensystem gibt es zwei solcher Bereiche mit Milliarden Kometenkernen, die Oortsche Wolke und den Kuipergürtel.

Die Planeten lenken Kometenkerne in das Innere des Sonnensystems. Dort werden sie erhitzt, das Eis verdampft und bildet eine bis zu 100.000 Kilometer große Gashülle, die Koma. Bei noch größerer Sonnennähe treiben das Sonnenlicht und das abströmende heiße Sonnengas Staub und Gase aus der Koma von der Sonne fort. So entsteht der bis zu 100 Millionen Kilometer lange Kometenschweif. (kle)

Live-Bilder via Satellit

Die Kameras Lasco C3 des Sonnenbeobachtungssatelliten Soho zeigt ab dem 24. November den Vorbeiflug des Kometen an der Sonne. Vielleicht kann man das mögliche Zerbrechen des Kometen live verfolgen. Hier der Link für die Livebilder:  http://zu.hna.de/komet2311

Vorsicht: Nicht in Sonne blicken

Astronomen warnen eindringlich: Auf keinen Fall den Kometen in Sonnennähe nach Sonnenaufgang mit einem Fernglas suchen! Wenn man aus Versehen dabei mit dem Fernglas in die nahestehende Sonne blickt, droht Erblindung.

Von wo ist der Komet zu sehen?

Bei klarem Himmel wird man am 24., 25. und 26. November sowie am 29. und 30. November den Kometen sehr wahrscheinlich mit bloßem Auge ganz tief am Süd-Ost-Horizont in der Morgendämmerung sehen. Schon bevor der eigentliche Kometenkern aufgeht, kann man wahrscheinlich seinen Schweif ab 6 Uhr über dem Horizont sehen.

Wegen der geringen Flächenhelligkeit nützt ein Fernrohr wenig, das bloße Auge reicht, ein Fernglas wird hilfreich sein. Die besten Sichtbedingungen in Nordhessen sind auf dem Hohen Meißner oder von den Helfensteinen auf dem Dörnberg, für die Kasseler an der Ortsgrenze in Lohfelden.

Am Dienstag, 26. November, ist die Sternwarte auf dem Schülerforschungszentrum SFN in der Parkstraße 16 in Kassel ab 6.30 Uhr bei wolkenfreiem Himmel geöffnet. Einen Kurzvortrag mit dem Thema: "Kometen - Boten des Lebens" gibt es dann von 7.30 Uhr bis 7.50 Uhr.

Von Peter Klebe

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