Der Baum des Jahres

Von Äpfeln, Christbaumständern und Lametta: Ein ABC des Weihnachtsbaums

Er gehört zu Weihnachten dazu wie der Weihnachtsmann und die Bescherung: Der Tannenbaum. In unserem ABC des Weihnachtsbaums erfahren Sie alles, was Sie zur grünen Tanne wissen müssen.

A wie Apfel: Gern benutzter Baumschmuck, der auf Adam und Eva zurückgeht. Bei den mittelalterlichen Vorläufern der Krippenspiele wurde der Vertreibung aus dem Paradies gedacht. Dazu stellte man in Kirchen Paradiesbäume mit der verbotenen Frucht auf. Aus den damals noch verwendeten Laubbäumen wurden mit der Zeit immergrüne Nadelbäume (weil die im Winter besser aussahen und Unsterblichkeit symbolisierten), aber der Apfel blieb.

B wie Böll: Eine großartige Satire über den Weihnachtskult ist Heinrichs Bölls Erzählung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“: Tante Milla dreht plötzlich durch, als der Christbaum abgeschmückt werden soll. Was tun? Die Lösung findet Onkel Franz in der Tannenbaumtherapie. Zwei Jahre lang feiert die Familie Tag für Tag – und bis zur Erschöpfung – Heiligabend, während ein Engel am Baum dazu „Frieden, Frieden, Frieden“ haucht.

C wie Christbaumständer: Eine Wissenschaft für sich, und gleichzeitig eine Glaubenssache, welches System das beste ist: die Rundum-Einseil-Technik, die Fixierschraubentechnik, die Fußhebeltechnik oder die Stahlfedertechnik. Im Internet-Testportal Vergleich.org hat momentan der Krinner-Christbaumständer Comfort L die Nase knapp vorn - und damit die Rundum-Einseil-Technik. Für Bäume bis 2,3 Meter Höhe.

D wie Dendrophobie: Fachbegriff für die Angst vor Bäumen. Betroffene fürchten sich etwa im Wald. Nicht zu verwechseln mit Dendrophilie, bei der man sich von Bäumen sexuell angezogen fühlt.

E wie Emotionen: Entstehen durch Rituale. Wenn heute Abend wie immer die Kerzen am Baum strahlen, glänzen auch die Augen, denn wir verknüpfen den aktuellen Anblick unwillkürlich mit unserer Erinnerung an Kindheit und glückliche Stunden.

F wie Familie: Streitet sich gern an Weihnachten über den Baum. Häufig gehörter Satz in deutschen Wohnzimmern, wenn Papi die Tanne aufgestellt hat: „Sie ist unten schön breit, aber oben zu dünn.“

G wie globales Phänomen: Der Weihnachtsbaum ist ein kultureller Exportschlager. Wer Ende Dezember etwa eine Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate macht, wird dort ebenfalls Christbäume sehen. Einer der wertvollsten stand 2010 im Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi und war mit Edelsteinen sowie Perlen geschmückt.

H wie Happy Tree: Die Idee, Bäume im Topf zu nutzen, gibt es schon ewig. Die Firma Happy Tree fügt – wie oft bei Internet-Startups – nun noch den emotionalen Überbau dazu. Hier kann man Bäume mieten, und auf der Homepage wird ganz viel davon gesprochen, wie glücklich das die Tannen macht. Das geht soweit, dass es sogar heißt, der Baum bedanke sich bei den Menschen für die Gastfreundschaft. Billig ist das nicht: Ein gemieteter Baum kostet zwischen 65 und 80 Euro.

I wie Internet: Dort gibt es nichts, was es nicht gibt, nun sogar Weihnachtsbäume. So bietet der Onlinehändler Amazon frisch geschlagene Nordmanntannen an, die mehr als zwei Meter groß sind. Die armen Paketboten.

J wie Jugendfeuerwehr: Holt Anfang Januar in vielen     Orten die Weihnachtsbäume ab, um sie etwa auf dem Häckselplatz zu entsorgen. Geldspenden sollte man allerdings nicht an den Baum hängen, sondern dem Feuerwehrnachwuchs persönlich geben.

K wie Kugeln und Kerzen: Dass wir Kugeln als Schmuck an den Christbaum hängen, hat mit dessen Vorgeschichte als mittelalterlicher Paradiesbaum zu tun. Dieser wurde unter anderem mit Äpfeln behängt, im 19. Jahrhundert kamen erstmals bunte Glaskugeln in Mode. Den Christbaum mit Kerzen zu beleuchten, war zunächst eine höfische Sitte, die dann vom Bürgertum übernommen wurde. Die ersten elektrischen Christbaumkerzen kamen bereits 1901 in den USA auf den Markt.

L wie Lametta: Die letzte Lamettafertigung gibt auf. Einst produzierte die Firma Riffelmacher und Weinberger 50 Tonnen jährlich, zuletzt nur noch wenige hundert Kilo. Der langjährige Standardbaumschmuck ist sowas von out. Bäume sind von Stanniolfäden befreit, die sich im Laufe der Feiertage oft zu einem unentwirrbaren Knäuel ballten.

M wie Mariä Lichtmess: Wie lange bleibt der Christbaum stehen? Spätestens 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, wenn „Mariä Lichtmess“, der Tag der Beschneidung Jesu und gleichzeitig der Reinigung Mariä begangen wird, muss der Baum abgeräumt werden, sagt die Tradition. Andere übliche Termine sind der 6. Januar, das Fest der Heiligen Drei Könige (Epiphanias), oder sogar schon der 1. Januar (Neujahr). Praktisch gesehen, stellt sich meist die Frage: Ab wann nadelt der Baum?

N wie Nordmanntanne: Meistgenutzte Baumart als Weihnachtsbaum. Die nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann benannte Pflanze hat einen Marktanteil von fast 80 Prozent. Von denen stammen wiederum 85 Prozent aus Deutschland. Auf den Plätzen folgen die Blaufichte (15 Prozent), sonstige Fichten (7 Prozent) und die Edeltanne/Nobilistanne (3 Prozent).

O wie „O Tannenbaum“:  Mit einem der bekanntesten Weihnachtslieder wird nicht das Jesuskind, sondern der Christbaum besungen. Die Urfassung von „O Tannenbaum“ stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert. Zum Weihnachts-Klassiker wurde das Lied erst, als der Leipziger Ernst Anschütz 1824 die Verse zwei und drei hinzufügte. Das Lied wurde oft verballhornt und ist trotz seiner Bekanntheit gar nicht so leicht zu singen: Kaum jemand singt die Abfolge von Achtel-Punktierung und Viertel-Punktierung rhythmisch korrekt.

P wie Plastikbaum: Alternative zum echten Weihnachtsbaum, über die Puristen jedoch nur die Nase rümpfen – unter anderem, weil Plastik nicht nach Natur duftet. Zudem sind echte Weihnachtsbäume „grüner“, wie australische Wissenschaftler herausgefunden haben. Erst nach 17 Jahren weist der Plastikbaum eine bessere CO2-Bilanz auf. Am besten wäre fürs Klima aber gar kein Weihnachtsbaum.

Q wie Qualität: Hat bekanntlich ihren Preis. Trotzdem sind Weihnachtsbäume dieses Jahr bis zu zwei Euro billiger als in der Vorsaison, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ausgerechnet hat. Schöne Nordmanntannen sind demnach schon ab 18 Euro pro laufendem Meter zu haben.

R wie Rekord: Der größte Christbaum der Welt soll auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt stehen. Er ist 45 Meter hoch, aus zahllosen einzelnen Bäumen zusammengebaut und mit 40 000 Lichtern geschmückt.

S wie Strohstern: Traditionell gehören Strohsterne zum Christbaumschmuck. Der Fantasie, in welchen Farben und Formen man runde Strohhalme und glattgebügelte Strohstreifen zu Sternen zusammenbindet, sind kaum Grenzen gesetzt. Doch Strohsterne sehen nicht nur hübsch aus, sie transportieren auch weihnachtliche Symbolik. Mit ihnen wird eine Verbindung vom Stroh der Krippe, in der das Jesuskind lag, zum Stern von Bethlehem gezogen.

T wie Tradition: Eine der ersten urkundlichen Erwähnungen führt nach Freiburg, wo Bäcker 1419 einen Christbaum mit Früchten und Süßigkeiten geschmückt haben sollen. Im 19. Jahrhundert, als Weihnachten zum emotional aufgeladenen Familienfest wurde, begann man, den Weihnachtsbaum zu sich nach Hause zu holen.

U wie Umsatz: 700 Millionen Euro haben die 4000 deutschen Weihnachtsbaumproduzenten im vergangenen Jahr umgesetzt. Das Geschäft mit dem Christbaum sichert dauerhaft 100 000 Arbeitsplätze. Hinzu kommen 50 000 Saisonarbeiter.

V wie Vintage: Der Früher-war-alles-besser-Trend, den die junge Bart und Dutt tragende Hipstergeneration mit ihren Selbermach-Ansprüchen, ihren rohen Holzbrett-Dekorationen und ihrem Retro-Kult um Schreibmaschinen und Vinylalben pflegt, macht auch vor Christbäumen nicht Halt. Altmodischer Schmuck ist in, steht für Wertigkeit und die gute alte Zeit.

W wie Wachstum: Acht bis zwölf Jahre dauert es, bis ein Weihnachtsbaum zwei Meter groß geworden ist. Eine ein Hektar große Plantage bindet in dieser Zeit bis zu 143 Tonnen Kohlendioxid und erzeugt bis zu 105 Tonnen Sauerstoff.

X wie x-mal gehört: Man kann es gar nicht oft genug sagen, aber so ein Weihnachtsbaum brennt wie Zunder. So werden im Dezember durchschnittlich 40 Prozent mehr Brände gemeldet als in den übrigen Wintermonaten.

Y wie Yogeshwar: Sehr kluger WDR-Moderator mit Vornamen Ranga, der für die Wissenschaftssendung „Quarks“ einmal alle Nadeln einer 1,63 Meter hohen Nordmanntanne zählen ließ. Ergebnis: Der Baum hatte 178 333 Nadeln. Falls Ihnen langweilig wird, können Sie bei Ihrem Baum gern nachzählen.

Z wie Zickezacke: Loriots Sketch „Weihnachten bei Familie Hoppenstedt“ ist legendär, und man kann nur hoffen, dass er häufig genug wiederholt wird, dass auch die junge Generation ihn noch kennenlernt. Darin muss Sohn Dicki ein Gedicht aufsagen und wählt das wenig feierliche „Zickezacke Hühnerkacke“.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.