Spur der Verwüstung

Affen plündern Dorf in Thailand

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Raubzüge sind in Khlong Charoen Wai an der Tagesordnung. Niemand im Dorf ist vor den heimtückischen Affen sicher. Sie steigen durch Fenster ein, plündern Kühlschränke und verwüsten Küchen - die Makakenbanden in Thailands.

Bangkok - Raubzüge sind in Khlong Charoen Wai an der Tagesordnung. Niemand im Dorf ist vor den heimtückischen Affen sicher. Sie steigen durch Fenster ein, plündern Kühlschränke und verwüsten Küchen - die Makakenbanden in Thailands.

"Sie schleichen sich in unser Haus, wenn sie sehen, dass ich schlafe", schildert Chaluay Khamkajit einen Überfall. "Dann machen sie sich in der Küche über das Öl, den Zucker und sogar über die Medikamente im Schrank her", empört sich die 72-Jährige. Neues Essen könne sie kaufen, aber auf die Medizin sei sie dringend angewiesen. Inzwischen haben die Dorfbewohnerin und ihr Mann ein Schloss für den Kühlschrank gebastelt, auch eine Schleuder liegt bereit. Doch auch damit können sich die beiden nicht zuverlässig vor den Affenbanden schützen.

Seit zehn Jahren geht das in Khlong Charoen Wai nun schon so, keiner der 150 Haushalte im Dorf blieb verschont. Die meisten Menschen in dem 80 Kilometer von Bangkok entfernten Ort arbeiten auf den Garnelenfarmen, von denen es immer mehr gibt. Die Ausweitung der Garnelenzucht und die damit einhergehende Abholzung der Mangrovenwälder sind auch der Grund, weshalb die Affen in die Wohngebiete vordringen.

"Früher haben sie genügend Nahrung in den Wäldern gefunden, aber wenn der Wald weniger wird, dann müssen sie sich ihr Futter eben in den Häusern der Menschen suchen", sagt Dorfvorsteher Chatree Kaencharoen. Er ärgert sich darüber, dass manche Menschen die Makaken auch noch füttern. "Manchmal kommen hunderte Affen auf einmal, besonders in der Kühle der Morgen- und Abenddämmerung. Sie wissen, wann Essenszeit ist", sagt Chatree.

Die Umweltschutzorganisation WWF sieht die Schuld für die lästigen Überfälle eindeutig bei den Menschen. Sie seien in den Lebensraum der Affen vorgedrungen, nicht umgekehrt, sagt der thailändische Landeschef der Organisation, Petch Manopawitr. "Makaken können ihr Verhalten gut anpassen, sie lernen auf ähnliche Art wie die Menschen. Und wenn sie wissen, dass sie in einem Dorf Nahrung finden, dann kommen sie auch."

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

Ameisen werden bis zu sieben Jahre alt. © dpa
Bären werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Eintagsfliegen werden nur einen Tag alt. © dpa
Elefanten werden bis zu 85 Jahre alt. © dpa
Enten werden bis zu 22 Jahre alt. © dpa
Füchse werden bis zu 15 Jahre alt © dpa
Hirsche werden bis zu 35 Jahre alt. © dpa
Hunde werden bis zu 15 Jahre alt. © dpa
Kakadus werden bis zu 100 Jahre alt © dpa
Kanarienvögel werden bis zu 22 Jahre alt. © dpa
Karpfen werden bis zu 120 Jahre alt. © dpa
Katzen werden bis zu 15 Jahre alt © dpa
Kröten werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Krokodile werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Löwen werden bis zu 35 Jahre alt © dpa
Maikäfer werden bis zu sechs Wochen alt. © dpa
Mäuse werden bis zu drei Jahre alt. © dpa
Nashörner werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Pferde werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Regenwürmer werden bis zu zehn Jahre alt. © dpa
Riesenschildkröten werden bis zu 180 Jahre alt. © dpa
Schimpansen werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Manche Schmetterlinge werden nur einen Tag alt. © dpa
Steinadler werden bis zu 100 Jahre alt. © dpa
Uhus werden bis zu 70 Jahre alt. © dpa
Wale werden bis zu 120 Jahre alt. © dpa
Wespen werden bis zu einem Jahr alt. © dpa
Wildgänse werden bis zu 80 Jahre alt. © dpa

Die Ausdehnung von Siedlungen und Plantagen in frühere Urwaldgebiete führt auch andernorts in Thailand zu unliebsamen Begegnungen von Mensch und Tier. Selten seien es Tiger oder Elefanten, die sich in die Dörfer wagen, sagt Petch. Häufig fräßen Wildschweine Felder ab. "Aber die können die Dorfbewohner zumindest erschießen und essen."

Der WWF schlägt Alarm: Wenn die Regierungen nicht schnell handeln, wird ein Drittel des verbliebenen Waldes in der Mekong-Region in den nächsten 20 Jahren dem wachsenden Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen zum Opfer fallen, wie es in einem aktuellen Bericht heißt. Zwischen 1973 und 2009 verschwanden laut WWF 43 Prozent des thailändischen Urwalds.

Statt in den Mangrovenwäldern verbringen die Affen in Khlong Charoen Wai ihre Tage am Rand des Dorfes. Einige springen von Baum zu Baum, während Makakenmütter mit ihren Babys an der Brust an den Bambusbrücken hängen, die über das sumpfige Land führen. Nähert sich ein Mensch, hauen die Affen ab. Fühlen sie sich jedoch unbeobachtet, starten die Makaken ihre Raubzüge, dringen in die Häuser ein und hinterlassen ihre schlammigen Fußabdrücke.

Die Bewohner versuchen sich mit Netzen zu schützen oder halten ihre Fenster trotz der tropischen Hitze geschlossen. Auch die Behörden versuchten, die Affen zurückzudrängen, indem sie einige von ihnen sterilisierten. Doch es seien zu wenige gewesen, als dass sich die Lage gebessert hätte, sagt der stellvertretende Dorfvorsteher Tawin Songcharoen resigniert. "Wir können sie nicht aufhalten."

afp

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