Abzug der US-Truppen

Afghanistan: USA räumen Fehler ein - Verteidigungsminister nennt Details

„War es perfekt? Nein, natürlich nicht“: Die USA haben beim Afghanistan Abzug Fehler gemacht – die Verteidigungsminister Austin nun eingesteht.

Washington D.C – In einer Anhörung im US-Senat zum Thema Afghanistan*-Abzug hat der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin den Abzug der Truppen aus Afghanistan verteidigt. Gesteht jedoch auch Fehler in der Evakuierungsmission* ein. „Die Taliban hatten deutlich gemacht, dass ihre Zusammenarbeit am 1. September enden würde“, sagte Austin im Rahmen der Anhörung. Die ersten beiden Tage der militärischen Evakuierungsmissionen seien sehr schwierig gewesen. Man habe die Lage aber binnen 48 Stunden in den Griff bekommen.

Austin räumte zudem ein, man habe das Ausmaß der Korruption sowie die schlechte Führung auf afghanischer Seite nicht erkannt. Ebenfalls habe man nicht vorausgesehen, wie sehr die Vereinbarung mit den Taliban* die afghanischen Streitkräfte demoralisiert habe.

US-Generalstab räumt Fehler ein – Einsatz in Afghanistan sei unbefriedigend verlaufen

Auch Mark Milley, Generalstabschef der USA*, gestand Fehleinschätzungen bezüglich der Vorgehensweise ein. Zudem warnte er vor einer wachsenden Terrorgefahr. „Es ist klar und offensichtlich, dass der Krieg in Afghanistan nicht zu den Bedingungen geendet hat, die wir wollten“, so Milley. Es bestehe eine „sehr reale Möglichkeit“, dass Terrorgruppen wie Al Kaida oder der Islamische Staat (IS) von Afghanistan aus versuchen könnten, die USA anzugreifen.

Ein US-Marine eskortiert ein Kind zu seiner Familie am Hamid Karzai International Airport

Eigenen Angaben zufolge habe Milley sowohl den damaligen Präsidenten Donald Trump*, als auch dessen Nachfolger Joe Biden* vor den Gefahren eines schnellen Abzugs gewarnt. Er betonte, bereits im Herbst 2020 davor gewarnt zu haben, dass ein zu schneller Abzug der Truppen aus Afghanistan die Gefahr einer „vollständigen Übernahme durch die Taliban“ berge oder auch zu einem Bürgerkrieg führen könnte.

Mark Milley, Generalstabschef der USA, bei einer Anhörung zum Afghanistan Abzug

Den so schnellen Zusammenbruch der afghanischen Armee habe man „absolut“ nicht kommen sehen, sagte Milley. Geheimdienste hätten die Machtübernahme durch die Taliban frühestens im Spätherbst oder im Winter erwartet, eventuell erst im kommenden Frühjahr.

USA: 20 Jahre Afghanistan-Krieg – Was bleibt?

Ende August haben die letzten US-Truppen Afghanistan verlassen. Damit endet der internationale Einsatz in dem Land nach fast 20 Jahren. Auch die militärischen Evakuierungsmissionen wurden somit eingestellt - Evakuierungsmissionen, bei denen Dutzende Afghanen sowie 13 US-Soldaten vor dem Kabuler Flughafen getötet wurden*.

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Zu dem Angriff bekannte sich der mit den Taliban verfeindete Islamische Staat (IS). Mitte August hatten die Taliban die Macht in Kabul übernommen. „Die Umstände im August waren alles andere als ideal: extreme Hitze, ein [...] Land ohne Regierung, eine höchst dynamische Situation vor Ort und eine [...] tödliche terroristische Bedrohung“, sagte Austin. Man arbeite nach wie vor daran, Amerikanerinnen und Amerikanern sowie afghanische Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen. (Lukas Zigo) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Staff Sgt. Victor Mancilla/dpa/U.S. Marines

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