Brutaler Überfall in NRW

„Aktenzeichen XY“ (ZDF): Polizei hielt spektakuläre Details des Verbrechens neun Monate lang geheim

Ein brutales Verbrechen aus Selm (NRW) ist bei „Aktenzeichen XY“ im ZDF gezeigt worden - mit spektakulären Details, die neun Monate lang geheim gehalten worden waren.

  • Ein brutales Verbrechen aus dem Kreis Unna (NRW) ist live im Fernsehen thematisiert worden.
  • Zum Überfall auf ein Ehepaar in dessen eigener Wohnung in Selm wurden spektakuläre neue Details bekannt.
  • In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst" mit Rudi Cerne baten die Ermittler um Hinweise - und die kamen.

[Update, 14. August] Unna/München - Der brutale Überfall auf ein Ehepaar in Selm (Kreis Unna/NRW) vom 14. September 2019 erscheint seit Mittwochabend in einem völlig neuen Licht. Im Rahmen der Live-Sendung "Aktenzeichen XY" im ZDF mit Rudi Cerne wurden nämlich viele spektakuläre, für die Öffentlichkeit völlig neue Details bekannt.

Live-TV-SendungAktenzeichen XY... ungelöst
FernsehsenderZDF
Sendezeitmittwochs, 20.15-21.45 Uhr
ModeratorRudi Cerne (seit 2002)
Erstausstrahlung20. Oktober 1967
IdeeEduard Zimmermann (Moderator bis 1997)

Der neuneinhalb-minütige Filmbeitrag zu dem Verbrechen aus Nordrhein-Westfalen am hellichten Tag lief unter dem Titel „Raub mit Insiderwissen“ - und wurde mutmaßlich von zwei Russen verübt. Aus Russland selbst stammen auch die beiden Opfer - der Mann ist seit einem schweren Arbeitsunfall und vielen Operationen am Kopf Frührentner.

Moderator Rudi Cerne bat in „Aktenzeichen XY“ um Hinweise auf zwei mutmaßlich russische Männer, die ein Ehepaar in dessen Wohnung in Selm im Kreis Unna brutal überfallen haben.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“ (ZDF): Der Filmbeitrag

In ihrer Wohnung eines Mehrfamilienhauses bewahrten die Eheleute 4000 Euro zur Bezahlung einer Möbellieferung auf, in einem weiteren Briefumschlag in einer Schublade lagen weitere „knapp 4000 Euro“ aus einer Erbschaft - die Mutter des Mannes war im Alter von 90 Jahren gestorben. Vom diesem Geld wussten nicht viele Personen - nicht einmal die Kinder der Opfer.

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Überfall auf russlanddeutsches Rentnerpaar Täter sprechen fließend Russisch Nicht mal die engste Familie wusste von dem Barvermögen, welches das Rentnerpaar zu Hause hatte. Trotzdem spricht vieles dafür, dass die Täter viel Insider-Wissen hatten. Seit den 90er Jahren lebt das russlanddeutsche Ehepaar in Selm. Sie sind gut integriert, sparsam und fleißig. Doch das Schicksal schlägt gleich zweimal zu: Erst zwingt ein Arbeitsunfall den Ehemann in die Frührente und schließlich geraten die beiden ins Visier brutaler Räuber. Täter hatten Insider-Wissen Die Eheleute hatten rund 8000 US-Dollar zu Hause, die sie seit der Übersiedelung nach Deutschland als Notgroschen aufbewahrten. Außerdem noch 4000 Euro in bar für eine erwartete Möbellieferung und weitere knapp 4000 Euro aus dem Erbe der verstorbenen Mutter des Mannes. Zusätzlich noch ein wenig Goldschmuck der Gattin. Von dem kleinen Vermögen wusste niemand. Nicht einmal die eigenen Kinder. ⬇️⬇️⬇️IN DEN KOMMENTAREN WEITERLESEN⬇️⬇️⬇️ (1/3)

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Die Täter indes sprachen das Ehepaar beim Überfall sofort fließend auf russisch an, begaben sich sofort zielgerichtet zur Wohnung und fragten nach dem besagten Geld. Daher die These: Beide Täter wussten aus einer unbekannten Quelle um das Bar-Vermögen. Und sie wussten womöglich auch, dass der Mann gesundheitlich schwer vorbelastet war und dass Schläge gegen seinen Kopf tödlich enden könnten. Denn den Kopf des Mannes sparten sie bei ihren gewaltsamen Angriffen aus. Einer der Täter könnte „Andrej“ heißen - der Name fiel während des Verbrechens.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“ (ZDF): Die Beute

8000 US-Dollar aus der Zeit ihrer Einwanderung aus Russland nach Deutschland und Goldschmuck im Wert von mehreren tausend Euro nahmen die Täter ebenfalls mit - das "alte" amerikanische Geld ist aber hierzulande gar nicht mehr einzutauschen.

Die Täter erbeuteten über das Bargeld hinaus diesen Schmuck:

  • vier goldene Ketten
  • eine dünne Kette aus Weiß- und Gelbgold
  • drei Paar goldene Ohrringe
  • zwei Eheringe
  • einen goldenen Ring mit rotem Stein
  • drei weitere goldene Ringe
  • zwei goldene Kreuzanhänger
  • ein Schmuckset bestehend aus einem goldenem Ring, Ohrringen und einer Kette
Kriminalhauptkommissar Michael Ebel von der Kreispolizeibehörde Unna stellte die Details zum brutalen Überfall auf ein Ehepaar in Selm bei „Aktenzeichen XY“ mit Moderator Rudi Cerne vor.

Im ZDF-Studio von "Aktenzeichen XY" bei Moderator Rudi Cerne war Kriminalhauptkommissar Michael Ebel von der Kreispolizeibehörde Unna zu Gast. Er präsentierte die bereits bekannten Fahndungsfotos, erläuterte die Lage des Tatortes. und beantwortete die Fragen Cernes - auch dazu, wie es den Überfall-Opfern heute geht: Die seelischen Narben seien geblieben.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“: Die Reaktionen

Wie waren die Reaktionen auf den emotionalen Beitrag in „Aktenzeichen XY“? „Wir hatten direkt nach der Sendung zahlreiche Anrufe und haben auch E-Mails bekommen. Es gab Hinweise auf Personen und weitere Ermittlungsansätze. Über die Qualität der Hinweise können wir natürlich noch nichts sagen. Wir erhoffen uns aber natürlich neue Ansätze“, erläuterte Vera Howanietz, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Unna am frühen Donnerstagmorgen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Drei von insgesamt gut 40 Hinweisen seien vom Leitenden Ermittler aus Unna als „sehr interessant bewertet“ worden, erklärte Alfred Hettmer vom Landeskriminalamt (LKA) Bayern in der Bilanz der Sendung „Aktenzeichen XY“ vom 12. August. Am Freitagmittag schließlich zitierte die Polizei Unna Kriminalhauptkommissar Ebel so: „Einige der eingegangenen Hinweise auf konkrete Personen mit russischem Hintergrund sind sehr vielversprechend.“

Die Zahl der Hinweise bewege sich im mittleren zweistelligen Bereich. Jetzt gelte es, die Hinweise auszuwerten. Und warum wurden so viele Details zum Verbrechen erst jetzt bei „Aktenzeichen XY“ an die Öffentlichkeit gegeben? „Wenn man Insider-Wissen vermutet, muss man ja diesen Bereich erst mal ins Visier nehmen. Und schlussendlich muss für einen solchen Filmbeitrag dann auch Fakten liefern, damit der Fall Aufmerksamkeit bekommen. Ganz viel ist hier noch im Konjunktiv zu sehen“, so Howanietz.

Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, ist laut Kriminalhauptkommissar Ebel von der Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt worden. Bei der Polizei Unna ist die Rufnummer 02303/9212121 weiter geschaltet.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“: Das Verbrechen

Erstberichterstattung vom 10. August:

Sie kamen am 14. November 2019 zur Mittagszeit in die Straße „Auf der Sagkuhl“, klingelten an der Haustür, gaben sich als Postboten aus - und zeigten dann ihr wahres, brutales Gesicht: Zwei Männer beraubten ein Ehepaar in Selm (Kreis Unna) in Nordrhein-Westfalen. Jetzt wird nach ihnen bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ mit Rudi Cerne im ZDF gefahndet.

75 Minuten dauerte an diesem Donnerstag im Herbst letzten Jahres in der Wohnung im ersten Obergeschoss das Martyrium für die damals 62 und 63 Jahre alten Eheleute - von 11.30 bis 12.45 Uhr. Dann erst war der brutale Überfall vorbei.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“: Die Details

Sie wurden mit einer Schusswaffe und einem Messer bedroht, ins Wohnzimmer gedrängt, mit Klebeband, Kabeln und einem Gürtel gefesselt. Beide wurden leicht verletzt. Gegen 12.55 Uhr an diesem 14. November 2019 konnte die Ehefrau einen Teil der Handfesseln lösen und in den Wintergarten gelangen. Dort wurde sie von einem Passanten bemerkt, der die Polizei alarmierte.

Die unbekannten Täter hatten vor ihrer Flucht die gesamte Wohnung nach Bargeld und Wertgegenständen durchsucht. Sie machten Beute in nicht näher bezifferter Höhe und verschwanden. (Anmerkung der Redaktion: Inzwischen sind Details zur Beute bekannt - siehe oben).

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“: Die Täter

Immerhin: Die Raubopfer konnten die Täter beschreiben, so dass seitens des Landeskriminalamtes (LKA) NRW Phantombilder angefertigt werden konnten, die dann auf Beschluss des Amtsgerichtes Dortmund veröffentlicht wurden. Zur Ergreifung der Täter kam es jedoch nicht.

Der erste Täter (Im Foto links) war nach Angaben der Opfer ca. 30 bis 35 Jahre alt, etwa 1,68 Meter groß und kräftig gebaut. Er sprach fließend und akzentfrei Russisch und hatte einen silbernen Zahn, rechtsseitig in der oberen Zahnreihe. Bekleidet war er mit schwarzen Handschuhen, schwarzer oder dunkelblauer Wollmütze, grüner Warnweste, dunkler Jacke und Jeanshose.

Mit diesen drei Phantombildern des Landeskriminalamtes NRW wurde bislang erfolglos nach den beiden Räubern gefahndet, die in Selm am 14. November 2019 ein Ehepaar brutal überfallen haben sollen.

Der zweite Täter (im Foto mittig und rechts) war laut Beschreibung ca. 1,75 Meter groß, schlank und sprach ebenfalls akzentfrei Russisch. Er trug eine Kappe und eine grüne Warnweste. Über den Fall bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ berichtet auch RUHR24.de.*

„Trotz anschließender Öffentlichkeitsfahndung mit Phantombildern der Täter konnte die Tat bis heute nicht aufgeklärt werden“, so die Kreispolizeibehörde Unna, die ihre Hoffnungen jetzt auf das Format „Aktenzeichen XY... ungelöst“ mit Moderator Rudi Cerne setzt, wie WA.de* berichtet.

Brutaler Überfall aus NRW bei „Aktenzeichen XY“: Das Hinweistelefon

Am Mittwoch (12. August) wurde der brutale Überfall auf das Ehepaar in Selm in der Live-Sendung mit Moderator Rudi Cerne im ZDF ausgestrahlt (siehe oben). Die Redaktion der beliebten TV-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" hatte den Überfall auf die Eheleute im Kreis Unna für einen Filmbeitrag möglichst exakt nachgestellt.

Für Hinweise auf das Täter-Duo ist seit Mittwochabend unter der Rufnummer 02303/921-2121 ein Hinweistelefon bei der Polizei in Unna geschaltet. Hinweise nimmt auch jede andere Polizeidienststelle entgegen. Per Mail sind Hinweise ebenfalls möglich (poststelle.unna@polizei.nrw.de).

In der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ ging es am Mittwochabend unter anderem auch um einen Banküberfall in Hessen. Der skrupellose Räuber ist auf der Flucht, die Ermittler zeigen Fotos aus der Überwachungskamera, wie mannheim24* berichtet.

Vergleichbare Verbrechen zu dem aus Selm hat es in NRW schon häufiger gegeben. Im November 2016 war 50 Kilometer entfernt in Menden (Märkischer Kreis) ebenfalls ein Ehepaar überfallen worden. Hier wurden die Senioren auch körperlich misshandelt und anschließend ihrem Schicksal überlassen - nur aufmerksame Nachbarn retteten den Schwerverletzten damals das Leben, wie come-on.de* berichtete. Einer der Täter aus Serbien - überführt durch DNA-Material am Tatort - wurde im Juni 2020 in einer Revisionsverhandlung vor dem Dortmunder Landgericht zu einer Gefängnisstrafe von elf Jahren und drei Monaten verurteilt.

Erst im Mai dieses Jahres wurde eine Familie in der NRW-Großstadt Hagen im eigenen, etwas abseits wäldlich gelegenen Haus überfallen - von drei bewaffneten, potenziell russischen Männern, die ein Mädchen (14) und eine junge Frau (26) so in Schach hielten und beide fesselten. - *WA.de, come-on.de, ruhr24.de und mannheim24* sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Matthias Balk

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