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Akute Krise im Gesundheitswesen: „Krankenstand ist aktuell extrem hoch“

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Von: Teresa Toth

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Vor allem in Kinderkliniken ist die Situation aufgrund von Personalmangel angespannt.
Vor allem in Kinderkliniken ist die Situation aufgrund von Personalmangel angespannt. © Christoph Soeder/dpa

Das Gesundheitswesen ist massiv überlastet. Neben vielen kranken Patienten kommt es auch im Personal zu massiven Ausfällen. Fachleute fordern neue Regelungen.

Frankfurt – Die Lage in Kliniken spitzt sich weiter zu. Neben Lieferengpässen bei Medikamenten und zahlreichen Patienten mit Atemwegserkrankungen werden die massiven Personalausfälle zunehmend zum Problem. Viele Angestellte seien von den gleichen Infektionskrankheiten betroffen, die auch für hohe Patientenzahlen sorgen. Aktuell sorgen neben Coronaviren vor allem Grippeviren und RS-Viren für zahlreiche Krankheitsfälle.

„Wir dürften beim Personal mittlerweile bei einem Ausfall von neun bis zehn Prozent liegen, das heißt, fast jeder zehnte Mitarbeiter ist erkrankt“, beklagt der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Das seien 30 bis 40 Prozent mehr Ausfälle als in dieser Jahreszeit üblich.

Personalmangel in Kliniken: Personaluntergrenzen müssen ausgesetzt werden

Fällt zu viel Personal aus, können keine Patient:innen mehr aufgenommen werden – denn die Personallage in Krankenhäusern sei aktuell ohnehin dünn, so Gaß. „Das führt dazu, dass zurzeit in einer ganzen Reihe von Krankenhäusern Betten gesperrt sind oder ganze Stationen abgemeldet werden müssen. Wir dürfen nicht behandeln, wenn wir Personalgrenzen unterschreiten.“

Besonders angespannt sei die Lage in Kinderkliniken. Pflegekräfte, die auf Stationen in Kinderkliniken arbeiten, haben oft spezielle Zusatzausbildungen, sodass Mitarbeiter von Erwachsenenstationen nicht einfach dort eingesetzt werden können. Eine mögliche Lösung könnte laut DKG-Chef darin liegen, Personaluntergrenzen auszusetzen – sehen sich Stationen in der Lage, auch mit wenig Personal eine gute Versorgung zu leisten, könnten diese trotzdem aufbleiben.

Gaß fordert zudem, bürokratische Arbeiten in den Hintergrund zu rücken: „Man sollte jetzt konsequent sagen, dass die Pflegekräfte nur noch das Notwendigste dokumentieren müssen, was für die Patientenbehandlung wichtig ist und sich ansonsten auf die Pflege konzentrieren können.“

Kliniken kämpfen mit Personalmangel: Krankheitsstand so hoch wie noch nie

Intensivmediziner Christian Karagiannidis geht noch einen Schritt weiter und fordert grundlegende Reformen im deutschen Gesundheitssystem. „Der Krankenstand in der Gesellschaft ist aktuell extrem hoch, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, so Karagiannidis gegenüber der Wochentaz. Deshalb müsse dringend gehandelt werden.

Um den Personalmangel in der Pflege in den Griff zu bekommen, genüge es nicht, die Arbeitsplätze lediglich attraktiver zu machen. Millionen Stellen würden nicht nachbesetzt, nachdem Arbeitnehmer in Rente gehen. „Diese Arbeitskräfte fehlen als Pflegekräfte, sie fehlen als Beitragszahler. Und sie werden selbst zu Pflegefällen. Das ist ein Teufelskreis, aus dem wir erst in ungefähr zehn Jahren wieder rauskommen.“ Um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken und die Zahl der Arbeitskräfte zu erhöhen, sei das einzige Mittel „Migration im großen Stil.“ (tt)

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