Viele Tote und Verletzte

Armee stürmt Gasfeld: Geiseldrama endet blutig

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Die algerische Armee hat das von Islamisten besetzte Gasfeld in der Wüste gestürmt und damit das Geiseldrama blutig beendet. Es gibt etliche Tote und Verletzte. 

Algier - Die algerische Armee hat das von Islamisten besetzte Gasfeld in der Wüste gestürmt und damit das Geiseldrama blutig beendet. Es gibt etliche Tote und Verletzte. 

Mit einem weiteren Blutbad ist das Geiseldrama in der algerischen Wüste zu Ende gegangen. Einheiten der Armee stürmten am Samstag die Gasanlage bei In Amenas im Osten des Landes. In Mali setzte die dortige Armee mit französischer Unterstützung den Kampf gegen islamistische Rebellen fort. Die Geiselnehmer in Algier hatten ein Ende des Einsatzes in Mali gefordert. Bei der Militäraktion gegen die Geiselnehmer in der algerischen Wüste sind insgesamt 55 Menschen getötet worden. 23 Geiseln seien ums Leben gekommen, berichtete die algerische Nachrichtenagentur APS am Samstagabend unter Berufung auf offizielle Quellen. Zugleich wurden 650 Geiseln befreit.

Die schwer bewaffneten Angreifer hatten die Anlage am Mittwoch besetzt. Am Donnerstag griff das Militär die Islamisten an. Nach Informationen der algerischen Zeitung „El Watan“ sollen die Entführer am Samstag begonnen haben, die Geiseln zu töten. Für die sieben Ausländer - drei Belgier, zwei US-Amerikaner, ein Brite und ein Japaner - kam der Armee-Einsatz zu spät.

Laut algerischem Radio hatten die Entführer versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Anlage soll nun nach Minen abgesucht werden.

Das Auswärtige Amt in Berlin bekräftigte, dass es keine deutschen Geiseln gegeben habe.

Zwei deutsche Staatsangehörige befänden sich jedoch am Flughafen Ain Amenas und sollten ausgeflogen werden. Diese Mitarbeiter einer Bohrfirma seien nicht unter den Geiseln gewesen, teilte das AA am frühen Samstagabend mit. „Sie waren während der Geiselnahme mehrere Kilometer entfernt an ihrem Einsatzort und haben die letzten Tage an einem sicheren Ort in der Obhut algerischer Sicherheitskräfte verbracht. Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut“, hieß es.

Krisenherd Mali: Die Hintergründe des Konflikts

Der Konflikt im westafrikanischen Land Mali zwingt Europa zum Eingriefen. Hier erfahren Sie alles über die Hintergründe der brenzligen Lage. © dpa/AP
Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Von 1992 bis 2012 gab es ein Mehrparteiensystem mit friedlichen Machtwechseln nach Wahlen. © dpa/AP
Andererseits kämpften die meisten Menschen in dem bitterarmen Sahel-Land ums tägliche Überleben. Die durchschnittliche Lebenserwartung der knapp 16 Millionen Einwohner liegt bei 53 Jahren. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung sind Analphabeten. © dpa/AP
Mit 1,2 Millionen Quadratkilometern ist Mali mehr als dreimal so groß wie Deutschland. Das Land verfügt über zahlreiche Bodenschätze und ist einer der wichtigsten Baumwollproduzenten Afrikas. © dpa/AP
Dürreperioden haben der Landwirtschaft nachhaltig geschadet. 60 Prozent Malis sind von Wüste bedeckt. © dpa/AP
Die 300 000 bis 400 000 Tuareg im Norden lehnten sich wiederholt gegen die Zentralregierung auf und verlangten einen eigenen Staat. © dpa/AP
Auch der ehemalige libysche Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte kämpferische Tuareg für seine Streitkräfte. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele zurück und schlossen sich Aufständischen im Norden Malis an. © dpa/AP
Am 22. März 2012 gab es einen Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré (Foto). © dpa/AP
Nach dem Militärputsch eroberten die Tuarag der Nationalbewegung MNLA gemeinsam mit mehreren Islamistengruppen wie der Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) den Norden Malis. © dpa/AP
Im April riefen sie dort die unabhängige Islamische Republik Azawad aus. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. © dpa/AP
Nach ihrem Sieg überwarfen sich Tuareg und Islamistengruppen. Es gab blutige Gefechte. © dpa/AP
Die Regierung Malis hofft daher auf eine Einigung mit einem Teil der Rebellen und verhandelte mit den Tuareg und Ansar Dine - bisher erfolglos - über eine politische Lösung. © dpa/AP
Dabei blieb es auch in Südmali unruhig. Am 11. Dezember zwang das Militär Regierungschef Cheick Modibo Diarra (Foto) zum Rücktritt. © AP
Interimspräsident Dioncounda Traoré (Foto Mitte) bestimmte Django Sissoko zum neuen Ministerpräsidenten. © AP
Westlichen Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten jetzt 6000 Kämpfer in Nordmali, darunter Tausende Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. Dazu kämen bis zu 15.000 Bewaffnete ohne Ausbildung in Timbuktu und Gao. © dpa/AP
Die westafrikanische Eingreiftruppe soll über 3500 Mann umfassen. © dpa/AP
Seit der Machtübernahme der Extremisten im Norden flohen Hunderttausende aus dem Gebiet und leben als Binnenvertriebene oder als Flüchtlinge in Nachbarstaaten wie Mauretanien, Niger und Burkina Faso. © dpa
Dem UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) zufolge leiden inzwischen 4,6 Millionen Menschen an Nahrungsmittelunsicherheit. Rund 175 000 Kinder sind von schwerer Mangelernährung bedroht. © dpa
Anfang Januar 2013 rücken die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner von Gefechten zwischen Islamisten und Armee. © 
Am 11. Januar treffen Soldaten aus Frankreich (Foto), Nigeria und dem Senegal in Mali ein. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten. © AP
Bereits einen Tag später zwingen Französische Kampfjets die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. © AP

Bereits beim ersten Angriff auf die Geiselnehmer wurden laut Regierung in Algier zwölf algerische und ausländische Geiseln getötet. Zugleich seien 650 Geiseln befreit worden. Von den zunächst auf 32 bezifferten Geiselnehmern wurden dabei 18 nach algerischen Angaben „außer Gefecht gesetzt“.

Die Armee verteidigte ihr umstrittenes Vorgehen. „Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten“, zitierte die Tageszeitung „El-Khabar“ einen Armeesprecher.

Frankreichs Präsident François Hollande sieht sich durch das blutige Geiseldrama im Kampf gegen den Terrorismus bestärkt. Er verurteilte den Tod der Geiseln am Samstag als feigen Mord.

In Mali gelang es der Armee nach Angaben lokaler Medien und der französischen Regierung, Diabali zurückzuerobern. Die Stadt war zuvor in Händen der Islamisten. Nach Berichten von Einwohnern versuchte eine Gruppe mit bis zu 60 Fahrzeugen, in Richtung Nampala, Léré und Nara zu entkommen. In Gao im Norden des Landes soll sich nach einem Bericht der nigerianischen Zeitung „The Tribune“ der Anführer der islamischen Terrorgruppe Boko Haram, Abubakar Shekau, verstecken. Er werde von der malischen Rebellengruppe Ansar Dine unterstützt.

Die Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas rief zu mehr internationaler Unterstützung auf. „Es ist an der Zeit, dass die Weltmächte und weitere Staaten und Organisationen die militärische Operation begleiten“, sagte der Ecowas-Vorsitzende Alassane Ouattara in Abidjan in der Elfenbeinküste. Dort wollen die Führer der 15 Ecowas-Staaten ihre Unterstützung untereinander abstimmen. Sie wollen mehr als 3500 Soldaten nach Mali entsenden. Nach Ansicht des französischen Außenministers Laurent Fabius müssen afrikanische Soldaten rasch das Ruder in Mali übernehmen.

Gleichzeitig verstärkt Frankreich seine Truppen in Mali weiter. „Heute befinden sich 2000 französische Soldaten auf malischem Boden“, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag. Zusammen mit französischen Einheiten aus benachbarten Ländern seien derzeit 2900 französische Soldaten an der Operation Serval beteiligt.

Auch eine Woche nach Beginn des Einsatzes ist die Unterstützung der französischen Bevölkerung ungebrochen. 65 Prozent der Franzosen sprachen sich in einer Umfrage des Instituts Ifop für den Einsatz aus.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt ein Eingreifen der Bundeswehr in Mali nach einer Umfrage ab. Gleichzeitig kritisierten Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sowie Abgeordnete von CDU, SPD und Grünen die bisherige deutsche Unterstützung als unzureichend.

Das Außenministerium in Washington warnte alle US-Bürger vor Reisen nach Mali. Die Kämpfe dauerten an, die politische Lage sei instabil, hieß es in einer Mitteilung.

dpa

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