Tabakqualm: Alle sechs Sekunden stirbt ein Mensch

Berlin - Mehr als 250 Schadstoffe gibt es im Zigarettenqualm. Alle sechs Sekunden stirbt weltweit ein Mensch an den Folgen des Rauchens. Doch beim Nichtraucherschutz hapert es noch - auch in Deutschland.

Wer als Nichtraucher in einer deutschen Gaststätte essen möchte, kann so manche Überraschung erleben: Trotz aller Maßnahmen zum Schutz vor Tabakqualm sind die Räume oft verraucht. Denn die Gesetze in den Bundesländern sind unterschiedlich, sie werden oft missachtet und es gibt zu viele Ausnahmeregelungen, wie Gesundheitsexperten kritisieren.

Eine repräsentative Umfrage des Instituts YouGov ergab jetzt: 65 Prozent der Deutschen wollen lieber bundesweit einheitliche Regeln für Rauchverbote statt einen Flickenteppich verschiedener Vorschriften wie bisher. Und mehr als jeder Vierte beklagt, dass die derzeitigen Verbote oft nicht eingehalten werden. “Die meisten Landesgesetze zum Nichtraucherschutz dürfen als gescheitert angesehen werden“, sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Rauchverbote in den Bundesländern

Rauchverbote in den Bundesländern

Bei einer großen DKFZ-Studie kam heraus: Mehr als 80 Prozent der Kneipen und Bars in Deutschland sind verqualmt. Oft wird dabei gegen Vorgaben verstoßen. Bei den Gaststätten schnitt Düsseldorf besonders schlecht ab: Weniger als 60 Prozent sind dort rauchfrei. Generelle Rauchverbote in Gaststätten gibt es nur in Bayern und im Saarland.

“Raucherkneipen und Raucherräume sind Giftküchen“, warnt die Wissenschaftlerin. Mindestens 250 Schadstoffe finden sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Zigarettenrauch. Mehr als 50 davon könnten Krebs verursachen. “In diesem Jahr werden mehr als fünf Millionen Menschen auf der Welt an den Folgen des Tabakkonsums sterben - alle sechs Sekunden einer“, heißt es bei der WHO. “Das schließt nicht die über 600.000 Menschen ein - darunter etwa ein Viertel Kinder - die durch Passivrauchen sterben werden.“

Rauchen kann unter anderem Lungenkrebs und Herzprobleme verursachen. Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai will die WHO die Staaten an ihre Pflicht erinnern, die Menschen vor diesen Gesundheitsgefahren zu schützen. Im Fokus steht daher das Übereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums (Framework Convention on Tobacco Control, kurz FCTC). Aber nicht alle Unterzeichner des WHO-Papiers setzen es konsequent um. Dabei drängt die Zeit. Denn auch wenn in vielen Industrieländern die Zahl der Nichtraucher wächst, nimmt der Konsum von Tabakprodukten weltweit zu. Wird nicht die Notbremse gezogen, rechnet die WHO im Jahr 2030 schon mit acht Millionen Tabaktoten.

Um einen besseren Nichtraucherschutz in Deutschland zu erreichen, sollten nach Ansicht einiger Bundestagsabgeordneter die Verbote in den Bundesländern vereinheitlicht werden. Die Parlamentarier mehrerer Fraktionen möchten keinen “föderalen Flickenteppich“ und haben sich bereits mehrmals getroffen. Doch ihr Anliegen ist sehr umstritten. “Bundesgesetzlich ist geregelt, was zu regeln war“, sagte vor einigen Wochen der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn. Und aus der FDP hieß es, dass Deutschland keine “staatliche Bevormundung bis an den kleinsten Tresen“ brauche.

dpa

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