Wetter extrem

Süddeutschland 30 Grad wärmer als der Norden

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Links: Sonnenbadende am Starnberger See in Bayern (Archivbild). Rechts: Ein Mann mit Regenschirm geht am Dienstag in der Innenstadt von Frankfurt am Main (Hessen) über die schneebedeckte Fläche an der Hauptwache.

Offenbach - Meteorologen sind einiges gewöhnt - aber die Wetterkapriolen dieser Tage sind auch für sie etwas Besonderes. Am Dienstag war es in Süddeutschland über 30 Grad wärmer als im hohen Norden.

Das Wetter in Ihrer Region

Nur alle zehn bis 20 Jahre kommen im März so heftige Schneefälle wie am Dienstag in Deutschland vor. Mit dem Klimawandel habe das aber gar nichts zu tun, sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Herr Friedrich, wie häufig ist ein solcher Wintereinbruch im März in Deutschland?

Friedrich: „Das passiert in Deutschland vielleicht alle zehn bis 20 Jahre. Vor allem, dass wir verbreitet solche starken Schneefälle haben, das ist schon außergewöhnlich. Am Dienstagmorgen lagen östlich von Hamburg bis zu 36 Zentimeter Schnee. Später war die Mitte dran mit Schwerpunkt Rhein-Main-Gebiet. Wir hatten in Offenbach innerhalb von nur sechs Stunden 15 Zentimeter Neuschnee.“

Woran liegt das?

Friedrich: „Der Grund sind ganz extreme Temperaturunterschiede. Meteorologen nennen das eine Grenzwetterlage, das heißt wir haben eine Luftmassengrenze genau über Deutschland, die arktische Kaltluft im Norden von sehr warmer und feuchter Meeresluft im Süden trennt. Als Beispiel: Am Dienstagmorgen hatten wir in Quickborn bei Hamburg minus 19 Grad, in Kiefersfelden ganz im Süden am Nachmittag plus 13 Grad - das heißt Temperaturdifferenzen in Deutschland von knapp über 30 Grad. Das passiert nur sehr selten.“

Wetter-Weisheiten: Welche Sprüche wirklich stimmen

Wetter Bauernregeln
Ist der Januar feucht und lau, wird das Frühjahr trocken und rau. Falsch! Es gibt keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einem feuchten Januar und einem trockenen Frühjahr – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade mal bei 50 Prozent. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß. Stimmt! Allerdings ist dieser Zusammenhang nur sehr schwach. Für den kommenden Sommer hieße das trotzdem: viel Sonne und tropische Temperaturen, denn heuer war’s im Januar weiß und kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Vigilius (31.1.), im Märzen Kälte kommen muss. Volltreffer! Liegen die Temperaturen Ende Januar unter dem Gefrierpunkt, ist es oft auch im März bitterkalt. Heuer gab‘s in München an diesem Tag keinen Frost, der März könnte also mild ausfallen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Februar sehr warm, friert man Ostern bis in den Darm. Quatsch! Auch wenn die Wortwahl das Wetter nun sehr anschaulich beschreibt: An dieser Bauernregel ist nix dran. © dpa
Wetter Bauernregeln
Scheint an Lichtmess (2.2.) die Sonne heiß, kommt noch sehr viel Schnee und Eis. Richtig! Scheint die Sonne Anfang Februar häufiger als normal, ist es mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent im Februar und März frostig und kalt. Das liegt an der sogenannten Erhaltungsneigung des Wetters: Bringt ein Hochdruckgebiet Anfang Februar viel Sonne, bleibt das Wetter oft gleich über mehrere Wochen schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Felix und Petrus (21./22.2.) zeigen an, was wir 40 Tage für Wetter han. Richtig! In ganz Deutschland stimmt diese Regel in zwei Drittel aller Fälle. Regnet es an diesen Tagen nicht, bleiben auch die kommenden Wochen trocken – gleicher Zusammenhang gilt für die Temperaturen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Im Februar Schnee und Eis, macht den Sommer lang und heiß. Schön wär’s! Auf einen kalten Februar folgt nicht zwangsläufig ein schöner Sommer – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade einmal bei 50 Prozent. Schade eigentlich… © dpa
Wetter Bauernregeln
Im März viel Schnee und Regen bringt wenig Sommersegen. Blödsinn! Untersuchungen zeigen keinen Zusammenhang. Man darf also auch nach einem verschneiten März auf einen Super-Sommer hoffen! © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn es Kunigunden (3.3.) friert, sie’s noch 40 Nächte spürt. Stimmt nur tendenziell! In Süddeutschland trifft diese Regel mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Gertrude (17.3.), der Winter 40 Tage nicht ruht. Stimmt überwiegend! Ist es Mitte März unterdurchschnittlich kalt, bleibt die zweite Märzhälfte zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von um die 60 Prozent kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wie das Wetter zu Frühlingsanfang (21.3.), ist es den ganzen Sommer lang. Stimmt! Entscheidend sind die Tage um diesen Stichtag. Wahr ist, dass es bei wenig Regen in diesen Tagen in sechs von zehn Sommern niederschlagsarm bleibt. Ist es hier zu warm und sonnig, bleiben Juni und Juli zu fast 70 Prozent schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Hält St. Ruprecht (28.3.) den Himmel rein, so wird es auch im Juli sein. Stimmt! Scheint dann die Sonne, ist der Juli mit über 72 Prozent Wahrscheinlichkeit sonniger als normal. Schlechtes Wetter um den 28.3. bringt mit 60-prozentiger Sicherheit auch einen trüben Juli. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gibt’s im April mehr Regen als Sonnenschein, wird warm und trocken der Juni sein. Stimmt überwiegend nicht! Lediglich im Osten der Republik trifft die Regel in sechs von zehn Jahren zu. Prinzipiell ist aber kaum ein Zusammenhang zwischen April- und Juniwetter nachgewiesen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn’s viel regnet am Amantiustag (8.4.), ein dürrer Sommer folgen mag. Stimmt nur für den Süden! Hier liegt die Wahrscheinlichkeit für einen trockenen Sommer sogar zwischen 70 und 80 Prozent, wenn es Anfang April mindestens doppelt so viel geregnet hat wie üblich. © dpa
Wetter Bauernregeln
Auf einen nassen Mai folgt ein trockener Juni. Stimmt nur für den Süden! Im Großteil Deutschlands folgen auf einen nassen Mai genauso oft feuchte wie trockene Monate, in Ostdeutschland stimmt sogar das Gegenteil. © dpa
Wetter Bauernregeln
Das Wetter am Siebenschläfertag (27.6.), sieben Wochen bleiben mag. Stimmt! Diese bekannte Regel trifft vor allem dann zu, wenn man als Datum den 7. Juli hernimmt – das ist nämlich nach der Kalenderreform der wahre Siebenschläfertag. Am meisten trifft die Regel für uns im Süden zu. Dieser Tag ist übrigens der Gedenktag für die Sieben Schläfer von Ephesus und Lostag für Bauernregeln und hat nichts mit dem Nagetier zu tun. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gießt’s an St. Gallus (16.10.) wie ein Fass, wird der nächste Sommer nass. Stimmt nicht! Hier besteht kein nachweisbarer Zusammenhang. Wieder einmal trifft die Bauernregel am ehesten für den Süden Deutschlands zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa

Vor wenigen Tagen war es schon sehr mild, jetzt ist es frostig. Sind solche Temperaturschwankungen im März ungewöhnlich?

Friedrich: „Nein. Wir hatten letzte Woche plus 20 Grad in Düsseldorf, jetzt minus 20 Grad im Norden. Das ist eben für den März typisch. Das ist der Übergangsmonat, der Monat mit den größten Temperaturunterschieden - je nachdem, ob wir die Luft von Nordosten haben oder von Südwesten. Das ist nicht unnormal. Was jetzt unnormal ist, das ist die Konzentration dieser Unterschiede genau über Deutschland.“

Bedeutet die März-Kälte, dass wir einen heißen Sommer bekommen?

Friedrich: „Es gibt keinen Hinweis, dass man sagen könnte, das Frühjahr wird kalt oder der Sommer wird warm. Solche Regeln haben keinen wissenschaftlichen Wert. Es gibt auch keine Statistiken, die das bestätigen. Sie können jetzt überhaupt noch nichts sagen.“

Sagt uns der aktuelle Wintereinbruch etwas über das Klima - wird der Klimawandel dadurch vielleicht sogar abgemildert?

Friedrich: „Dass wir jetzt im März eine Frostperiode haben, gehört zu den Schwankungen in der Witterung. Klimaerwärmung und Schnee im März schließen sich nicht aus. Das muss man immer genau trennen. Wir reden hier über Tage, die das Wetter von solchen Großwetterlagen regional geprägt wird. Das hat nichts mit Klimaänderung zu tun. Das sind völlig andere Maßstäbe, auch von den zeitlichen Dimensionen. Beim Klima reden wir immer über Jahrzehnte, insofern können wir von solchen Kapriolen überhaupt keine Rückschlüsse auf Klimatrends ziehen. Mit den Temperaturen geht es langfristig nicht gradlinig nach oben, sondern es gibt immer Schwankungen. Die Wahrscheinlichkeit für kalte Winter nimmt in 50 Jahren zwar ab, aber das heißt nicht, dass sie nicht mehr möglich sind.“

Interview: Sabine Ränsch

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