Biker in tödlicher Gefahr

Serientäter: Altölfallen gegen Motorradfahrer

Tödliche Öllachen auf der Straße: Zwischen Markt Rettenbach und Ottobeuren verunglückte im April 2011 ein Motorradfahrer und starb - die Polizei hält den 37-Jährigen für das Opfer eines Serientäters.

Kempten. Die Polizei im Allgäu jagt ein unheimliches Phantom: Seit Jahren, immer zum Auftakt der Motorradsaison, lässt ein Unbekannter Wein- oder Sektflaschen voller Altöl auf kurvigen Nebenstrecken in Bayern und Baden-Württemberg zerschellen, um Bikern lebensgefährliche Fallen zu stellen.

Motorradfans im Süden starten mit mulmigem Gefühl ins Frühjahr. Mitte April 2011 schmierte ein 37-Jähriger mit seiner schweren Honda auf einer Öllache zwischen Markt Rettenbach und Ottobeuren weg, prallte gegen ein Auto und starb. In der näheren Umgebung fanden sich neun ähnliche Flecken, zudem überall Flaschenscherben. Zeitweise überwachte die Polizei damals die beliebte Motorradroute.

40 verdächtige Würfe

Mittlerweile hat die Sonderkommission Ölfleck beim bayerischen Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten 40 verdächtige Ölflaschen-Würfe zusammen. Sie stammen aus Fällen seit 2007 - mit Pausen 2009 und 2012. Meist waren die Flecken von Feuerwehren einfach abgestreut worden, ohne dass jemand an Serientäter dachte.

Die rote Honda des Verunglückten.

Erst vor kurzem wurde die Verbindung zu einem Ölunfall 2007 im bayerischen Kreis Dillingen hergestellt, bei dem ein Auto von der Straße flog. Der 31-jährige Fahrer wurde eingeklemmt und schwer verletzt.

Die Tatorte liegen bis zu 100 Kilometer weit auseinander. Ermittelt wird wegen Mordes - inzwischen bis Vorarlberg, Tirol, Liechtenstein, in die Schweiz. Privatleute, LKA und Firmen haben 53 000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Ein Motorradhasser? Jemand, den das Aufheulen PS-starker Motoren nervt? Der selbst Opfer eines Motorradunfalls ist oder von einem Biker-Club abgelehnt wurde? Alles denkbar - doch die Fahnder stochern noch im Dunkeln.

Service

Den Bericht der Soko Ölspier finden Sie hier

Ein Fahndungsaufruf bei Aktenzeichen XY ungelöst im ZDF blieb ohne Erfolg. Die als Ölschleuder befüllten Weinflaschen, soviel weiß die Soko, stammen von einem Discounter. An mehreren Scherben wurden identische DNA-Spuren gefunden. Mehrere hundert Personen wurden um Speichelproben gebeten.

Konkurrierende Motorradclubs? Leute, die sich über Ruhestörung beschwert hatten? Keine Details, hieß es auf HNA-Anfrage - aus ermittlungstaktischen Gründen. Weitere Speichelbitten könnten folgen, wenn Mobilfunkdaten vom Ort des tödlichen Unfalls ausgewertet sind, so die Polizei.

Gestützt auf neuere Zeugenaussagen gehen die Fahnder in Kempten davon aus, dass der oder die Täter damals eine Spur von zehn Ölfallen gelegt haben. Und auf der Rückfahrt kurz nach dem tödlichen Crash zum Unfallort kommen konnten, an dem ihr Opfer starb.

Bleiben einstweilen Spekulationen, der im Internet kursierende Ratschlag unter Bikern „Haltet euch fern vom Allgäu!“. Wenigstens weiß man, wo die mit Altöl befüllten Flaschen herkommen: Von einem Massenabfüller, der Discounter mit Wein beliefert.

Von Wolfgang Riek

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