Mehr als zwei Jahrzehnte im Gefängnis

Fehlurteil wegen Mordes an Kindern: Amerikaner nach fast 50 Jahren entschädigt

Tallahassee. Er verlor seine sieben Kinder, wurde wegen Mordes an ihnen von einer voreingenommenen Jury zu Unrecht verurteilt und saß mehr als zwei Jahrzehnte im Gefängnis. Fast 50 Jahre nach dem Fehlurteil wird der inzwischen 78-jährige US-Amerikaner James Richardson nun entschädigt.

Auf diesen Tag hat der Amerikaner James Richardson lange gewartet. Nach 25 Jahren des Wartens will ihn der Staat Florida für mehr als zwei Jahrzehnte entschädigen, die er unschuldig im Gefängnis verbrachte - verurteilt wegen angeblichen Mordes an seinen sieben Kindern. Der Kongress in Tallahassee änderte am Freitag dazu ein Gesetz, das bisher Schadenersatz für Richardson verhindert hatte, wie die "Herald Tribune" berichtete. Sein Fall hatte über die USA hinaus Aufsehen erregt.

Die Kinder waren 1967 in der Stadt Arcadia vergiftet aufgefunden worden. Der schwarze Richardson wurde in einem fragwürdigen Prozess von einer ausschließlich weißen Geschworenenjury schuldig gesprochen und verbrachte Jahre in der Todeszelle. 1989 wurde er freigelassen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Zeugen durch Misshandlungen zu belastenden Aussagen gezwungen worden waren. Hinzu kam ein Geständnis der damaligen, mittlerweile allerdings an Alzheimer leidenden Babysitterin der Kinder, die Kleinen vergiftet zu haben.

Die Jahre im Gefängnis ruinierten Richardsons Gesundheit und sein Leben. Seine Unterstützer forderten deshalb Entschädigung von Staat. Bisher schrieb ein Gesetz in Florida vor, dass ein Häftling seine Unschuld klar beweisen muss, um finanziell entschädigt zu werden. Das ist im Fall Richardson nach all den Jahren aber unmöglich. DNA und andere sichere Beweise können nicht mehr geprüft werden. Mit der Novelle des Gesetzes reichen laut der "Herald Tribune" nun diejenigen Beweise für die Entschädigung aus, die Richardson auch aus dem Gefängnis gebracht haben. Jetzt muss der Staat dem Mann, der inzwischen 78 Jahre und sehr gebrechlich ist, für jedes Gefängnisjahr 50.000 Dollar (36.000 Euro) zahlen. Er bekommt daher etwa eine Million Dollar.

Richardson selbst sagte, er sei dankbar, dass der Staat nun formell anerkenne, dass er unschuldig ist – und nicht nur frei. Das Geld sei weniger entscheidend, aber dennoch wichtig. Es werde niemals vorbei gehen, zitiert die Herald Tribune den 78-Jährigen. „Es kann nicht zurückgezahlt werden, was ich verloren habe.“ (dpa/ema)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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