Schuh-Attacke auf Attentäter Breivik

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Anders Breivik (r.) mit einem seiner Verteidiger

Oslo - Eklat beim Beivik-Prozess: Der Bruder eines Opfers hat am Freitag einen Schuh in Richtung des geständigen Attentäters geschleudert. Er traf den Falschen.

„Mörder! Du hast meinen Bruder getötet! Fahr zur Hölle!“, schrie ein junger Mann am Freitag während der Verlesung der letzten Obduktionsberichte. Der Schuh verfehlte Islamhasser Breivik und traf stattdessen seine Anwältin, Vibeke Hein Baera. Verletzt wurde sie nicht.

Breivik sei ruhig geblieben und habe gelächelt, als Sicherheitsleute den Angreifer aus dem Gerichtssaal führten. Einige Zuschauer hätten geklatscht und “Bravo“ gerufen, sagte Akerman. Andere hätten geweint. Der Prozess wurde kurz unterbrochen.

Bei dem Angreifer handelte es sich nach Medienberichten um einen Kurden aus dem Nordirak, der seinen 18 Jahre alten Bruder bei dem Massaker auf der Insel Utøya im Sommer 2011 verloren hatte. Der Wutausbruch sei Ausdruck tiefer Verzweiflung und Trauer gewesen, sagte der Anwalt der Familie des jungen Kurden. Der Schuhwerfer war so aufgewühlt, dass er ärztlich untersucht werden musste. Ob seine Attacke rechtliche Folgen haben wird, stand zunächst nicht fest.

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Nach der zehnminütigen Pause habe Breivik gesagt: “Wenn jemand etwas auf mich werfen will, kann er das tun, wenn ich hereinkomme oder herausgehe.“ Polizeichef Rune Björsvik nannte den Angriff eine “spontane und emotionale Reaktion“. Der Wurf mit dem Schuh habe kein Sicherheitsrisiko dargestellt.

Es war der erste Gefühlsausbruch eines Zuschauers im Prozess gegen Breivik, der im vergangenen Juli bei einem Doppelanschlag in Oslo und auf der Insel Utöya 77 Menschen getötet hatte. Das Werfen von Schuhen gilt in vielen Ländern aus Ausdruck tiefster Verachtung. Ein Angriff mit einem Schuh auf den damaligen US-Präsident George W. Bush bei einer Pressekonferenz in Bagdad hatte 2008 ein weltweites Medienecho ausgelöst.

dapd/dpa

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