Herzloser Fall in Brandenburg

Amt will Wachkoma-Kind die Therapiehündin wegnehmen

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Sollen bald getrennt werden: Therapiehündin Tascha und der zehnjährige Dylan, der seit seiner Geburt im Wachkoma liegt.

Schönwalde. Der kleine Dylan liegt seit seiner Geburt im Wachkoma. Seit sechs Jahren immer an seiner Seite: Therapiehündin Tascha. Sie kuschelt mit dem Zehnjährigen, leckt ihn ab, wärmt ihn. Wenn Tascha bei Dylan ist, wird sein Atem ruhiger, nur auf die Hündin reagiert das Kind. Doch damit ist bald Schluss:

Das Ordnungsamt Schönwalde (Brandenburg) will Dylan die beste Freundin wegnehmen. Im schlimmsten Fall droht Tascha sogar der Tod.

Die Hündin ist ein Staffordshire-Bullterrier. Diese Rasse gilt in Brandenburg als Listenhund und darf daher nicht gehalten werden. Deshalb will das Amt die Therapiehündin beschlagnahmen. Dylans Vater Eckhard Gerzmehle kann die Hartherzigkeit des Ordnungsamts nicht verstehen. „Tascha sorgte dafür, dass die Herztöne von Dylan ruhiger wurden“, sagte er der B.Z. Berlin. Doch auch der Bürgermeister Schönwaldes bleibt hart. „Gesetz ist Gesetz“, sagte Bodo Oehme der B.Z. Der Hund habe einen anderen Hund gebissen und sei daher gefährlich.

Tascha droht nun ein trauriges Schicksal. Entweder wird die Hündin nach monatelangen Verhaltenskontrollen in eine andere Familie gegeben, oder von Amtswegen getötet. Wird sie beschlagnahmt, gibt es keine Möglichkeit der Rückkehr zum kranken Dylan.

Dagegen regt sich nun Protest. Die Erna-Graff-Stiftung unterstützt die Familie, würde laut Stiftungsvorstand sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Und aus dem Internet erreicht Dylans Familie eine Welle der Sympathie. Eine Online-Petition, mit der die Beschlagnahmung vereitelt werden soll, hat über 35.000 Unterschriften gesammelt. Die Facebook-Seite „Unterstützt Wachkomakind Dylan und seinen Hund Tascha“ hat nach drei Tagen 84.300 „Gefällt mir“-Angaben, englischsprachige Tierschutzportale berichten von dem Fall.

Christopher Posch

Der Schauspieler Jörg Rohde schreibt auf Facebook: „Ist das krass! Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sich diese Angelegenheit doch noch zum Guten wendet.“ Auch TV-Anwalt Christopher Posch aus Kassel wurde von der Familie kontaktiert. Eine Antwort stehe noch aus. Wie es weitergeht, ist nicht bekannt. „Leider haben wir noch keinen neuen Zwischenstand“, schreibt Dylans Familie.

Von Sebastian Lammel

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